Italien verbietet Verschnitt unter dem Etikett natives Olivenöl extra
Italiens Ministerium Masaf hat ein Rundschreiben erlassen, das den Verkauf von Mischungen aus nativem und nativem Extra-Olivenöl als 'natives Olivenöl extra' untersagt; das Etikett bleibt der höchsten Kategorie vorbehalten. Der Schritt folgt auf einen Preisrückgang von rund 50% in einem Jahr, in einem Markt, in dem Einfuhren die heimische Produktion weit übersteigen.
Rom beendet das Verschneiden von vergine und extra vergine
Italien schließt eine Lücke bei der Kennzeichnung von Olivenöl. Wie la Gazzetta del Mezzogiorno berichtet, hat das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Forsten (Masaf) ein Rundschreiben erlassen, wonach ein durch Mischung von nativem (vergine) und nativem Extra-Olivenöl (extra vergine) gewonnenes Öl nicht mehr als 'natives Olivenöl extra' verkauft werden darf. Die Bezeichnung bleibt künftig dem Öl der höchsten gesetzlichen Kategorie vorbehalten. Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida, der die Maßnahme ankündigte, sagte, Erzeuger und Abfüller bräuchten klare Regeln und die Verbraucher klare Informationen; Olivenöl gehöre zum täglichen Bedarf italienischer Haushalte.
Das Verschnitt-Schlupfloch
Bislang erlaubte das Verschneiden, die Mängel eines nativen Öls durch Zugabe eines Anteils an nativem Extra zu kaschieren: Die chemischen Parameter wurden formal eingehalten, der sensorische Panel-Test aber ausgehöhlt, sodass Verbraucher ein Produkt für natives Extra hielten, das keines war, berichtet teatronaturale.it. Das Rundschreiben bekräftigt: Ein Öl geringerer Kategorie lässt sich nicht durch Mischung hochstufen. Bereits abgefülltes Mischöl darf bis zum Abverkauf der Bestände verkauft werden, loses Öl muss binnen 30 Tagen nach Veröffentlichung im Gazzetta Ufficiale als 'natives Olivenöl' umklassifiziert werden. Zudem sind mehr Kontrollen bei Erzeugern und Abfüllern vorgesehen.
Ein Markt unter Druck
Die Änderung trifft die italienischen Erzeuger in einer schwierigen Phase. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Preis für natives Olivenöl extra um rund 50% gefallen, während die Kosten der Betriebe um mehr als 200 Euro je Hektar gestiegen sind — Zahlen des Centro Studi Divulga, zitiert von teatronaturale.it. Das strukturelle Ungleichgewicht ist deutlich: Italien produziert jährlich rund 234 Millionen Liter natives Olivenöl extra bei einem Inlandsverbrauch von 461 Millionen Litern, Ausfuhren von 318 Millionen Litern und Einfuhren von bis zu 545 Millionen Litern. Laut Coldiretti und Unaprol zeigen die Zahlen, dass ein Teil des ausländischen Öls unter unzulässiger Berufung auf das Italien-Image vermarktet wird — zum Nachteil von Erzeugern wie Verbrauchern. Über eine Million Hektar sind im Land mit Oliven bepflanzt.
Kontrollen und nächste Schritte
Coldiretti und Unaprol nannten das Rundschreiben einen historischen Sieg gegen die Öl-Betrüger, verlangen aber schärfere Kontrollen. Sie verweisen auf neue Analysemethoden — Kernspinresonanz, genetische und isotopische Kartierung —, um die Herkunft des Öls genau zu bestimmen und vor Gericht als Beweis zu dienen. Beide Organisationen fordern, die Datenbanken von Zoll, Icqrf und Agea zusammenzuführen, das Labornetz zu stärken, die Kontrollen in den südlichen Häfen zu verschärfen, wo der Großteil des importierten Öls ankommt, und perspektivisch Blockchain einzusetzen. Zudem soll es verboten werden, Veresterungsanlagen in Betrieben zu halten, in denen Speiseöl erzeugt oder gelagert wird.