Indien erwägt Freigabe von Straucherbsenreserven vor der Festsaison
Indien könnte staatliche Hülsenfruchtreserven freigeben, nachdem Straucherbsen binnen eines Monats um rund 14 % teurer wurden. Begrenzte Anlieferungen, starke Mühlennachfrage und kostspielige Importe stützen den Markt; zugleich weichen die gemeldete Gesamtreserve und ihre Aufschlüsselung voneinander ab.
Knappe Anlieferungen treiben die Preise
Indien erwägt vor der Festsaison Maßnahmen gegen steigende Straucherbsenpreise. Begrenzte Zufuhren auf den Märkten der Anbauregionen, starke Käufe der Dal-Verarbeiter und teure Importe verknappen das inländische Angebot. Business Standard Hindi berichtete, dass Dal aus Straucherbsen, auch als Tur oder Arhar Dal bekannt, im Einzelhandel für ₹130-₹160 je Kilogramm verkauft wurde. In Teilen des Marktes näherte sich der Preis damit ₹150 oder überschritt diese Marke.
Die Publikation bezifferte den durchschnittlichen Mandipreis auf rund ₹11.394 je Doppelzentner. Im Bericht zitierte Daten des Ministeriums für Verbraucherangelegenheiten, Ernährung und öffentliche Verteilung wiesen für den 20. September einen landesweiten Großhandelsdurchschnitt von ₹11.393,5 je Doppelzentner und einen durchschnittlichen Einzelhandelspreis von ₹122,82 je Kilogramm aus. Die Differenz zwischen diesem Landesdurchschnitt und der genannten Spanne von ₹130-₹160 deutet auf erhebliche regionale und vertriebsbedingte Preisunterschiede hin.
Laut Business Standard Hindi stiegen die Straucherbsenpreise innerhalb eines Monats um rund 14 %, binnen drei Monaten um 12 % und binnen eines Jahres um 8 %. Marktteilnehmer verweisen auf einen schwachen Monsun, Sorgen über Ernte und künftiges Angebot, höhere Käufe der Verarbeiter vor der Festsaison sowie zurückgehaltene Bestände in Erwartung weiterer Preissteigerungen. Einige Lagerhalter halten Preise von mehr als ₹15.000 je Doppelzentner während der Festzeit für möglich, falls sich das Angebot nicht verbessert.
Pufferbestände könnten die Rally bremsen
Branchenvertreter fordern die Regierung auf, Hülsenfrüchte rasch aus den Pufferbeständen freizugeben. Sunil Baldev, Präsident der Agri Farmer and Trade Association, sprach von fehlender Ware am Markt und erklärte, eine frühe Freigabe könne die Preise eindämmen. Händler hätten in den beiden vorangegangenen Jahren Verluste erlitten und deshalb in diesem Jahr nur geringe Bestände aufgebaut.
Baldev bezifferte den staatlichen Pufferbestand an Hülsenfrüchten auf 4,3 Millionen Tonnen. Dazu sollen 1,95 Millionen Tonnen Kichererbsen, 1 Million Tonnen Straucherbsen, 900.000 Tonnen Mungbohnen und 560.000 Tonnen Linsen gehören. Die von der Publikation genannten Einzelmengen ergeben allerdings 4,41 Millionen Tonnen und liegen damit über der angegebenen Gesamtsumme; eine Erklärung für die Abweichung wurde nicht genannt. Die gemeldete 1 Million Tonnen Straucherbsen wäre dennoch das direkteste Mittel, um das Angebot in dem von der Preisrally betroffenen Markt zu erhöhen.
Wirkung und Reichweite hängen vom Zeitpunkt und Verfahren der Freigabe ab. Gelangt die Ware zügig zu Verarbeitern und auf Großhandelsmärkte, könnte sie den Wettbewerb um knappe Anlieferungen dämpfen und die Spanne zwischen Mandi- und Einzelhandelspreisen verringern. Eine späte oder kleine Freigabe dürfte weniger bewirken, wenn die Festnachfrage weiter steigt und Lagerhalter ihre Ware zurückhalten.
Teure Importe bieten wenig Entlastung
Importierte Hülsenfrüchte sind laut dem Bericht derzeit teurer als die im Inland verfügbare Ware. Globale Spannungen verzögern Lieferungen und erhöhen die Frachtraten; zugleich zwingen hohe Weltmarktpreise und weitere Kosten die Importeure zu höheren Verkaufspreisen. Importe erzeugen daher momentan nicht den Preisdruck auf den heimischen Straucherbsenmarkt, der bei einer Angebotsknappheit gewöhnlich zu erwarten wäre.
Der Hülsenfruchthändler Pukhraj Chopra forderte eine Senkung des Importzolls von 10 % auf Kichererbsen und Linsen. Diese Erzeugnisse sind nicht in jeder Verwendung direkte Substitute für Straucherbsen, doch niedrigere Einstandskosten könnten das gesamte Angebot an Hülsenfrüchten verbreitern und den Preisdruck in der Kategorie mildern. Bei Straucherbsen stützen vor allem drei Faktoren die Preise: geringe Anlieferungen aus den Anbauregionen, starke Verarbeiternachfrage und hohe Importkosten.
Die Regierung hat außerdem den Mindeststützungspreis für Straucherbsen in der Saison 2026-27 um ₹450 auf ₹8.450 je Doppelzentner angehoben. Damit sollen die Einkommen der Landwirte verbessert und ein zu starker Preisverfall verhindert werden. Kurzfristig steht die Regierung jedoch vor dem umgekehrten Problem: Sie muss die Verbraucherpreise begrenzen, ohne den Produktionsanreiz des höheren Stützungspreises zu schwächen.