FMO stellt 20 Millionen Euro für Kakaoverarbeitung in Côte d’Ivoire bereit
Die niederländische Entwicklungsbank FMO stellt Ivory Cocoa Products eine vierjährige Betriebsmittelfazilität über 20 Millionen Euro zur Verfügung. Damit soll das Werk in San Pedro Kakaobohnen sichern und die lokale Verarbeitung ausweiten.
Vierjährige Fazilität finanziert den Bohnenankauf
Die niederländische Entwicklungsbank FMO unterzeichnete am 3. September 2026 eine Betriebsmittelfazilität über 20 Millionen Euro für Ivory Cocoa Products (ICP), berichtet Afrimag. Die Finanzierung im Gegenwert von rund 13,1 Milliarden CFA-Franc hat eine Laufzeit von vier Jahren. Sie umfasst eine fest zugesagte Tranche von 15 Millionen Euro und eine zusätzliche, noch nicht zugesagte Tranche von 5 Millionen Euro.
Mit der Fazilität soll ICP trotz der anhaltenden Volatilität am Weltkakaomarkt regelmäßig hochwertige Kakaobohnen für sein Werk in San Pedro beschaffen können. Betriebskapital ist für Verarbeiter besonders wichtig, da sie die Bohnen bei den Kooperativen bezahlen müssen, bevor sie das Rohmaterial verarbeiten und die Halbfertigprodukte verkaufen.
Der Finanzierungsbedarf der gesamten Branche reicht weit über diese Transaktion hinaus. Afrimag verweist auf eine Studie des Investitionszentrums der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Demnach könnte der Betriebsmittelbedarf des ivorischen Kakaosektors im Dezember 2025 auf 4,3 Milliarden Euro steigen, nach 2,8 Milliarden Euro in der Saison 2024/2025.
Werk in San Pedro verarbeitet rund 90.000 Tonnen jährlich
ICP wurde 2010 gegründet und nahm in der Kakaosaison 2012/2013 den Betrieb auf. Seitdem hat das Unternehmen seine jährliche Verarbeitungskapazität auf rund 90.000 Tonnen Bohnen ausgebaut. Für FMO ist es seit 2019 die dritte Investition in das lokal gehaltene Unternehmen.
ICP verarbeitet Kakaobohnen zu Kakaobutter, Kakaomasse und Presskuchen. Diese Produkte werden international für die Herstellung von Schokolade und Kosmetika verkauft. Das Werk liegt in San Pedro, einem der wichtigsten Ausfuhrorte für ivorischen Kakao, und damit nahe an Anbaugebieten und Exportinfrastruktur. ICP bezieht den Großteil seiner Bohnen von Rainforest-Alliance-zertifizierten Agrargenossenschaften und arbeitet mit dem Amsterdamer Händler Theobroma BV zusammen, der niederländischen Tochtergesellschaft von ECOM Agroindustrial Corp.
Côte d’Ivoire will mehr Wertschöpfung im Land halten
Die Investition unterstützt das Ziel Côte d’Ivoires, einen größeren Teil der Kakaowertschöpfung im eigenen Land zu halten. Nach Angaben von FMO liefert das Land rund 40 % des weltweiten Kakaos. Ein erheblicher Teil der Ernte wird jedoch weiterhin als Rohbohne ausgeführt, während die ertragreicheren Verarbeitungsschritte überwiegend in Europa, Nordamerika und Asien stattfinden.
Die Regierung will bis 2030 mindestens die Hälfte der nationalen Ernte im Inland verarbeiten. Einige offizielle Dokumente nennen sogar 80 % als Ziel. In der Saison 2025/2026 mahlten die Unternehmen rund 650.000 Tonnen Bohnen und damit 30 % der Ernte, wie Daten der Branchenaufsicht Coffee and Cocoa Council zeigen.
Installierte Kapazität wächst schneller als die Auslastung
Yves Brahima Koné, Generaldirektor des Coffee and Cocoa Council, erwartet einen Anstieg der installierten Verarbeitungskapazität von derzeit 1,155 Millionen Tonnen auf 1,34 Millionen Tonnen in der Saison 2026/2027. Schon heute liegt die verfügbare Industriekapazität deutlich über der tatsächlich verarbeiteten Menge. Ein verlässlicher Bohnenbezug und Zugang zu Betriebskapital sind deshalb entscheidend, um die Auslastung zu erhöhen.
Die Finanzierung von Verarbeitern allein beseitigt die Produktionsengpässe der Branche nicht. Alternde Plantagen und Erzeuger, sinkende Erträge und Klimabelastungen beeinträchtigen weiterhin die Rohstoffbasis. Für Verarbeiter, Händler und Investoren hängt der Nutzen neuer Kapazitäten daher auch von Investitionen in die Produktivität und Erneuerung der Plantagen ab. Die FMO-Fazilität beseitigt einen akuten Engpass, indem sie ICP Liquidität für den Kauf nachhaltig erzeugter Bohnen verschafft. Die breitere Verarbeitungsstrategie benötigt jedoch zugleich eine ausreichende Ernte, um die wachsenden Werke zu versorgen.