Japan vereinheitlicht Biersteuer auf 54,25 Yen je 350 Milliliter
Japan besteuert bierartige Getränke ab dem 1. Oktober einheitlich mit 54,25 Yen je 350 Milliliter. Die Abgabe auf herkömmliches Bier sinkt um rund 9 Yen, während sie für Happoshu und Bier der dritten Kategorie um rund 7 Yen steigt.
Ein Steuersatz für bierartige Getränke
Japan vereinheitlicht zum 1. Oktober die Alkoholsteuer auf bierartige Getränke bei 54,25 Yen je 350-Milliliter-Gebinde. Damit verändert sich die relative Steuerbelastung der wichtigsten Kategorien des japanischen Biermarktes. Nach Angaben der Zeitung The Asahi Shimbun sinkt die Steuer auf herkömmliches Bier um rund 9 Yen je 350 Milliliter, während sie für Happoshu und Bier der dritten Kategorie um rund 7 Yen steigt.
Die Reform verringert die steuerlichen und preislichen Abstände, die herkömmliches Bier lange von den niedriger besteuerten Alternativen getrennt haben. Für Brauereien und Händler stellt sich nun die Frage, ob der kleinere Preisunterschied Verbraucher zu klassischem Bier zurückführt oder die Hersteller zur Neupositionierung jener Produkte zwingt, die gezielt für steuerliche Vorteile entwickelt wurden.
Günstigere Kategorien entstanden in wirtschaftlich schwacher Zeit
Die heutige Marktstruktur nahm Gestalt an, nachdem der Absatz von herkömmlichem Bier 1994 seinen Höchststand erreicht hatte und danach schrittweise zurückging. Yasushi Tsuru, emeritierter Professor der Hitotsubashi-Universität und Experte für Alkoholbesteuerung, sagte The Asahi Shimbun, der Rückgang sei mit dem Platzen der japanischen Wirtschaftsblase und dem Beginn einer längeren Schwächephase zusammengefallen.
Da die Einkommen nicht wuchsen, suchten die Getränkehersteller nach Produkten, die guten Geschmack zu einem niedrigeren Preis boten. Happoshu wurde mit einem geringeren Malzanteil entwickelt und fiel dadurch unter einen niedrigeren Steuersatz. Zugleich sollte es ähnlich wie Bier schmecken oder ein eigenständiges Geschmacksprofil bieten. Später entwickelten die Unternehmen nach einem vergleichbaren Prinzip Bier der dritten Kategorie, unter anderem aus Bohnen.
Die steuerliche Behandlung wurde damit zu einem Bestandteil der Produktentwicklung und war nicht nur eine nachgelagerte Abgabe. Unterschiede bei Zutaten und Malzanteil ermöglichten den Brauern Angebote in mehreren Preissegmenten. Verbraucher erhielten während einer Phase stagnierender Einkommen günstigere Alternativen zu herkömmlichem Bier.
Kleinere Preisabstände könnten die Nachfrage verschieben
Mit dem einheitlichen Satz verliert der Steuervorteil von Happoshu und Drittbier an Gewicht. Zwischen der Senkung um rund 9 Yen bei herkömmlichem Bier und der Erhöhung um rund 7 Yen bei den Alternativen ergibt sich eine Verschiebung von etwa 16 Yen. Der Spielraum zur preislichen Abgrenzung wird kleiner, auch wenn die tatsächlichen Ladenpreise weiterhin von den Entscheidungen der Hersteller und Händler abhängen.
The Asahi Shimbun zufolge könnte der geringere Preisabstand im Handel die Nachfrage nach herkömmlichem Bier beleben. Verbraucher, die Happoshu oder Drittbier vor allem wegen des Preises kaufen, könnten eher in die höherwertige Kategorie wechseln. Der etablierte Geschmack und die eigenständige Positionierung der Alternativen sprechen jedoch gegen eine vollständige Rückkehr zum klassischen Bier.
Produktstrategie löst sich von der Steuerklasse
Die Brauereien müssen entscheiden, wie stark sie die Steueränderung in ihren Verkaufspreisen abbilden und wie sie ihre Produkte bei geringeren steuerlichen Unterschieden voneinander abheben. Herkömmliches Bier erhält bessere Voraussetzungen für den Preiswettbewerb. Happoshu- und Drittbiermarken müssen stärker auf Geschmack, Markentreue und eine eigenständige Produktidentität setzen.
Die Reform macht die Innovationen hinter den niedriger besteuerten Kategorien nicht rückgängig. Sie verändert aber deren wirtschaftliche Grundlage. Für Hersteller, Verarbeiter und Händler bedeutet die Neuregelung im Oktober, dass steuerlich geprägte Produktgestaltung an Bedeutung verliert und Produkteigenschaften sowie Preisentscheidungen wichtiger werden.