Irisches Weiderindfleisch startet zollfrei in Ho-Chi-Minh-Stadt
Irland hat nach der vietnamesischen Importfreigabe vom Januar 2026 Weiderindfleisch in Ho-Chi-Minh-Stadt eingeführt. Der EVFTA-Zollsatz von 0 % verbessert die Chancen im Premiumsegment, doch Vertrieb und Markenbekanntheit müssen erst aufgebaut werden.
Irisches Rindfleisch debütiert in Vietnam
Die irische Lebensmittelbehörde Bord Bia hat am 5. Oktober in Ho-Chi-Minh-Stadt offiziell irisches Weiderindfleisch vorgestellt. Zuvor hatte Vietnam im Januar 2026 die Einfuhr von irischem Rindfleisch genehmigt. Die Marktöffnung verschafft irischen Lieferanten Zugang zur wachsenden Nachfrage nach hochwertigem Importfleisch und erweitert das europäische Angebot für vietnamesische Käufer.
Ronan Cunniffe, stellvertretender Botschafter Irlands in Vietnam, führte die Zulassung auf die Zusammenarbeit von Behörden und Unternehmen beider Länder zurück. Vietnamesische Verbraucher erhalten damit erstmals Zugang zu irischem Rindfleisch. Zugleich entsteht zusätzliches Wachstumspotenzial für den bilateralen Agrar- und Lebensmittelhandel.
Hinter dem Markteintritt steht eine große Exportwirtschaft. Laut Bord Bia erreichten Irlands Rindfleischausfuhren 2025 rund 3,4 Milliarden €, 24 % mehr als im Vorjahr. Die Ausfuhr von Rindernebenerzeugnissen stieg um 12 % auf 155 Millionen €.
Premiumgastronomie bildet den ersten Zielmarkt
John Stone Fine Foods, seit rund 60 Jahren im Rindfleischgeschäft tätig, bringt über den Partner Passion Gourmet Foods Weiderindfleisch und trockengereifte Produkte nach Vietnam. Zu den ersten Zielkunden gehören Restaurants, Hotels und Verbraucher mit Interesse an Premiumfleisch. Knochenhaltige Teilstücke und vorportionierte Produkte sollen unterschiedliche Zubereitungsarten und Küchenanforderungen abdecken.
Der Anbieter positioniert irisches Rindfleisch zudem als passend zu vietnamesischen und anderen asiatischen Aromen. Bei der Präsentation wurde trockengereiftes Fleisch in vietnamesisch und japanisch inspirierten Gerichten verarbeitet, unter anderem mit eingelegten Auberginen, dem Gewürz mắc khén, vietnamesischen Kräutern, aromatisierten Salzen und lokalen Saucen.
Küchenfertige Spezifikationen können für Gastronomiebetriebe ein wesentlicher wirtschaftlicher Vorteil sein. Trockengereifte, parierte und portionierte Stücke reduzieren Verluste bei der Vorbereitung und erleichtern die Kalkulation von Wareneinsatz und Marge. Bord Bia hebt außerdem Rückverfolgbarkeit und Produktionsstandards des irischen Nachhaltigkeitsprogramms Origin Green hervor. Dessen unabhängig geprüfte Kriterien umfassen CO₂-Minderung, Tierwohl und Rückverfolgbarkeit.
Der Zollvorteil ersetzt keinen Vertriebsaufbau
Irisches Rindfleisch profitiert im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Vietnam von einem Zollsatz von 0 %. Das verbessert seine Wettbewerbsfähigkeit im Premiumsegment. Eine Kostenbarriere entfällt, doch die weitere Expansion hängt von der Reichweite der Distributoren, dem Zugang zu Restaurantnetzwerken und der Bekanntheit bei vietnamesischen Verbrauchern ab.
Bord Bia veröffentlichte im Mai 2026 einen Leitfaden für den Eintritt in Vietnams Rindfleischmarkt 2026 und organisierte im August eine Irlandreise für vietnamesische Importeure. Vorgestellt wurden Weidehaltung, Verarbeitung und Qualitätsstandards. Lorna Allen, Südostasien-Direktorin von Bord Bia, bezeichnete Vietnam angesichts des wachsenden Interesses an Qualität, Herkunft und Lebensmittelsicherheit als einen wichtigen regionalen Markt für Irland. Ob irisches Rindfleisch über eine kleine Premiumnische hinauskommt, werden nun Importeure, Köche und Einzelhändler entscheiden.