Indien plant 75.000 neue Molkereigenossenschaften
Indien will im Rahmen der Weißen Revolution 2.0 insgesamt 75.000 Molkereigenossenschaften gründen und 46.000 bestehende Betriebe stärken. Das Programm soll Milcherfassung, Verarbeitung und Erzeugereinkommen verbessern, während die Produktion bei rund 248 Millionen Tonnen liegt.
Landesweiter Ausbau des Genossenschaftsnetzes
Indien hat sich im Rahmen der Weißen Revolution 2.0 das Ziel gesetzt, 75.000 neue Molkereigenossenschaften zu gründen und 46.000 bestehende Betriebe zu stärken. Innen- und Kooperationsminister Amit Shah sagte auf einer Konferenz für Tierhalter in Bhopal, der Ausbau solle die Einkommen der Milcherzeuger erhöhen, indem mehr Betriebe an die organisierte Erfassung und Verarbeitung angeschlossen werden.
Nach Angaben von Aaj Tak stellte Shah Genossenschaften als Alternative für Erzeuger dar, die ihre Milch auf dem freien Markt verkaufen und wegen Zwischenhändlern teilweise keine angemessenen Preise erzielen. Eine Mitgliedschaft kann ihnen neben dem Milchgeld auch Zugang zu Erlösen aus verarbeiteten Produkten verschaffen. Die Einkommenswirkung des Programms wird daher von der Reichweite der Erfassung, den Ankaufskonditionen und der Vermarktung höherwertiger Waren abhängen.
Investitionen in Verarbeitung und Zucht
Die Regierung will die Infrastruktur für Produkte wie Speiseeis, Butter, Ghee, Käse und Mawa ausbauen. In Madhya Pradesh legte Shah digital den Grundstein für ein Milchverarbeitungswerk in Ujjain mit einer Tageskapazität von 300.000 Litern und Investitionen von 2,55 Milliarden ₹. Außerdem eröffnete er in Bhopal einen für rund 165 Millionen ₹ errichteten Betrieb für Molkereiprodukte mit einer Kapazität von 40.000 Litern pro Tag sowie ein zentrales Landeslabor im Wert von 124,2 Millionen ₹.
Eine kleine Molkerei in Shivpuri wurde für 65 Millionen ₹ modernisiert. Die Projekte zeigen, welche Kapazitäten zusätzlich zu ländlichen Sammelstellen erforderlich sind: Kühlung, Prüfung und Verarbeitung entscheiden darüber, ob zusätzliche Rohmilch zu länger haltbaren Produkten für größere Märkte verarbeitet werden kann. Bei der Veranstaltung erhielten Tierhalter Bonuszahlungen, Kuhunterkünfte finanzielle Unterstützung und Mitglieder von Molkereigenossenschaften Dividenden.
Auch die Zucht ist Teil der Strategie. Madhya Pradesh hat grundsätzlich der Bereitstellung von 50 Acres für Programme zur Verbesserung von Rinder- und Büffelrassen zugestimmt. Shah sprach sich zudem für moderne Zuchttechnologien und geschlechtssortiertes Sperma aus, die nach seiner Einschätzung Rassen, Tiergesundheit und Milchleistung verbessern können.
Wachstum bei Produktion und Exporten
Nach den von Shah vorgelegten Zahlen stieg Indiens Milchproduktion von rund 146 Millionen Tonnen im Wirtschaftsjahr 2014–15 auf etwa 248 Millionen Tonnen. Die tägliche Pro-Kopf-Verfügbarkeit erhöhte sich im gleichen Zeitraum von rund 307 Gramm auf 485 Gramm. Shah bezeichnete Indien als weltweit größten Milchproduzenten und bezifferte die Ausfuhren indischer Molkereiprodukte in zahlreiche Länder auf etwa 46,66 Milliarden ₹.
Mit dem Genossenschaftsausbau könnte mehr Milch in formelle Beschaffungskanäle gelangen. Die Ankündigung enthält jedoch weder einen Fertigstellungstermin noch eine regionale Verteilung oder ein landesweites Gesamtbudget. Für die Umsetzung brauchen die neuen Genossenschaften genügend lokales Milchaufkommen sowie zuverlässige Qualitätskontrollen und Verarbeitungskapazitäten. Verarbeiter könnten eine breitere und stabilere Rohstoffbasis erhalten; für die Erzeuger werden höhere und transparentere Ankaufspreise entscheidend sein.
Zusatzerlöse und Beteiligung von Frauen
Die Initiative sieht auch Zusatzeinkommen durch die wissenschaftlich fundierte Nutzung von Rinderdung für saubere Energie, Nährstoffkreisläufe und ländliche Beschäftigung vor. Shah zufolge können Molkereigenossenschaften die wirtschaftliche Position von Frauen stärken, da Einnahmen aus der Milchwirtschaft häufig direkt bei ihnen ankommen. Tierhalterinnen wurden auf der Konferenz als „Gopalak Didi“ geehrt; zudem wurden Bewilligungen im Rahmen des Dr.-Bhimrao-Ambedkar-Kamdhenu-Programms ausgegeben. Die Regierung verbindet die Entwicklung des Milchsektors außerdem mit besserer Ernährung und höheren ländlichen Einkommen.