Griechische Molkereien gehen gegen ausländische „Greek Yogurt“-Etiketten vor
Griechische Molkereien bereiten eine europaweite Rechts- und Kontrollkampagne gegen im Ausland hergestellten, aber als „Greek Yogurt“ vermarkteten Joghurt vor. Geschützt werden soll die Herkunft in einem rund 34 Milliarden Euro schweren Weltmarkt, während Griechenlands Joghurtexporte kräftig wachsen.
Branche bereitet europäische Kampagne vor
Griechenlands Milchindustrie bereitet rechtliche Schritte gegen ausländische Hersteller vor, die den Begriff „Greek Yogurt“ für außerhalb Griechenlands produzierte Ware verwenden. Nach Angaben von To Vima plant der griechische Verband der Milchproduktindustrie SEVGAP eine europaweite Kampagne. Sie soll möglicherweise irreführende Kennzeichnungen in ausländischen Supermärkten erfassen und diese auf rechtlichem und regulatorischem Weg anfechten.
Der Streit betrifft einen Weltmarkt, dessen Wert derzeit auf rund 34 Milliarden Euro geschätzt wird und bis 2030 auf 55 Milliarden Euro steigen soll. To Vima zufolge stammen lediglich 1,6% der international als griechischer Joghurt verkauften Produkte tatsächlich aus Griechenland; 98,4% werden außerhalb des Landes hergestellt. SEVGAP-Präsident Christos Apostolopoulos bezeichnete diese Praxis gegenüber der Zeitung als einen der weltweit größten Fälle von Rechtsverstößen im Lebensmittelsektor. Der Verband hat einen renommierten griechischen Anwalt mit Sitz in Paris eingeschaltet, der auf europäisches Recht des geistigen Eigentums spezialisiert ist.
Exportwachstum erhöht den wirtschaftlichen Einsatz
Die griechischen Hersteller argumentieren, dass Greek Yogurt nicht lediglich für ein Rezept, eine Konsistenz oder ein Herstellungsverfahren stehe. Die Bezeichnung müsse ihrer Ansicht nach einem in Griechenland aus griechischer Milch hergestellten Produkt vorbehalten bleiben. Ein ausländischer Anbieter könne ein vergleichbares Erzeugnis als Joghurt griechischer Art beschreiben, dürfe es aber nicht als griechisch ausgeben. Auch „Greek Style“ bleibt umstritten, weil das Wort „Greek“ auf der Verpackung häufig optisch dominiert.
Die Kampagne folgt auf einen kräftigen Exportanstieg. Laut To Vima nahmen die Ausfuhren griechischen Joghurts innerhalb von drei Jahren um rund 210% zu, allein im jüngsten Jahr um fast 42%. In einzelnen europäischen Märkten näherte sich das Wachstum 90%-95%. Italien, das Vereinigte Königreich, Deutschland und Schweden sind zu wichtigen Zielmärkten geworden. Dort hat sich das Produkt aus der Nische in die Kühlregale großer Handelsketten vorgearbeitet. Neben Feta gehört Joghurt inzwischen zu den wichtigsten internationalen Produkten der griechischen Milchwirtschaft.
Arbeitsgruppe soll ausländische Regale überwachen
In einem Streit mit Tschechien erzielte Griechenland bereits eine für die Branche günstige Entscheidung. Die tschechischen Behörden wollten im nationalen Recht die Kategorien „Greek Yogurt“ und „Greek Style Yogurt“ schaffen. Nach einem Einspruch von SEVGAP stellte die Europäische Kommission klar, dass außerhalb Griechenlands hergestellter Joghurt nicht Greek Yogurt heißen darf. Die griechischen Hersteller betrachten dies als wichtigen Präzedenzfall, auch wenn der Konflikt um die Bezeichnung Greek Style damit nicht beendet wurde.
SEVGAP spricht nun mit der griechischen Regierung und den zuständigen Ministerien über ein koordiniertes Vorgehen. Eine geplante Arbeitsgruppe soll mutmaßliche Verstöße dokumentieren, Kennzeichnungspraktiken im Ausland beobachten und weitere Maßnahmen empfehlen. Die Leitung des Ministeriums für ländliche Entwicklung und der stellvertretende Außenminister haben den Herstellern laut To Vima Unterstützung zugesichert. Europa ist das erste Aktionsfeld, doch die Branche rechnet mit einer Ausweitung auf Märkte außerhalb der EU, wo geografische Produktidentitäten schwerer zu schützen sein können. Für griechische Verarbeiter und Milcherzeuger entscheidet das Ergebnis darüber, welcher Anteil des wachsenden Marktwerts an die Produktion in Griechenland gebunden bleibt und welcher an ausländische Produkte mit griechischer Anmutung fällt.