Hokkaidos Zwiebelzug steht wegen hoher Bahnverluste vor einer ungewissen Zukunft
Der Güterzug für Japans führende Zwiebelregion um Kitami ist gefährdet, während die Sekihoku-Linie jährlich 5,2 Milliarden Yen verliert. Ein Wechsel auf die Straße ist wegen des Mangels an Lkw-Fahrern nur begrenzt möglich.
Die Ernte zeigt eine kritische Transportabhängigkeit
Der Güterzug für den Zwiebeltransport aus dem Raum Kitami auf Hokkaido steht ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Ernte vor einer ungewissen Zukunft. Kitami ist Japans größte Stadt für die Zwiebelproduktion. Damit ist der Zug ein wichtiger Teil der Logistik, die landwirtschaftliche Betriebe auf der nördlichsten Hauptinsel des Landes mit ihren Absatzmärkten verbindet.
Während der Erntespitze müssen große Zwiebelmengen in Container verladen und aus dem Anbaugebiet abtransportiert werden. Der weithin als „Zwiebelzug“ bekannte Dienst stellt Kapazität für diesen konzentrierten saisonalen Warenstrom bereit. Seine Zukunft betrifft daher mehr als den Betrieb eines einzelnen Zuges: Es geht darum, ob die Erzeuger ihre wichtigste Ware gerade bei maximalem Transportbedarf zuverlässig ausliefern können.
Zwiebeln sind ein voluminöses Agrarprodukt mit einem vergleichsweise geringen Wert je Gewichtseinheit. Transportkosten und ausreichende Kapazitäten können deshalb die Margen der Erzeuger und die Reichweite des Anbaugebiets direkt beeinflussen. Eine Störung des bestehenden Systems könnte auch Verarbeiter, Großhändler und Einzelhändler treffen, die auf planbare Lieferungen aus Hokkaido angewiesen sind.
Jährlicher Verlust von 5,2 Milliarden Yen belastet die Strecke
Der Zug nutzt die Sekihoku-Linie von JR, die jährlich einen Verlust von 5,2 Milliarden Yen verzeichnet. Dieses Defizit setzt den Fortbestand der Verbindungen unter Druck und verknüpft die Zukunft des Zwiebelzugs unmittelbar mit der Wirtschaftlichkeit der gesamten Bahnstrecke.
Die Güterverkehrsfrage lässt sich nicht allein durch den Vergleich eines Zuges mit einer Lkw-Flotte beurteilen. Die Schieneninfrastruktur trägt Personen- und Güterverkehr, während die Tragfähigkeit der Strecke von der Gesamtnutzung des Netzes abhängt. Ihr Erhalt ist deshalb auch mit höheren Fahrgastzahlen und einem nahtlos verknüpften öffentlichen Verkehrsnetz verbunden.
Für die Landwirtschaft ist entscheidend, ob die Bahn in dem kurzen Zeitraum verfügbar bleibt, in dem der Transportbedarf stark steigt. Der jährliche Verlust entsteht auf der gesamten Strecke, doch die Folgen möglicher Kürzungen würden sich auf Gemeinden und Unternehmen mit wenigen Alternativen konzentrieren. Die Erzeuger in Kitami sind besonders betroffen, weil sich die Ernte nicht verschieben lässt, bis wieder Transportkapazität verfügbar ist.
Fahrermangel begrenzt den Umstieg auf Lkw
Eine vollständige Verlagerung von der Schiene auf die Straße wäre schwierig. Der bestehende Mangel an Lkw-Fahrern schränkt bereits die Fähigkeit des Straßengüterverkehrs ein, die Zwiebelmengen aufzunehmen. Für den Ersatz des Zuges wären während der Erntespitze genügend Fahrzeuge und Fahrer nötig, genau dann, wenn große Mengen in kurzer Zeit die Region verlassen müssen.
Lkw können Teil der Lösung bleiben, insbesondere auf der ersten und letzten Transportetappe. Der Fahrermangel verhindert jedoch, dass sie als vollständiger Ersatz dienen. Eine stärkere Abhängigkeit vom Straßentransport könnte die Erzeuger in den Wettbewerb um knappe Kapazitäten zwingen und sie anfälliger für Betriebsstörungen machen. Die verfügbaren Angaben enthalten keinen Kostenvergleich der beiden Verkehrsträger, doch bereits der Kapazitätsengpass macht einen schnellen Wechsel unpraktikabel.
Der Fall verdeutlicht die enge Verbindung zwischen ländlicher Personenverkehrspolitik und Agrarlogistik. Maßnahmen für mehr Fahrgäste auf der Sekihoku-Linie und bessere Anschlüsse zwischen Verkehrsdiensten könnten zugleich die Güterverkehrsoption für die Zwiebelbranche erhalten. Scheitert dagegen die Stabilisierung der Gesamtstrecke, würden die Wahlmöglichkeiten der Produzenten trotz anhaltender Transportnachfrage schrumpfen.
Die Ernte läuft weiter, Zwiebeln werden in Container verladen und per Bahn transportiert. Langfristig stellt sich die Frage, ob sich die finanziellen Verluste der Strecke begrenzen lassen, bevor die Betriebe auf einen Straßengütermarkt mit zu wenigen Fahrern angewiesen sind. Für Kitami entscheidet das Ergebnis über die Zuverlässigkeit der Lieferkette in Japans größtem Zwiebelanbaugebiet.