Italiens Kastanienernte 2026 bricht nach dem Rekordjahr 2025 um mehr als 25 Prozent ein
Italien erwartet 2026 eine Kastanienernte von 45.000 bis 50.000 Tonnen nach rund 65.000 Tonnen im Jahr 2025, ein Minus von 25 bis 30 Prozent. Das geht aus Eurocastanea-Prognosen hervor, über die italiafruit.net berichtet. In sechs europäischen Erzeugerländern werden 145.000 bis 165.000 Tonnen erwartet, Spanien erholt sich auf rund 32.000 Tonnen.
Italien steuert 2026 auf eine Kastanienernte von 45.000 bis 50.000 Tonnen zu und damit auf ein Minus von 25 bis 30 Prozent gegenüber den rund 65.000 Tonnen des Jahres 2025. Die europäischen Prognosen wurden bei einem Treffen zum Wertschöpfungskettenprojekt Marrone dell'Appennino Emiliano vorgestellt, wie italiafruit.net berichtet. In der vergangenen Saison war Italien der größte Erzeuger unter den vom Netzwerk Eurocastanea beobachteten Ländern; die neue Menge führt das Land wieder nahe an sein langjähriges Mittel heran.
Vorgelegt wurden die Zahlen von Luciano Trentini vom Centro Studi e Documentazione sul Castagno, dem italienischen Vertreter bei Eurocastanea. Er betonte, die Schätzung müsse sich in den Anlagen erst bestätigen: Wegen der Hitze dieser Saison seien die tatsächlichen Erträge schwer einzuordnen, die Ernte werde früher erwartet, und ein klares Bild der verfügbaren Mengen ergebe sich erst im Verlauf der Erntearbeiten.
Weniger Ware in Europa
In den sechs von Eurocastanea erfassten Ländern liegt die Produktion normalerweise zwischen 143.000 und 180.000 Tonnen. 2025 wurden rund 164.000 Tonnen geerntet, für 2026 bewegen sich die Schätzungen zwischen 145.000 und 165.000 Tonnen. Gemeinsames Merkmal ist der frühere Erntebeginn, oft noch bei hohen Temperaturen. Die von italiafruit.net berichteten Länderprognosen im Einzelnen:
- Griechenland: weitgehend stabil, von 33.000 auf 34.000 Tonnen.
- Portugal: 35.000 bis 40.000 Tonnen nach 35.000 Tonnen im Jahr 2025.
- Spanien: deutliche Erholung von nur 21.000 Tonnen der vergangenen Kampagne auf rund 32.000 Tonnen, mit einer um etwa zehn Tage vorgezogenen Ernte.
- Frankreich: Rückgang von 10.000 auf rund 9.000 Tonnen.
Italien bleibe nicht nur in der Erzeugung, sondern auch in der Verarbeitung ein zentrales Land, sagte Trentini: Die Ausfuhren liegen über 13.000 Tonnen, die Einfuhren bei rund 15.000 Tonnen. Hinzu kommt eine italienische Besonderheit: die Marrone, kommerziell und anbautechnisch von der gewöhnlichen Kastanie unterschieden. Sie macht 20 bis 30 Prozent der nationalen Produktion aus, und rund 70 Prozent dieser Mengen konzentrieren sich auf den emilianisch-romagnolischen und den toskanischen Apennin.
Piemont: Hitze bremst den Fruchtfall
In der Provinz Cuneo, der Granda, hat die Ernte der Hybridsorten im üblichen Zeitfenster begonnen, wie myfruit.it berichtet. Hohe Temperaturen verzögern den Fruchtfall, sodass die bisher geernteten Mengen trotz gutem Behang gering bleiben. Nach ersten Einschätzungen von Coldiretti Cuneo ist die Qualität gut: Bewässerungsgaben haben bei den Hybriden für gute Kaliber gesorgt, die bislang geerntete Ware ist gesund. Sinkende Temperaturen würden den Fruchtfall beschleunigen und eine Intensivierung der Ernte erlauben.
Unsicherer sind die Aussichten für die traditionellen Sorten. Die gute Blüte hatte auf ein günstiges Jahr hingedeutet, doch ausbleibender Regen und Hitze bremsten die Fruchtentwicklung; die Niederschläge der kommenden Wochen werden über das Kaliber entscheiden, für belastbare Mengenschätzungen ist es noch zu früh. „Die Qualität der ersten geernteten Früchte ist ermutigend, doch der Verlauf der Saison muss aufmerksam verfolgt werden“, erklärte Enrico Nada, Präsident von Coldiretti Cuneo, und ergänzte, der Auftakt müsse sich am Markt in Preisen niederschlagen, die die Arbeit der Betriebe in den Kastanienhainen und bei der Ernte honorieren.
In der Granda werden mehr als 4.200 Hektar Fruchtkastanienanlagen von über 2.400 Betrieben bewirtschaftet, bei einer durchschnittlichen Produktion von 40.000 Doppelzentnern (4.000 Tonnen). Damit ist Cuneo die viertgrößte italienische Provinz nach Kastanienanbaufläche. Francesco Goffredo, Direktor von Coldiretti Cuneo, bezeichnete den Kastanienanbau als wichtige wirtschaftliche Ressource für die Hügel- und Bergregionen, wo die Betriebe die Haine produktiv halten und die Landschaft pflegen.
Züchtung und Mechanisierung auf der Agenda
Mit Blick nach vorn reicht nach Ansicht Trentinis die kommerzielle Vermarktung allein nicht aus. Eurocastanea hat zwei Schwerpunkte benannt: die Sortenforschung mit dem Ziel qualitativ hochwertiger, möglichst vielseitig verwendbarer Kastanien mit höherer genetischer Krankheitsresistenz sowie Innovationen bei Anlagenführung und Ernte. Er verwies auf Korea, wo bereits über Robotisierung nachgedacht werde; auch der europäische Kastanienanbau müsse in diese Richtung denken.
Die Kampagne 2026 beginnt damit mit geringeren erwarteten Mengen in Italien, vorgezogenen Ernten und weiterhin schwer zu beziffernden Erträgen. Für Erzeuger und Verarbeiter wird es nicht nur darum gehen, wie viel geerntet wird, sondern auch darum, wie viel Wertschöpfung sich aus der Ware erzielen lässt, die den Markt erreicht.