Wachsendes globales Milchangebot setzt Molkereipreise 2026 unter Druck
Die Milchproduktion der vier führenden Exportregionen stieg im ersten Quartal 2026 um 4% gegenüber dem Vorjahr. Da die Nachfrage langsamer wächst, erwarten Analysten der Bank Pekao zunehmenden Druck auf die Preise für Milchprodukte und Rohmilch.
Führende Exportregionen erhöhen die Produktion
Der globale Milchmarkt tritt in eine Phase rasch wachsenden Angebots ein, ohne dass die Nachfrage entsprechend zunimmt. Farmer.pl berichtete unter Berufung auf Analysten der Bank Pekao, dass die gemeinsame Milchproduktion der vier führenden Exportregionen – Europäische Union, USA, Neuseeland und Australien – im ersten Quartal 2026 um 4% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Das Wachstum verlangsamte sich gegenüber Ende 2025 leicht, blieb aber hoch.
Den größten Beitrag zum zusätzlichen Angebot leisteten die Europäische Union und die USA. Auch Australien und Neuseeland steigerten ihre Produktion. Damit brachten alle vier großen Exportregionen gleichzeitig mehr Milch auf den Markt. Die daraus entstehenden Mengen an Butter, Käse, Milchpulver und anderen Molkereiprodukten dürften auf den internationalen und heimischen Märkten stärker um Abnehmer konkurrieren.
EU-Lieferungen steigen in allen großen Erzeugerländern
Besonders deutlich fiel der Zuwachs in der Europäischen Union aus. In den ersten drei Monaten 2026 lagen die Milchanlieferungen an Verarbeitungsbetriebe laut den von Farmer.pl veröffentlichten Zahlen um 4,5% über dem Vorjahresniveau. Alle zehn größten Milcherzeugerländer der EU verzeichneten Wachstum, sodass die Expansion nicht auf wenige Märkte begrenzt blieb.
Polnische Molkereien erhielten zusätzlich 104.000 Tonnen Milch, ein Plus von 3% gegenüber dem Vorjahr. Obwohl die Rate unter dem EU-Durchschnitt lag, setzte die polnische Milchwirtschaft ihr Wachstum fort. Mehr Rohmilch ermöglicht eine höhere Produktion von Butter, Käse, Milchpulver und weiteren Erzeugnissen, zwingt die Verarbeiter aber zugleich, zusätzliche Absatzmöglichkeiten im In- oder Ausland zu finden.
Nachfrage hält mit dem Angebot nicht Schritt
Die Nachfrage nach Milchprodukten wächst weiter, nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Pekao jedoch deutlich langsamer als die Produktion. Für Verarbeiter wird es deshalb schwieriger, zusätzliche Mengen außerhalb der Europäischen Union abzusetzen. Ein größerer Teil der Produktion verbleibt im Binnenmarkt und verschärft dort den Wettbewerb zwischen Milcherzeugern und Verarbeitungsunternehmen.
Dieses Ungleichgewicht kehrt die Bedingungen um, die zuvor bei begrenztem Angebot und vergleichsweise starker Nachfrage hohe Preise gestützt hatten. Die Bank Pekao erwartet, dass der wachsende Überschuss an Rohmilch und verarbeiteten Milchprodukten in den kommenden Monaten zunehmend auf die Preise drückt. Besonders auf Exportmärkten könnten Molkereien Schwierigkeiten bekommen, ihre bisherigen Absatzmengen zu halten, da europäische Produkte mit steigenden Mengen aus den USA, Neuseeland und Australien konkurrieren.
Ausblick für das zweite Halbjahr verschlechtert sich
Nach Einschätzung der Bank Pekao hat das steigende Angebot die Aussichten für den Milchmarkt im zweiten Halbjahr 2026 verschlechtert. Das gleichzeitige Produktionswachstum in Europa und den anderen führenden Exportregionen erschwert eine Erholung der Molkereipreise. Kann die globale Nachfrage die zusätzlichen Mengen nicht aufnehmen, könnten sinkende Produktpreise schließlich zu weiteren Rückgängen der Rohmilchpreise führen.
Für Milchviehbetriebe hängt die Rentabilität zunehmend von Betriebseffizienz, Futterkosten und dem Exporterfolg ihrer Verarbeiter ab. Polnische Erzeuger stehen trotz wachsender heimischer Produktion unter demselben Druck: Höhere Milchanlieferungen verbessern zwar die Auslastung der Verarbeitungskapazitäten, Überschüsse können jedoch die Margen entlang der gesamten Lieferkette verringern. Entscheidend wird sein, ob globale Käufer die zusätzliche Milch aufnehmen, bevor Lagerbestände und Wettbewerb den Preisdruck weiter verschärfen.