Falsche Butter offenbart Lücken in Bulgariens Lebensmittelkontrolle
In Bulgarien wurden mehr als sechs Tonnen gefälschte Butter zurückgerufen und vernichtet, doch die bereits verzehrte Menge ist unbekannt. Der Fall wirft Fragen zur Wirksamkeit der Kontrollen, zu Labortests und zur Rückverfolgbarkeit in langen Lieferketten auf.
Gefälschtes Produkt landesweit verkauft
Mehr als sechs Tonnen gefälschte Butter wurden aus bulgarischen Geschäften zurückgerufen und vernichtet, nachdem eine Laboranalyse ergeben hatte, dass ein als deutsche Kuhmilchbutter verkauftes Produkt keine Kuhmilch enthielt. Fakti.bg berichtet, dass die Ware landesweit und auch über einige Einzelhandelsketten vertrieben wurde. Wie viel davon bereits verzehrt wurde, ist nicht bekannt.
Die 250-Gramm-Packungen trugen die Bezeichnung Deutsche Markenbutter, die für deutsche Butter mit 82% Milchfett und ohne pflanzliche Fette steht. Tatsächlich enthielt das Produkt Palmöl, Kokos- und Palmkernfette, Sojaöl, Sonnenblumenöl und Schweineschmalz. Es könnte zudem als Zutat in verarbeiteten Lebensmitteln, darunter Backwaren, verwendet worden sein.
Entdeckt wurde der Fall nicht bei einer routinemäßigen staatlichen Kontrolle. Laut Fakti.bg beauftragte der Importeur der echten deutschen Butter eine Laboruntersuchung und informierte die Bulgarische Agentur für Lebensmittelsicherheit, BFSA, sowie die Kommission für Wettbewerbsschutz. Gegen zwei Unternehmen wurden anschließend Geldbußen von insgesamt knapp 310.000 Euro verhängt.
Kontrollzahlen zeigen keine Betrugsergebnisse
In Antworten an die Deutsche Welle meldete die BFSA für 2025 insgesamt 1.574 Audits von Produktionsbetrieben und Lagern sowie 122.268 Kontrollen, ohne die tägliche Überwachung in Schlachthöfen. Die Behörde erklärte jedoch, sie führe keine Statistik darüber, wie viele Hinweise auf Abweichungen zwischen Kennzeichnung und tatsächlicher Zusammensetzung in den vergangenen vier Jahren eingingen, wie oft daraufhin Laborproben genommen wurden und wie viele Fälle einen Betrug bestätigten.
Die Aufsicht kann damit Kontrollen, Proben und Beanstandungen ausweisen, nicht aber die Zahl einzelner Betrugssysteme, wiederholter Verstöße oder Sanktionen wegen irreführender Kennzeichnung. Hinter wenigen Laborproben können Zehntausende bereits ausgelieferte Packungen stehen. Für Hersteller, Händler und Einkäufer von Zutaten ist diese Unterscheidung daher wesentlich.
Risikobasierte Proben zeigen häufige Abweichungen
Im bulgarischen nationalen Programm zur Kontrolle von Qualitätsmerkmalen bei Lebensmitteln zeigten 153 von 1.155 Proben, rund 13%, Abweichungen. Den höchsten Anteil verzeichneten Lebensmittel mit geschützten Bezeichnungen: 25 von 93 Proben oder 27% bestanden die Prüfung nicht. In einer Gruppe von Milchprodukttests wurden bei 50 von 247 Proben oder 20% Abweichungen festgestellt. Bei Honig waren 16 von 143 Proben oder 11% betroffen.
Auch vier von lediglich fünf untersuchten Olivenölen erfüllten die Anforderungen nicht. Die Werte entsprechen nicht dem Anteil mangelhafter Waren am gesamten bulgarischen Markt, da die Proben nach einer Risikobewertung und nicht repräsentativ ausgewählt wurden. Dennoch markieren sie Bereiche mit erhöhten Risiken bei Echtheitsprüfung und Lieferantenkontrolle für Händler und Verarbeiter.
Landwirte wollen Lieferketten verkürzen
Simeon Karakolev, Vorsitzender des Nationalen Schaf- und Ziegenzüchterverbands, sagte der Deutschen Welle, in Bulgarien seien 30-mal weniger Landwirte in Vereinigungen organisiert als im EU-Durchschnitt. Genossenschaften könnten Mengen, Verarbeitung und Vertrieb bündeln, den Zugang der Erzeuger zu Verbrauchern verbessern und die Abhängigkeit von langen Ketten mit hohen Aufschlägen verringern.
Karakolev verwies auf eine vom Verband gegründete Genossenschaft mit mehr als 400 Landwirten. Sie kaufte Milch zu einem Preis von 20% über dem Marktpreis ein und ließ Schafskäse herstellen, der auf Auslandsmärkten für weniger als 6 Euro je Kilogramm verkauft wurde. Für den Ausbau kurzer Lieferketten sei staatliche Unterstützung nötig, auch über Instrumente der Bulgarischen Entwicklungsbank.
Der Kooperationsdruck steigt mit der Konzentration der Tierhaltung. Die Agrarstrukturerhebung 2020 zeigte, dass die Zahl der Betriebe mit Vieh und Geflügel gegenüber 2010 um 74% gesunken war; damals waren es fast 280.000. Heute werden Tiere in 71.693 Betrieben gehalten, während ein durchschnittlicher Viehbetrieb 3,5-mal größer geworden ist. Für Lebensmittelunternehmen und Verbraucher verbindet der Butterfall die Echtheitsprüfung mit einer umfassenderen Frage: Kann Bulgarien wirksame Kontrollen mit Lieferketten kombinieren, die Herkunft und Zusammensetzung klarer ausweisen?
Vollständige Marktanalyse