Hitze bedroht Kartoffelernte in der Ukraine – Einkaufspreise könnten um 25–30 % steigen
Außergewöhnliche Sommerhitze könnte die ukrainische Kartoffelernte schmälern, nachdem die Temperatur in einer kritischen Wachstumsphase fünf Tage lang über 37 °C lag. Für Oktober und November wird ein Anstieg der Einkaufspreise um 25–30 % erwartet, im Winter könnten weitere rund 10 % folgen.
Extreme Hitze beeinträchtigt die Knollenbildung
Die ukrainische Kartoffelernte dürfte in diesem Jahr geringer ausfallen, nachdem außergewöhnliche Sommerhitze die Pflanzenentwicklung gestört hat. Damit wächst das Risiko eines deutlichen Anstiegs der Einkaufspreise im Herbst. Laut TSN könnten die Preise im Oktober und November um etwa 25–30 % zulegen, sobald die Bestände früher Sorten aufgebraucht sind und mittelfrühe sowie späte Kartoffeln den Markt bestimmen.
Die Prognose stammt von Tetiana Oliinyk, promovierte Agrarwissenschaftlerin und stellvertretende Forschungsdirektorin des Instituts für Kartoffelanbau der Nationalen Akademie der Agrarwissenschaften der Ukraine. Gegenüber Glavcom erklärte sie, die Temperaturen hätten im Sommer an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über 37 °C gelegen. Die Hitze fiel in die Blüte- und Knospenphase, in der die späteren Knollen angelegt werden.
Nach Angaben von Oliinyk stellen Kartoffelpflanzen unter solchen Bedingungen ihr Wachstum ein. Die Kultur ist an ein gemäßigtes Klima angepasst und reagiert empfindlich auf extreme Temperaturen. Bei starker Hitze verwendet die Pflanze ihre Ressourcen zum Überleben statt zur Ertragsbildung. Die daraus resultierenden Ertragseinbußen dürften das Angebot verringern und die Preise im weiteren Saisonverlauf beeinflussen.
Saisonaler Preisrückgang dürfte nur kurz anhalten
Zum Ende des Sommers waren die Kartoffelpreise vorübergehend auf 6,5–8 Hrywnja je Kilogramm gesunken. Oliinyk führt dies auf den umfangreichen Verkauf früher Sorten zurück und nicht auf bessere Aussichten für die Gesamternte. Frühkartoffeln sind nicht lange lagerfähig, weshalb Erzeuger und Verkäufer sie rasch auf den Markt bringen.
Diese saisonalen Mengen drücken kurzfristig auf die Preise, bedeuten aber nicht, dass Kartoffeln im gesamten Herbst günstig bleiben. Sind die Vorräte früher Sorten erschöpft, wird das Angebot überwiegend aus mittelfrühen und späten Sorten bestehen. Deren Verfügbarkeit hängt stärker von den Ertragsschäden durch die Sommerhitze ab.
Oliinyk erwartet für Oktober und November einen Anstieg der Einkaufspreise um etwa 25–30 %. Die Prognose bezieht sich auf die Beschaffungsstufe und garantiert keinen gleich hohen Aufschlag im Einzelhandel. Höhere Preise auf Erzeuger- und Großhandelsebene würden jedoch die Kosten für Händler, Verarbeiter und andere Käufer auf dem ukrainischen Binnenmarkt erhöhen.
Lagerkosten sorgen im Winter für weiteren Druck
Im Winter könnten die Preise der Prognose zufolge um weitere rund 10 % steigen. Verantwortlich wären zusätzliche Lagerkosten der Erzeuger, darunter die Belüftung und das Halten der erforderlichen Temperatur in den Kartoffellagern. Nach der Haupternte gewinnen diese Ausgaben an Bedeutung, weil der Markt zunehmend auf eingelagerte Ware angewiesen ist.
Die Kombination aus niedrigeren Erträgen und höheren Lagerkosten spricht dagegen, dass die niedrigen Preise vom Ende des Sommers Bestand haben. Erzeuger mit geeigneten Lagern können den Wintermarkt besser beliefern. Betriebe, die unmittelbar nach der Ernte verkaufen, bleiben stärker von den Einkaufsbedingungen im Herbst abhängig.
Für Verarbeiter, Großhändler und Einzelhändler wird der Übergang entscheidend, wenn Frühkartoffeln vom Markt verschwinden und spätere Sorten überwiegen. Das Ausmaß des Ernterückgangs wurde nicht beziffert, doch die fünf Tage mit mehr als 37 °C trafen eine kritische Entwicklungsphase. Das Angebot im Oktober und November sowie die Kosten der Winterlagerung werden daher bestimmen, welcher Anteil des erwarteten Anstiegs bei nachgelagerten Käufern und Verbrauchern ankommt.