Hitze und Dürre schädigen französischen Mais – Landwirte testen afrikanische Sorghumsorten
Französische Erzeuger halten fast die Hälfte der diesjährigen Maisernte für unbrauchbar, nachdem Hitzewellen und anhaltende Dürre die Bestände in ganz Europa getroffen haben. Getreidebauern testen Sorghumsorten afrikanischer Herkunft als hitze- und trockenheitstolerantere Alternative. Betroffen sind auch Mischfutter- und Stärkehersteller in der gesamten EU.
Französische Getreidebauern testen Sorghumsorten afrikanischer Herkunft als Absicherung gegen heißere und trockenere Sommer, nachdem Hitzewellen und anhaltende Dürre die Maisbestände in ganz Europa geschädigt haben. Französische Erzeuger geben an, fast die Hälfte der diesjährigen Maisernte sei unbrauchbar.
Mais traf es am härtesten
Mais ist die europäische Sommerkultur, die Hitze und Wassermangel am stärksten ausgesetzt ist. Er wird im Frühjahr gesät, Blüte und Kornfüllung fallen in den Hochsommer, also genau in die Phase mit Temperaturspitzen und größtem Bodenwasserdefizit. Bestände, bei denen die Befruchtung ausfällt oder die vorzeitig abreifen, liefern kleine, leichte und schlecht ausgebildete Körner, und die geerntete Ware erfüllt häufig nicht die Qualitätsvorgaben von Mischfutterwerken, Stärkefabriken und Lebensmittelverarbeitern.
Genau das beschreiben die französischen Erzeuger in diesem Jahr: Der Bestand steht auf dem Feld, doch nach ihrer eigenen Einschätzung lässt sich knapp die Hälfte davon nicht bestimmungsgemäß verwenden. Der Schaden beschränkt sich nicht auf Frankreich, denn Hitzewellen und Dürre haben den europäischen Mais insgesamt getroffen. Der Ausfall ist damit ein regionales und kein nationales Problem.
Warum afrikanischer Sorghum
Agronomisch ist Sorghum der naheliegende Kandidat. Die Kultur stammt aus den halbtrockenen Tropen Afrikas, wurzelt tiefer als Mais, nutzt Wasser je Einheit Biomasse effizienter und kann ihre Entwicklung während einer Hitze- oder Trockenphase praktisch anhalten und bei besseren Bedingungen wieder aufnehmen. Unter afrikanischen Bedingungen selektierte Sorten tragen diese Toleranz ausgeprägter als Material, das für das gemäßigte Nordeuropa gezüchtet wurde. Deshalb prüfen französische Betriebe diese Sorten und verlassen sich nicht allein auf vorhandene europäische Genetik.
Es handelt sich bislang um Versuche und nicht um einen bereits vollzogenen Wechsel. Die Betriebe prüfen, wie sich die Sorten bei französischer Tageslänge, Saatzeit und Bodenart verhalten, welche Erträge sie in einem normalen und nicht nur in einem heißen Jahr bringen und ob das Korn Abnehmer zu einem gegenüber Mais konkurrenzfähigen Preis findet.
Folgen für die nachgelagerte Stufe
Frankreich zählt zu den größten Maiserzeugern der Europäischen Union und beliefert regelmäßig Futter- und Stärkeverarbeiter in anderen Mitgliedstaaten. Eine Ernte dieser Qualität wirkt deshalb weit über das Hoftor hinaus. Mischfutterhersteller, denen heimischer Mais fehlt oder die Ware außerhalb der Spezifikation vorfinden, müssen Energiegetreide ersetzen, Rationen auf andere Getreidearten umstellen oder importieren. Stärke- und Nassmühlenbetriebe haben weniger Spielraum als Futterhersteller, weil ihre Verfahren eng an die Kornqualität gebunden sind.
Für die Landwirte geht es um die Wiederholung. Eine geschädigte Ernte ist ein schlechtes Jahr; eine Serie von Sommern, in denen Hitze die Kornfüllung abschneidet, verändert, was sich ohne Bewässerung noch rentabel anbauen lässt. Die Sorghumversuche sind die Antwort auf dieses zweite Szenario.
Worauf zu achten ist
- Saatgutverfügbarkeit und die Frage, wie schnell afrikanisches Sorghummaterial für französische Bedingungen vermehrt werden kann
- Ob Futtermittelhersteller und Händler Sorghum in relevanten Mengen kontrahieren, denn ohne Absatz bewegt sich die Anbaufläche nicht
- Der Umfang der Ersatznachfrage von Futter- und Stärkeverarbeitern mit geschädigtem Mais
- Welcher Anteil der betroffenen Ernte in alternative Verwertungen geht, statt abgeschrieben zu werden
- Der Zugang zu Bewässerung, der weitgehend bestimmt, welche Maisregionen tragfähig bleiben