KGS-Vertragsbedingungen für 2027 lösen Streit mit polnischen Rübenanbauern aus
KGS bietet für Vertragsrüben 2027 26 € je Tonne, für Überschussrüben 40 Zloty je Tonne und erwägt eine Kürzung der Vertragsmenge um bis zu 10 %. Die Anbauer warnen vor sinkender Aussaatbereitschaft, während der staatlich kontrollierte Konzern auf hohe Zuckerbestände, fallende Preise und eigene Verluste verweist.
KGS eröffnet Verhandlungen mit niedrigeren Konditionen
Der staatlich kontrollierte polnische Lebensmittelkonzern KGS stößt mit seinen vorläufigen Vertragsbedingungen für die Kampagne 2027 auf Widerstand der Zuckerrübenanbauer. Laut Farmer.pl sieht das Angebot 26 € je Tonne Vertragsrüben und 40 Zloty je Tonne Überschussrüben vor. Zudem könnten die Vertragsmengen gegenüber dem laufenden Jahr um bis zu 10 % sinken.
KGS will außerdem die Berechnungsbasis für Früh- und Spätlieferprämien auf 26 € je Tonne senken. Die Gebühr für die sogenannte Komplettbetreuung soll auf 8 Zloty je Tonne steigen. Die Anbauer argumentieren, dass niedrigere Erlöse bei steigenden Produktionskosten den Rübenanbau für manche Betriebe unrentabel machen könnten.
KGS betont, dass die am 24. August dem Rat der Zuckerrübenanbauerverbände präsentierten Konditionen lediglich eine Ausgangsposition und keine vereinbarte Regelung seien. Begründet werden sie mit der Lage am Zuckermarkt und den eigenen Finanzen; die Verhandlungen sollen fortgesetzt werden.
Regierung zu staatlich kontrolliertem Unternehmen befragt
Die Abgeordnete Magdalena Filipek-Sobczak fragte das Landwirtschaftsministerium und das Ministerium für Staatsvermögen, warum ein staatlich kontrolliertes Unternehmen polnischen Landwirten angeblich schlechtere Bedingungen biete als ausländische Zuckerkonzerne. Der Staat hält 84 % an KGS; auch Anbauer und Beschäftigte sind Aktionäre.
Das Ministerium für Staatsvermögen erklärte, es prüfe das Vorgehen des Vorstands, könne ihm in geschäftlichen Angelegenheiten jedoch keine verbindlichen Weisungen erteilen. Es forderte KGS dennoch zu einer Stellungnahme auf. Nach Angaben des Unternehmens deuten öffentlich zugängliche Informationen darauf hin, dass ausländische Zuckerproduzenten in Polen für 2027 etwa 25-26 € netto je Tonne bieten. Zu Behauptungen, Wettbewerber wollten ihre Vertragsmengen nicht kürzen oder sogar erhöhen, äußerte sich KGS nicht.
Bestände und Preise belasten die Kalkulation
KGS verbuchte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Nettoverlust von 305,8 Millionen Zloty und erwartet auch 2025/2026 ein negatives Ergebnis. Das Unternehmen hält weitere Kostensenkungen für notwendig. Von Farmer.pl zitierte Daten der Europäischen Kommission beziffern den durchschnittlichen EU-Preis für Weißzucker im April 2026 auf 502 € je Tonne, nach 540 € im Vorjahr.
Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums produzierte Polen 2024/25 die Rekordmenge von 2,58 Millionen Tonnen Zucker und 2025/26 weitere 2,57 Millionen Tonnen. Für 2026/27 wird wegen einer um 10 % gegenüber dem Vorjahr geschrumpften Rübenfläche und niedrigerer Erträge ein Rückgang um rund 20 % auf 2,0-2,1 Millionen Tonnen erwartet. Polen ist nach Frankreich und Deutschland der drittgrößte Zuckerproduzent der EU; der jährliche Inlandsbedarf wird auf 1,8 Millionen Tonnen geschätzt.
Der wichtigste Belastungsfaktor bleiben die Lagerbestände. Das polnische Statistikamt erfasste im ersten Quartal 2026 1,6 Millionen Tonnen Zucker. Das waren 11,7 % mehr als im Vorjahr, 25,7 % mehr als im Dreijahresmittel und 36,6 % mehr als im Fünfjahresmittel. Trotz intensiver Exporte und geringerer Importe wuchsen die Bestände innerhalb von fünf Jahren um 605.400 Tonnen.
Die endgültige Entscheidung über eine Kürzung der KGS-Verträge hängt teilweise von der tatsächlichen Zuckerproduktion der laufenden Kampagne ab. Laut Unternehmen lag die Erzeugung 2024 um 9 % und ein Jahr später um 12 % über dem aus den Vertragsrübenmengen abgeleiteten Niveau; aktuell werden etwa 4 % erwartet. Für die Betriebe entscheidet die Verhandlung darüber, ob Rüben gegenüber Raps, Weizen und Mais wettbewerbsfähig bleiben. Für KGS geht es um die Rohstoffversorgung der Fabriken, während der Konzern in einem Markt mit hohen Beständen seine Verluste begrenzen muss.