Indien senkt Speiseölzölle bei steigenden Reis- und Straucherbsenpreisen
Indien hat die Einfuhrzölle auf mehrere rohe und raffinierte Speiseöle gesenkt, während Reis und Straucherbsen teurer werden. Die Maßnahme reduziert Importkosten; zugleich bedroht El Niño möglicherweise Monsunregen und Ernteerträge.
Grundnahrungsmittel werden teurer
Indien hat die Einfuhrzölle auf mehrere Speiseöle gesenkt. Die Regierung reagiert damit auf steigende Lebensmittelpreise und das Risiko, dass El Niño den Monsun abschwächen oder stören könnte. Die Maßnahmen betreffen unmittelbar den Ölmarkt, erfolgen aber vor dem Hintergrund höherer Reis- und Hülsenfruchtpreise sowie zunehmender Sorgen um die inländische Versorgung.
Staatliche Preisdaten, die Moneycontrol anführt, bezifferten den Großhandelspreis für Reis am 29. September auf rund ₹4.185 je Doppelzentner. Das waren etwa 8,5% mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Einzelhandelspreise stiegen. Straucherbsen, in Indien als Tur oder Arhar Dal bekannt, kosteten Ende September mehr als ₹125 je Kilogramm und damit rund 8% mehr als im Vorjahr.
Bei Hülsenfrüchten verläuft die Entwicklung uneinheitlich. Moneycontrol berichtete auch über höhere Preise für Urdbohnen, während die Jahreszuwächse bei Mungbohnen, Linsen und Kichererbsen vergleichsweise moderat ausfielen. Der Preisdruck konzentriert sich somit auf einzelne wichtige Produkte und erfasst nicht den gesamten Lebensmittelkorb gleichermaßen.
Zollsenkungen verbilligen importiertes Öl
Seit dem 24. September beträgt der Basiszoll auf rohes Soja- und Palmöl 5% statt zuvor 10%. Der Zoll auf rohes Sonnenblumenöl wurde auf null gesenkt. Nach Angaben von Moneycontrol fielen die Sätze für raffiniertes Soja- und Palmöl von 32,5% auf 27,5%, während raffiniertes Sonnenblumenöl nun mit 22,5% belastet wird.
Die Änderungen sind bedeutend, weil Indien in erheblichem Umfang von Importen von rohem Palm-, Soja- und Sonnenblumenöl abhängt. Niedrigere Zölle reduzieren die Einstandskosten der Importeure und geben Verarbeitern und Einzelhändlern mehr Spielraum für Preissenkungen. Das Verbraucherministerium erklärte, die Maßnahme solle die Einzelhandelspreise drücken und zugleich die heimische Raffination unterstützen.
Die unterschiedlichen Zollsätze bieten indischen Raffinerien weiterhin einen gewissen Schutz. Rohöle werden geringer belastet als raffinierte Produkte, was den Import von Ausgangsmaterial und dessen Verarbeitung im Inland begünstigt. Für ausländische Lieferanten und Rohstoffhändler verbessert sich der Zugang zu einem großen Absatzmarkt. Das tatsächliche Importvolumen hängt jedoch auch von Weltmarktpreisen, Frachtkosten und Wechselkursen ab.
El Niño ist noch kein bestätigter Ernteschock
Indiens monatlicher Wirtschaftsbericht für August 2026 bezeichnete anhaltende El-Niño-Bedingungen als Risiko für Monsun, Ernteerträge und Lebensmittelpreise. Die Weltorganisation für Meteorologie prognostizierte in ihrem Bericht vom 23. September, dass sich El Niño bis Ende 2026 zu einem sehr starken Ereignis entwickeln werde. Die Auswirkungen auf Niederschlag und Temperaturen unterscheiden sich jedoch nach Region.
Moneycontrol betonte, es gebe keinen Beleg dafür, dass die jüngsten Preissteigerungen bei Reis und Hülsenfrüchten unmittelbar durch El Niño verursacht wurden. Auch das Finanzministerium warnte vor einer direkten Gleichsetzung des Wetterphänomens mit der landwirtschaftlichen Produktion. Bewässerung, Stauseen, staatliche Beschaffung, Vorräte und Importe beeinflussen das Ergebnis ebenfalls.
Für den Lebensmittelhandel ist entscheidend, ob ungünstige Niederschläge die Ernteprognosen oder die inländische Verfügbarkeit beeinträchtigen. Staatliche Vorräte und Käufe können Engpässe dämpfen, während Importe das Angebot ergänzen können, sofern dies wirtschaftlich und politisch möglich ist. Die Speiseölzölle zeigen, dass Handelspolitik bereits zur Preisdämpfung eingesetzt wird. Reis und Straucherbsen bleiben jedoch stärker von der Ernte und dem Zeitpunkt weiterer staatlicher Eingriffe abhängig.