Indische Recherche deckt Imitat-Paneer in der Versorgung von Delhi-NCR auf
Eine Recherche von Aaj Tak dokumentiert Lieferungen von Paneer-Imitaten aus Pflanzenöl, Stärke, Emulgatoren und Stabilisatoren aus Haryana nach Delhi-NCR. Laut einem Lieferanten liegen die Tagesmengen bei 1.200–1.300 Kilogramm und steigen in der Hochzeits- und Festsaison auf 2.500 Kilogramm.
Recherche verfolgt die Lieferwege von Billig-Paneer
Eine investigative Recherche des indischen Fernsehsenders Aaj Tak hat die Herstellung und den Vertrieb von Paneer-Imitaten dokumentiert, die in der National Capital Region Delhi als Milch-Paneer verkauft werden. Die im Februar 2026 durchgeführte Untersuchung stieß auf Produkte aus Pflanzenöl, Stärke, Emulgatoren und Stabilisatoren. Milch wurde dabei kaum oder gar nicht eingesetzt. Die fertigen Blöcke sind für Verbraucher optisch nur schwer von herkömmlichem Paneer zu unterscheiden.
Aaj Tak bezeichnete die Region Mewat im Bundesstaat Haryana als ein wichtiges Lieferzentrum für gefälschten und analogen Paneer in Delhi-NCR. In einem im Bericht als MK Industry bezeichneten Betrieb bot der Lieferant Haji Karar seinen sogenannten „ragdu paneer“ für 80 Rupien je Kilogramm an. Dem stellte der Sender einen Preis von 450 Rupien je Kilogramm für echten Paneer eines Markenherstellers gegenüber. Die Preisdifferenz schafft einen starken Anreiz zur Substitution bei preisorientierten Großhändlern, Caterern und Gastronomiebetrieben.
Lieferant nennt 15 Verteilzentren
Ein weiterer Lieferant aus Mewat namens Saifi erklärte dem Rechercheteam, täglich würden rund 1.200–1.300 Kilogramm gefälschter Paneer an 15 Verteilzentren in Delhi-NCR geliefert. In der Hochzeits- und Festsaison könne die Tagesmenge auf 2.500 Kilogramm steigen, weil die Nachfrage von Caterern und Restaurants zunehme. Mustafa, ein Lieferant aus Khedi Kalan, sagte dem Sender ebenfalls, reiner Paneer sei in der Region nur äußerst schwer erhältlich.
Nach Angaben von Aaj Tak gelangen die Produkte in die Küchen von Hotels, Restaurants und großen Einrichtungen. Damit geht es nicht nur um den informellen Straßenverkauf. Die Substitution reicht in Großhandels- und Gastronomiekanäle hinein, in denen Endkunden weder Verpackungen noch Lieferantennachweise oder Zutatenlisten prüfen können. Hersteller von echtem Milch-Paneer müssen mit einem optisch ähnlichen Produkt konkurrieren, das für weniger als ein Fünftel des genannten Markenpreises angeboten wurde.
Auch Milch und Khoya untersucht
Die Recherche befasste sich zudem mit mutmaßlichen Verfälschungen in anderen Teilen der regionalen Milchlieferkette. In Shamli im Bundesstaat Uttar Pradesh wurde laut Aaj Tak ein Lieferant namens Shaukeen dabei aufgezeichnet, wie er aus Soda und pflanzlichem Ghee falsche Milch herstellte. In Baghpat war zu sehen, wie der Lieferant Hashim Speckstein, auch als französische Kreide bezeichnet, zur Herstellung von falschem Khoya beziehungsweise Mawa verwendete. Der Sender beschrieb Shamli und Baghpat als Lieferorte für falsche Milch beziehungsweise falsches Khoya.
Der regulatorische Umgang mit Analog-Paneer ist in Indien nicht einheitlich. Aaj Tak berichtet, dass Maharashtra, Chhattisgarh und Gujarat dessen Verkauf untersagt haben. Das Verbot erfasst auch Speisen, die von Geschäften, Hotels, Restaurants und Straßenverkäufern daraus zubereitet werden. Laut dem Bericht führen die Behörden dort Razzien durch. Auf nationaler Ebene betrachtet die indische Lebensmittelaufsicht FSSAI Analog-Paneer nach Darstellung des Senders jedoch nicht als grundsätzlich gefährlich; ein landesweites Verbot besteht deshalb nicht.
Deklaration und Kontrollen bleiben entscheidend
Die Recherche unterscheidet drei Produktgruppen: Milch-Paneer aus Milch, Tofu aus Sojamilch und Analog-Paneer aus Ölen, Stärke und Zusatzstoffen. Tofu ist ein eigenständiges, anerkanntes Sojaprodukt. Im Mittelpunkt der Recherche steht dagegen der nicht deklarierte Verkauf eines Imitats als Milch-Paneer. Für Hersteller und Einkäufer werden damit Lieferantenprüfung, Zutatendeklaration und Rückverfolgbarkeit zu zentralen Instrumenten der Risikokontrolle. Für die Behörden zeigen der Preisunterschied und die saisonal steigenden Mengen, dass Kontrollen neben dem Einzelhandel auch Fabriken, Verteilzentren und gewerbliche Küchen erfassen müssen.