Hitze und Dürre gefährden Italiens Mais-, Soja- und Milchproduktion
Außergewöhnliche Hitze und fehlender Regen drücken Italiens Ernten und Milchproduktion, besonders im Norden. Coldiretti beziffert mögliche Sojaverluste auf bis zu 40 %, Futterverluste auf bis zu 30 % und den Rückgang der Milchmenge in einzelnen Betrieben auf 20 %.
Die schwersten Ernteverluste drohen im Norden
Außergewöhnliche Temperaturen und fehlender Regen gefährden Italiens Sommer- und Herbsternten, während Hitzestress die Milchproduktion senkt. Il Messaggero berichtet unter Berufung auf den Bauernverband Coldiretti, dass vor allem in Mittel- und Norditalien Mais, Soja, Gemüse, Obst, Olivenhaine, Weinberge und Futterpflanzen unter erheblichem Wassermangel leiden. In betroffenen Betrieben ist die Milchmenge um bis zu 20 % gesunken.
Die größten Risiken betreffen Mais und Soja, zwei zentrale Produkte für Tierfutter und Agrarhandel. In einzelnen Gebieten könnte die Maisernte vollständig ausfallen, während die geschätzten Sojaverluste 40 % erreichen. Die Futterproduktion könnte um bis zu 30 % sinken, bei vielen Gemüsekulturen sind Rückgänge von bis zu 20 % möglich. Ein geringeres inländisches Futterangebot würde Tierhalter zusätzlich belasten, die bereits höhere Bewässerungs- und Energiekosten tragen.
Piemont und die Lombardei gehören zu den am stärksten betroffenen Regionen. Coldiretti schätzt die bisherigen Verluste im Piemont auf 30 %-40 %; ohne Regen könnten sie 80 % erreichen. In der Lombardei beeinträchtigt die extreme Hitze die Maissaison und hat in landwirtschaftlich geprägten Provinzen zu einem vorzeitigen Häckseln geführt. Auch der Tomatenanbau steht unter Druck. Die Milchproduktion ist bereits um 10 % gesunken, in besonders betroffenen Betrieben um bis zu 20 %.
Futterversorgung und Verarbeitungskulturen geraten unter Druck
In Venetien lässt die Hitze Mais und andere Kulturen schneller abreifen. Kolben ohne Körner deuten auf ein geringeres Angebot für die Tierfütterung hin. In der Emilia-Romagna wird ein Teil des geschädigten Maises zu Silage verarbeitet, um Verluste zu begrenzen. Im Raum Bologna werden Rückgänge von 30 % bei Mais, Sorghum und Zuckerrüben sowie 40 % bei Soja geschätzt. Das trifft sowohl Futterabnehmer als auch Verarbeiter, die auf lokale Rohstoffe angewiesen sind.
Die Dürre breitet sich zudem in Mittelitalien aus. In Teilen der Toskana erreichen die Gemüseverluste 20 %, während die Weinlese früher begonnen hat. Im Latium leiden Mais, Futterpflanzen, Getreide, Obst und Gemüse. Die Milchmenge ist um bis zu drei Liter je Kuh und Tag gesunken; an den extremsten Standorten könnte die Maisernte vollständig ausfallen. In Ligurien drohen Olivenhainen, Gemüsefeldern und Obstplantagen Verluste von 20 %-30 %.
Im Süden fällt die Belastung unterschiedlich aus
Apulien verzeichnet die deutlichsten Auswirkungen in Süditalien. Der Tomatenertrag je Hektar ist um 10 % gesunken, während bei Wassermelonen potenzielle Verluste von 60 % drohen. Hitzestress belastet auch die Tierhaltung. Auf Sizilien gibt es Probleme bei Gemüse und Wassermelonen, unter anderem im Raum Trapani. In Kalabrien hält Bewässerung die Schäden bislang lokal begrenzt, doch in Oliven- und Zitrushainen wurde bereits vorzeitiger Fruchtfall beobachtet.
Auf Sardinien bleibt die Lage unter Kontrolle, während Kampanien die Entwicklung laufend überwacht. Nach Angaben von Coldiretti würden anhaltend hohe Temperaturen schnellere Investitionen in das Wassermanagement erfordern: Auffangbecken für Regenwasser, effiziente Pumpsysteme und geringere Verluste in den Wassernetzen. Importeure und Marktanalysten sollten nun Niederschläge, die endgültigen Mais- und Sojaerträge sowie die Futterverfügbarkeit beobachten. Weitere Ausfälle könnten Italiens heimisches Futterangebot reduzieren und die Nachfrage nach Ersatzimporten erhöhen. Schwächere Tomaten-, Gemüse- und Obsternten könnten zugleich die Versorgung von Verarbeitern und Frischwarenkäufern verengen.