Indonesiens Milchversorgung bleibt zu 80 % von Importen abhängig
Importe decken 80 % des indonesischen Milchbedarfs, erklärte der Regierungsvertreter Hanif Faisol Nurofiq. Die Regierung will den Milchviehbestand ausbauen und Erzeuger sowie Verarbeiter enger miteinander verzahnen.
Importe bestimmen die nationale Milchversorgung
Indonesien importiert weiterhin 80 % der Milch, die der Binnenmarkt benötigt. Heimische Erzeuger decken damit nur ein Fünftel des nationalen Angebots. Der stellvertretende koordinierende Minister für Ernährung, Hanif Faisol Nurofiq, nannte diese Zahl nach einem Besuch der Milchproduktion bei der Genossenschaft SAE Pujon im Regierungsbezirk Malang am 16. Juli 2026, wie detik.com berichtete.
Nach Angaben Hanifs nimmt der indonesische Markt jährlich etwa 4,5 Millionen bis 5 Millionen Liter Milch auf. Er bezeichnete das Missverhältnis zwischen Nachfrage und heimischer Verfügbarkeit als Gefahr für die Ernährungssouveränität. Um die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu senken, müsse Indonesien sowohl die Milcherzeugung als auch die Verarbeitung stärken.
Der Regierungsvertreter brachte das begrenzte Angebot zudem mit dem niedrigen Pro-Kopf-Verbrauch in Verbindung. Bei einer Bevölkerung von 288,3 Millionen Menschen und auf Basis seiner Zahlen entspreche die derzeitige Verfügbarkeit lediglich einem Löffel pro Person und Tag. Dem stellte er eine Empfehlung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation von zwei bis drei Gläsern täglich gegenüber.
Regierung plant Ausbau des Milchviehbestands
Das Landwirtschaftsministerium hat einen Fahrplan ausgearbeitet, der den Import von Mastvieh und hochwertigen Zuchtkühen für die Milcherzeugung vorsieht. Damit soll der heimische Bestand wachsen. Hanif warnte jedoch, dass zusätzliche Tiere allein keine Selbstversorgung ermöglichen, solange die Beschaffungspraxis der Verarbeitungsindustrie nicht ebenfalls gesteuert wird.
Die Zuständigkeiten für Indonesiens Milchwirtschaft sind auf verschiedene Behörden verteilt. Die Primärproduktion fällt unter das Landwirtschaftsministerium, während das Industrieministerium die nachgelagerte Verarbeitung beaufsichtigt. Hanif sieht in der fehlenden Abstimmung zwischen beiden Stufen einen Hauptgrund dafür, dass frühere Versuche zur Selbstversorgung über mehrere Jahrzehnte scheiterten.
Verarbeiter können ihre Rohstoffe derzeit frei auswählen, ohne heimische Milch bevorzugen zu müssen. Laut Hanif sind Importprodukte erheblich günstiger, weil die Lieferländer bereits über etablierte Milchwirtschaftssysteme verfügen. Dieser Kostenvorteil macht Importe für die Industrie attraktiv, setzt indonesische Landwirte jedoch unter Druck, da ihre Produktionskosten keinen direkten Wettbewerb erlauben.
Ernährungsprogramm könnte Nachfrage verändern
Mit dem kostenlosen Ernährungsprogramm MBG will die Regierung die Ernährung von Kindern verbessern und den Milchkonsum stärker verankern. Die große Reichweite könnte zusätzliche Nachfrage nach Milchprodukten schaffen. Damit werden verlässliche Beschaffung und Produktionsplanung für Landwirte, Genossenschaften und Verarbeiter wichtiger.
Für heimische Erzeuger entsteht nur dann eine Chance, wenn die wachsende institutionelle Nachfrage mit lokaler Versorgung verknüpft wird. Der Aufbau eines größeren Bestands braucht Zeit, während Verarbeiter konstante Mengen, Qualität und Preise benötigen. Ohne Abstimmung könnte der zusätzliche Konsum die Einfuhren erhöhen, statt Indonesiens Milchwirtschaft zu stärken.
Hanif zufolge verlagert die Regierung den Schwerpunkt ihrer Wirtschaftspolitik vom reinen Gesamtwachstum auf eine stärkere Selbstversorgung mit lokalen Produkten. Am Milchmarkt hängt die Umsetzung davon ab, ob Viehimporte, die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und die Beschaffungsregeln der Verarbeiter gemeinsam gesteuert werden. Der Importanteil von 80 % zeigt, welche Kapazitäten heimische Anbieter ersetzen müssten.