Kasachstan meldet bei den meisten wichtigen Lebensmitteln über 80% Selbstversorgung
Kasachstan deckt bei den meisten sozial wichtigen Lebensmitteln mehr als 80% des Bedarfs aus eigener Produktion. Die Regierung baut vor allem die Milcherzeugung aus und fördert Produktgruppen mit weiter bestehender Importabhängigkeit.
Inlandsproduktion deckt den Großteil des Bedarfs
Kasachstans Selbstversorgungsgrad bei den meisten sozial wichtigen Lebensmitteln liegt inzwischen über 80%, sagte der stellvertretende Landwirtschaftsminister Azat Sultanov bei einer Regierungssitzung. Damit liefern einheimische Erzeuger den überwiegenden Teil des nationalen Bedarfs in den zentralen Kategorien, die für die Ernährungssicherheit beobachtet werden.
Das Landwirtschaftsministerium arbeitet weiter daran, den Anteil heimischer Lebensmittel zu erhöhen. Nach Angaben von Agrarny Sektor soll die Politik die Importabhängigkeit senken und die Ernährungssicherheit des Landes stärken. Produktspezifische Selbstversorgungsquoten wurden jedoch nicht veröffentlicht, sodass unklar bleibt, welche einzelnen Warengruppen bereits über dem Gesamtwert liegen.
Förderung richtet sich auf importabhängige Produkte
Als Prioritäten für eine höhere Inlandsproduktion nennt die Regierung Geflügelfleisch, Fisch, Zucker, Käse und Quark, Wurstwaren sowie Äpfel. Die Liste umfasst unterschiedliche Wertschöpfungsketten von Tierhaltung und Lebensmittelverarbeitung bis zu Aquakultur und Obstbau.
Die Auswahl zeigt zugleich, in welchen Bereichen Kasachstan noch Spielraum für die Verdrängung ausländischer Lieferungen sieht. Mehr Produktion erfordert nicht nur zusätzliche landwirtschaftliche Kapazität: Geflügel-, Milch-, Zucker- und Fleischverarbeitung benötigen verlässliche Futter- oder Rohstofflieferungen, Verarbeitungsanlagen, Kühlung und Vertrieb. Im Apfelsektor kommen Plantagen, Lagerhäuser und saisonale Vermarktungswege hinzu.
Produktionsziele, Investitionssummen und Fristen wurden für diese Warengruppen nicht genannt. Wie schnell lokale Ware zusätzliche Importe ersetzen kann, hängt daher von Finanzierung und Inbetriebnahme der einzelnen Projekte ab. Importeure und Verarbeiter müssen den Kapazitätsausbau je Produkt verfolgen, da der landesweite Selbstversorgungswert Unterschiede zwischen den Teilmärkten nicht abbildet.
Milchviehbetriebe führen den Kapazitätsausbau an
Die Milchwirtschaft ist ein Schwerpunkt des staatlichen Programms. Kasachstan finanziert den Bau kommerzieller Milchviehbetriebe mit vergünstigten Krediten, um die heimische Rohmilchbasis zu vergrößern.
Bislang wurden 95 Milchviehbetriebe mit einer gemeinsamen Auslegungskapazität von mehr als 500.000 Tonnen Milch pro Jahr finanziert, sagte Sultanov. Davon sind 71 bereits in Betrieb. Bis zum Ende des laufenden Jahres sollen weitere 19 Anlagen starten und jährlich rund 100.000 Tonnen zusätzliche Milch liefern.
Die Wirkung des Programms hängt davon ab, wie schnell die neuen Betriebe ihre Auslegungskapazität erreichen und ob die Molkereien die zusätzliche Rohmilch aufnehmen können. Für Milchverarbeiter könnte die größere heimische Rohstoffbasis eine höhere Produktion von Käse und Quark ermöglichen, die beide zu den prioritären Produkten zählen. Für Händler ist entscheidend, ob die neuen Kapazitäten Importe fertiger Milchprodukte reduzieren oder vor allem eingeführte Rohstoffe und Zutaten ersetzen. Die landesweite Quote beschreibt den allgemeinen Fortschritt, während die Zahlen zu den Milchviehbetrieben den konkreten Kapazitätszuwachs zeigen.