Italien kündigt 40 Millionen Euro für Olivenölmühlen an
Italien hat Hilfen von 40 Millionen Euro für Olivenölmühlen angekündigt. Coldiretti fordert, die Finanzierung an Prüfungen von Herkunft, Qualität und Rückverfolgbarkeit zu knüpfen, um die Margen der Olivenbauern in einem stark vom Handel geprägten Markt zu schützen.
Förderung für tatsächlich arbeitende Ölmühlen
Italien hat ein Hilfspaket von 40 Millionen Euro für Olivenölmühlen angekündigt. Damit rücken die Finanzierung der Branche, Bestandskontrollen und die Rückverfolgbarkeit der Produkte erneut in den Mittelpunkt. Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida stellte die Maßnahme bei einem Treffen mit Coldiretti-Vertretern aus den wichtigsten italienischen Olivenanbauregionen vor.
Wie La Discussione berichtet, sollen die Mittel nach dem Willen von Coldiretti über Agrarwechsel der staatlichen Förderinstitution Ismea bereitgestellt werden. Öffentliche Hilfen sollten laut dem Verband an Unternehmen gehen, die echtes italienisches Öl verarbeiten, die Vorschriften einhalten, italienische Oliven abnehmen und bezahlen sowie die Arbeit der Erzeuger angemessen vergüten.
An dem Treffen nahmen der nationale Coldiretti-Vizepräsident und Unaprol-Präsident David Granieri, Coldiretti-Generalsekretär Vincenzo Gesmundo sowie regionale Präsidenten und Direktoren teil. Der Verband begrüßte das Paket, verlangte jedoch, den Zugang an überprüfbares Geschäftsverhalten zu binden und nicht allein an die Position eines Unternehmens in der Verarbeitungskette.
Kontrollen entlang der gesamten Lieferkette
Coldiretti fordert eine außerordentliche Kontrollkampagne bei Lagerstätten, Ölmühlen — darunter genossenschaftliche und industrielle Anlagen —, Verarbeitern und großen Einzelhändlern. Nach Angaben des Verbands nimmt der großflächige Einzelhandel etwa 80% des Produkts auf. Kontrollen im Handel und eindeutige Angaben am Regal seien deshalb wesentliche Bestandteile des Vorhabens.
Die Finanzierung soll nach dem Vorschlag nur gewährt werden, wenn Herkunft, Qualität und Rückverfolgbarkeit der gelagerten Öle überprüft wurden. Coldiretti verlangt außerdem eine genaue Erfassung der Lagerbestände, um die tatsächlich verfügbaren Mengen festzustellen und mehr Klarheit über die Marktlage zu schaffen.
Öffentliche Mittel sollten nach Ansicht des Verbands keine Unternehmen stützen, die an Spekulation, Handelsdreiecken oder undurchsichtigen Geschäftspraktiken beteiligt sind. Coldiretti verlangt zudem klarere Herkunftsangaben für Verbraucher und eine stärkere Sichtbarkeit von vollständig in Italien erzeugtem nativem Olivenöl extra. Dabei handelt es sich um Forderungen des Verbands zur Vergabe der angekündigten Gelder; endgültige Förderkriterien oder einen Auszahlungszeitplan nennt die Quelle nicht.
Produktionslücke erhöht die Handelsabhängigkeit
Italien produziert nach Schätzung von Coldiretti rund 234 Millionen Liter natives Olivenöl extra. Bei strengeren Kontrollen könnte der Wert laut dem Verband noch niedriger ausfallen. Der Inlandsverbrauch erreicht 461 Millionen Liter, während sich die jährlichen Exporte auf 318 Millionen Liter und die Importe auf 545 Millionen Liter belaufen.
Die Zahlen beschreiben einen Markt, in dem eine hohe Binnennachfrage und umfangreiche Ausfuhren mit noch größeren Einfuhren zusammentreffen. Für Erzeuger und Verarbeiter ist nicht das importierte Öl an sich das Problem, sondern die korrekte Angabe seiner Herkunft und die Gefahr, dass ausländische Ware unzulässig vom italienischen Image profitiert. Coldiretti hält eine strengere Durchsetzung der Regeln für nötig, um Transparenz für Verbraucher und eine angemessene Vergütung der Olivenbauern zu sichern.
Neue Prüftechnik und weitere Branchenmittel
Neben den 40 Millionen Euro für Ölmühlen verlangt Coldiretti die Umsetzung der Maßnahmen aus ColtivaItalia, das 300 Millionen Euro für den italienischen Olivenanbau vorsieht. Geplant sind unter anderem Kontrollsysteme auf Basis von Magnetresonanz, Genomkartierung und Isotopenkartierung sowie eine eigene Datenbank. Damit sollen Herkunft, Qualität und Rückverfolgbarkeit italienischen Öls besser überprüft werden. Für Mühlen, Bauern, Verarbeiter und Händler hängt die Wirkung des Pakets somit davon ab, ob Finanzierung und Kontrollen gemeinsam umgesetzt werden und welche Standards bei der Prüfung von Beständen und Herkunftsangaben gelten.