Europäische Kartoffelpreise steigen nach Ertragseinbußen auf 240 Euro je Tonne
Verarbeitungskartoffeln kosten in Deutschland rund 240 Euro je Tonne nach etwa 30 Euro im Vorjahr, weil Hitze und eine kleinere Anbaufläche die europäische Erzeugung drücken. Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande dürften zusammen rund 20,7 Millionen Tonnen ernten, wodurch Verarbeiter, Händler und Einkäufer mit einem knapperen Angebot rechnen müssen.
Hitze und kleinere Anbaufläche drücken die Ernte
Der europäische Kartoffelmarkt verknappt sich, nachdem extremes Wetter und ein geringerer Anbau die Erträge in Teilen der Region um bis zu 20% reduziert haben. Verarbeitungskartoffeln kosten in Deutschland laut ad-hoc-news.de rund 240 Euro je Tonne; einzelne Abschlüsse erreichen 250 Euro. Im Vorjahr waren es etwa 30 Euro je Tonne.
Der abrupte Wechsel von einer Rekordernte zu einem Rekordtief folgte auf fünf aufeinanderfolgende Hitzewellen. Expana-Analyst Craig Elliott sieht darin den Auslöser der Entwicklung. Besonders betroffen sind Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande — vier große Erzeugerländer und zugleich das zentrale Rohstoffgebiet der europäischen Kartoffelverarbeitung.
Die Nordwesteuropäischen Kartoffelerzeuger, NEPG, schätzen die gemeinsame Produktion dieser vier Länder auf rund 20,7 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 waren es noch 27,3 Millionen bis 27,75 Millionen Tonnen. ECIU erwartet mit 19,5 Millionen bis 20,5 Millionen Tonnen eine noch niedrigere Menge.
Deutschland verzeichnet das größte Defizit
Laut der ECIU-Analyse vom 17. September 2026 produzieren Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande rund 3,1 Millionen Tonnen weniger als im Fünfjahresmittel. Einschließlich des Vereinigten Königreichs übersteigt das Minus 3,5 Millionen Tonnen. Mit 1,13 Millionen Tonnen entfällt das größte absolute Defizit auf Deutschland.
Nach Schätzung der NEPG sank die Anbaufläche in den vier kontinentaleuropäischen Ländern um 13,7% von 604.000 auf 521.500 Hektar. Der Durchschnittsertrag liegt bei rund 40,5 Tonnen je Hektar und damit etwa 14% unter dem Vorjahr sowie dem Fünfjahresmittel. Auf Deutschland entfallen 7,55 Millionen Tonnen, auf Frankreich 6,49 Millionen Tonnen, auf Belgien 3,43 Millionen Tonnen und auf die Niederlande 3,23 Millionen Tonnen.
Für Frankreich wäre dies mit Ausnahme von 2022 die kleinste Ernte seit 30 Jahren. Die Verknappung hat auch die Preise am Frischmarkt erhöht: Speisekartoffeln starteten mit 270 bis 280 Euro je Tonne in die Saison, verglichen mit rund 150 Euro im vorherigen Zeitraum. In Frankreich stiegen die Speisekartoffelpreise von 310 auf 520 Euro je Tonne.
Verarbeiter und Handel müssen mit knapper Ware rechnen
ECIU-Analyst T. Lancaster beziffert den gesamten finanziellen Schaden auf 498 Millionen bis 818 Millionen Euro. Davon entfallen 405 Millionen bis 622 Millionen Euro auf die Europäische Union; für das Vereinigte Königreich werden 80 Millionen bis 169 Millionen Pfund veranschlagt. Branchenbeobachter erwarten, dass die verfügbaren Vorräte etwa bis Weihnachten reichen. Für Verarbeiter und Händler werden deshalb der Einkaufszeitpunkt und die vertragliche Absicherung wichtiger.
Die Folgen unterscheiden sich entlang der Lieferkette. Erzeuger mit vermarktungsfähiger Ware profitieren von höheren Preisen, doch Betriebe mit schweren Ertragseinbußen könnten zu wenig Menge haben, um den Produktionsrückgang auszugleichen. Verarbeiter müssen teureren Rohstoff einkaufen und um geeignete Kartoffeln konkurrieren. Einzelhandel und Gastronomieeinkäufer müssen höhere Frischmarktpreise und eine möglicherweise eingeschränkte Verfügbarkeit bewältigen.
Grenzüberschreitende Beschaffung in Nordwesteuropa kann die verbleibende Ernte neu verteilen, aber kein regionales Defizit ersetzen, das alle vier führenden kontinentaleuropäischen Anbieter betrifft. Der Deutsche Bauernverband erklärt, die grundlegende Lebensmittelversorgung sei weiterhin gesichert, warnt jedoch bei mehreren Kulturen vor unterdurchschnittlichen Ernten und im Süden Deutschlands vor möglichen regionalen Totalausfällen. Er fordert unter anderem eine EU-Düngemittelbeihilfe, vorgezogene Direktzahlungen, eine Absenkung der Agrardieselsteuer bis Ende November und eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage.