Extreme Hitze gefährdet Kroatiens späte Kartoffelernte und die Versorgung
Kroatische Erzeuger warnen vor Schäden an späten Kartoffelsorten durch extreme Hitze, während ausbleibender Regen die Ernte verzögert. Die heimische Produktion deckte im vergangenen Jahr nur rund 40 % des Bedarfs, und knappe Mengen in anderen Teilen Europas könnten den Ausgleich durch Importe erschweren.
Hitze verzögert die Ernte später Sorten
Kroatische Kartoffelerzeuger warten nach einer langen Hitzewelle auf den ersten kräftigen Regen, bevor sie mit der Ernte später Sorten beginnen. Hohe Bodentemperaturen und Fäulnis könnten die verfügbare Menge verringern. Damir Mesarić, stellvertretender Vorsitzender des Verbands der Speisekartoffelerzeuger von Međimurje, sagte gegenüber Glas Slavonije, das volle Ausmaß der Schäden werde sich erst beim Roden zeigen.
Nach Angaben von Mesarić waren die Temperaturen im Juli und August außergewöhnlich hoch. Bei den späten Kartoffeln tritt bereits Fäulnis im Boden auf. Solange die Knollen heiß sind, können sie nicht sicher eingelagert werden. Derzeit liegen ihre Temperaturen bei 25 Grad Celsius oder mehr; vor der Lagerung müssen sie auf mindestens 18 Grad sinken. Mesarić zufolge wären Niederschläge von mindestens 60-70 Litern je Quadratmeter nötig, bevor die Ernte der späten Sorten beginnen kann.
Auf seinem Betrieb werden die Kartoffeln maschinell ab etwa 5 Uhr morgens gerodet. Geerntet wird nur die Menge, die unmittelbar vermarktet werden soll; bei steigenden Tagestemperaturen ruht die Arbeit. Mesarić baut frühe und späte Sorten auf rund 35 Hektar an. Früher waren es etwa 50 Hektar, doch Wetter und andere Produktionsbedingungen zwangen ihn zur Verringerung der Fläche.
Frühe Sorten schneiden besser ab als im Vorjahr
Bei frühen Kartoffeln ist die Lage weniger schwierig. Rund um Belica in Nordkroatien, einem wichtigen Anbaugebiet, wird in diesem Jahr ein Durchschnittsertrag von 25-30 Tonnen je Hektar erwartet. Im vergangenen Jahr waren es nur rund 15 Tonnen je Hektar. Regenfälle im Juni halfen den frühen Sorten laut Mesarić, die Trockenheit besser zu überstehen als 2025.
Der erwartete Ertrag bleibt dennoch unter den 30-40 Tonnen je Hektar eines guten oder optimalen Jahres. Die Erzeuger in Međimurje bewerten 2026 daher bislang als mäßig schlechtes Jahr. Frühe Sorten lösen das grundsätzliche Versorgungsproblem nicht, weil sie für den raschen Verbrauch bestimmt sind und nicht über den Winter gelagert werden können.
Bei den späten Kartoffeln wird die Bewässerung zum entscheidenden Unterschied. Mesarić erwartet auf bewässerten Flächen zumindest gewisse Erträge, während Betriebe ohne Bewässerung mit hohen Verlusten rechnen müssen. Der verspätete Erntebeginn erhöht zugleich die Unsicherheit über die vermarktbare Menge und die Lagerqualität.
Niedrige Eigenversorgung erhöht Importabhängigkeit
Kroatien kann seinen Kartoffelbedarf nicht aus eigener Produktion decken. Früher lag der Selbstversorgungsgrad bei 60-70 %, im vergangenen Jahr sank er laut Glas Slavonije jedoch auf rund 40 %. Eine schwache Ernte später Sorten würde den Importbedarf entsprechend erhöhen.
Ob Einfuhren die Lücke schließen können, ist aus Sicht der Erzeuger ungewiss. Mesarić zufolge wurde in Europa weniger angebaut, während zugleich die Erträge niedriger ausfallen. Frankreich, Spanien und Deutschland leiden ebenfalls unter hohen Temperaturen, sodass ihre Ernteaussichten unsicher bleiben. Anders als im vergangenen Jahr, als Europa Überschüsse verzeichnete, dürfte das Kartoffelangebot unter dem Niveau guter Jahre bleiben.
Erzeugerpreise decken nach Branchenangaben die Kosten nicht
Für Kartoffeln in 10-Kilogramm-Packungen erhalten die Erzeuger laut Mesarić 0,30 € je Kilogramm. Nach Abzug der Kosten für Verpackung und Transport bis Zagreb verbleiben ihnen 0,24-0,25 € je Kilogramm. Als tragfähigen Preis, der Arbeit und Produktionskosten deckt, betrachten die Produzenten 0,35 € je Kilogramm.
Einige ausländische Handelsketten boten in der Berichtswoche 5-Kilogramm-Packungen für 1,45 € an. Damit lag der Verkaufspreis der als kroatisch ausgewiesenen Kartoffeln unter 0,30 € je Kilogramm. Mesarić sagte, die Händler hätten mit billigen Importkartoffeln gerechnet, doch diese Mengen seien nicht verfügbar. Da die heimische Erzeugung nur einen kleineren Teil des Bedarfs deckt, könnten Schäden an späten Sorten und ein begrenztes europäisches Angebot den kroatischen Markt verengen und den Druck auf Erzeuger, Händler und Importeure erhöhen.