Neue Handelslogistik stört Geflügel- und Eierversorgung in der Ukraine
In der Ukraine besteht laut Branchenverband kein landesweiter Mangel an Geflügelfleisch oder Eiern. Russische Angriffe auf Verteilzentren und neue Forderungen des Einzelhandels führen jedoch regional zu einem kleineren Sortiment und höheren Kosten.
Kein landesweiter Mangel, aber weniger Auswahl vor Ort
In der Ukraine herrscht kein landesweiter Mangel an Geflügelfleisch oder Eiern, erklärt der Verband der Geflügelhalter der Ukraine. Beschädigte oder zerstörte Verteilzentren haben jedoch Lieferungen verzögert und das Angebot in einzelnen Handelsketten und Regionen vorübergehend eingeschränkt.
Vor dem Krieg lieferten die Produzenten gewöhnlich große Partien an die Verteilzentren der Einzelhändler. Von dort wurden kleinere Mengen an die einzelnen Supermärkte verteilt. Russische Angriffe haben dieses System gestört. Ukrinform berichtete, dass seit Anfang Juli mehr als 400.000 Quadratmeter Lager- und Logistikflächen ukrainischer Unternehmen zerstört wurden.
Laut Ukrinform lassen sich bis zu 40 % der verlorenen Kapazitäten relativ schnell ersetzen oder wiederherstellen. Solange beschädigte Zentren ausfallen, beraten Händler und Lieferanten über direkte Lieferungen an Supermärkte. Der Branchenverband hält zugleich daran fest, dass die Produktion ausreicht, um den heimischen Bedarf zu decken.
Einzelhändler verlangen Direktlieferungen und Risikoteilung
Bei Direktlieferungen an die Filialen fällt ein größerer Teil der Verteilungsarbeit den Geflügel- und Eierproduzenten zu. Dengi.ua zufolge fehlt vielen Lieferanten die Infrastruktur, um Hunderte Verkaufsstellen regelmäßig zu bedienen. Nötig wären möglicherweise größere Fuhrparks, mehr Fahrer, zusätzliches Personal für die Dokumentation und neue Systeme zur Tourenplanung.
Manchen Geschäften fehlen zudem Platz oder Technik, um viele Lastwagen gleichzeitig abzufertigen. Dadurch entstehen Wartezeiten beim Entladen. Die Produzenten erklären, dass Investitionen wegen knappen Betriebskapitals und hoher Kriegsrisiken schwer zu finanzieren sind. Andere Vertragsbedingungen wie Strafen bei Unterlieferung, rückwirkende Boni, Marketingzahlungen und lange Zahlungsfristen sollen weitgehend bestehen bleiben.
Der Verband wendet sich außerdem gegen Forderungen einiger Händler, Lieferanten an Verlusten durch kriegsbedingt zerstörte oder beschädigte unverkaufte Ware zu beteiligen. Nach Angaben von Dengi.ua reichen die Vorschläge von einer vollständigen, also 100-prozentigen Entschädigung durch den Lieferanten bis zu einer Aufteilung von 50/50. Die Geflügelunternehmen argumentieren, dass auch Produzenten Schäden an Anlagen, Lagern und Fahrzeugen tragen und der Handel das Kriegsrisiko nicht auf sie abwälzen dürfe.
Kosten und Marktüberschuss bestimmen die Preise
Der Verband warnt, dass Lieferanten, die die neuen Bedingungen nicht erfüllen können, einzelne Absatzkanäle verlassen könnten. Das würde Wettbewerb und Sortiment verringern. Höhere Ausgaben für Transport, Personal und Verwaltung könnten zudem die Verbraucherpreise erreichen und bei untragbaren Margen schließlich die Produktionsmengen beeinträchtigen.
Die Preise stehen allerdings unter gegenläufigen Einflüssen. UA.News zitierte Oleh Pendzyn vom Economic Discussion Club mit der Einschätzung, dass geschlossene Häfen und ein Überangebot an Eiern im Inland die Preise drücken, weil eigentlich für den Export bestimmte Ware in der Ukraine bleibt. Der Verband betont dagegen das Preisrisiko durch höhere Logistikkosten und Forderungen der Händler. Entscheidend wird sein, ob Produzenten die Direktlieferungen finanzieren können, wie schnell Verteilkapazitäten zurückkehren und ob Exportkanäle das Überangebot im Inland abbauen.