Italien untersagt Extra-nativ-Kennzeichnung für Olivenölmischungen
Ein italienisches Ministerialrundschreiben untersagt, Mischungen aus nativem und nativem Olivenöl extra als „extra vergine“ zu vermarkten. Verpackte Bestände dürfen abverkauft werden, während lose Mischungen binnen 30 Tagen nach Veröffentlichung im Amtsblatt neu eingestuft werden müssen.
Ministerium schließt eine Kennzeichnungslücke
Italien hat die Regeln für natives Olivenöl extra verschärft. Produkte, die durch das Mischen von nativem Olivenöl extra und nativem Olivenöl entstehen, dürfen nicht mehr unter der höherwertigen Bezeichnung vermarktet werden. Die Klarstellung steht laut Maremma News im Rundschreiben Nr. 347821 des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Forsten vom 16. Juli. Die Maßnahme soll Verbraucherinformationen verbessern, die Echtheit der Kategorie schützen und die Einkommen der Olivenbauern sichern.
Das physische Mischen der beiden Kategorien wird durch das Rundschreiben nicht verboten. Das daraus entstehende Öl darf jedoch nicht die Bezeichnung „natives Olivenöl extra“ tragen. Bisher konnte ein Anteil hochwertigen Öls Mängel eines nativen Olivenöls überdecken, solange die fertige Mischung formal die vorgeschriebenen chemischen Parameter einhielt. Kritiker bemängelten, dass dies die sensorische Bewertung durch den Panel-Test entwertete und Verbraucher eine Mischung für echtes natives Olivenöl extra halten konnten.
Unterschiedliche Regeln für Verpackungen und lose Ware
Bereits gemischtes und abgefülltes Öl darf verkauft werden, bis die vorhandenen Bestände aufgebraucht sind. Lose Mischungen müssen dagegen innerhalb von 30 Tagen nach Veröffentlichung der Maßnahme im Amtsblatt als „natives Olivenöl“ neu eingestuft werden. Einzelhändler und Abfüller erhalten damit Zeit für den Abverkauf fertiger Ware, während noch nicht für den Endverkauf aufbereitete Öle schneller umklassifiziert werden müssen.
Coldiretti Toscana begrüßte die Entscheidung nach Protesten am 10. Juni in Florenz und weiteren italienischen Städten. Tausende Landwirte hatten dort mutmaßlichen Betrug und Spekulation mit Olivenöl und Weizen angeprangert. Letizia Cesani, Präsidentin von Coldiretti Toscana, erklärte, eine Mischung aus nativem und nativem Olivenöl extra könne nun nicht mehr als extra vergine verkauft werden. Sie forderte zudem strengere Kontrollen, zusätzliche Analyseverfahren, mehr Laborkapazitäten und eine engere Abstimmung der Datenbanken von Zoll, ICQRF und AGEA im Informationssystem SIAN. Coldiretti will Magnetresonanz, genetische Kartierung und Isotopenkartierung zur Herkunftsbestimmung einsetzen und die Ergebnisse auch als Beweismittel vor Gericht anerkennen lassen.
Preisdruck erhöht die Bedeutung für Erzeuger
Die Änderung kommt in einer schwierigen Marktphase für italienische Olivenbauern. Nach Berechnungen des Centro Studi Divulga, die Maremma News zitiert, sank der Preis für natives Olivenöl extra in den vergangenen 12 Monaten um rund 50%, während die Betriebskosten um mehr als 200 € je Hektar stiegen. Jüngste Schätzungen beziffern die Zahl aufgegebener Olivenbäume in der Toskana auf rund 4 Millionen. Das verdeutlicht den Druck auf Erzeuger in Regionen mit hohen Kosten für die Pflege der Haine.
Italien produziert etwa 234 Millionen Liter natives Olivenöl extra, verbraucht im Inland aber 461 Millionen Liter. Die jährlichen Ausfuhren belaufen sich auf 318 Millionen Liter, die Einfuhren auf 545 Millionen Liter. Ausländisches Öl ist damit für Versorgung und Verarbeitung unverzichtbar, zugleich gewinnen Herkunftsprüfung und korrekte Kategorieangaben an wirtschaftlicher Bedeutung. Erzeuger könnten künftig weniger Konkurrenz durch geringerwertige Mischungen mit Premiumkennzeichnung erhalten. Importeure, Verarbeiter und Abfüller müssen Chargen klarer trennen, Unterlagen sorgfältiger führen und die Einstufung vor dem Einzelhandel prüfen.
Die unmittelbaren Marktfolgen hängen von der Durchsetzung ab. Coldiretti Toscana bezeichnet das Rundschreiben als ersten Schritt und verlangt verlässliche Analyseverfahren sowie vernetzte amtliche Datenbanken zur Herkunftsprüfung und Bekämpfung falscher Kennzeichnungen. Die Grenze der höchsten Kategorie ist nun jedoch klarer: Eine Mischung kann ein geringerwertiges Öl nicht allein deshalb aufwerten, weil das Endprodukt ausgewählte chemische Grenzwerte erfüllt.