Europäische Milchpreise nähern sich dem Tief, doch Ungarns Erzeuger bleiben unter Druck
Nach dem starken, angebotsbedingten Preisrückgang zeigen Rohmilch und Butter in der EU erste Anzeichen einer Stabilisierung. In Ungarn bleiben die Erzeugerpreise deutlich schwächer, und nur die höchsten aktuellen Angebote decken die Produktionskosten.
Europäische Preise nähern sich einem möglichen Tief
Der europäische Milchmarkt hat noch keine Trendwende vollzogen. Neuere Daten deuten jedoch darauf hin, dass sich der Rückgang der Rohmilch- und Butterpreise verlangsamt. Nach den am 19. August aktualisierten Angaben der Europäischen Kommission lag der durchschnittliche EU-Rohmilchpreis im Juli bei 41,8 Euro je 100 Kilogramm. Im Jahresverlauf waren die Preise deutlich gefallen, doch die jüngsten Wochenwerte zeigten nicht mehr so eindeutig nach unten.
Auch der Butterpreis liefert einen Hinweis auf eine mögliche Bodenbildung. Die Kommission meldete einen EU-Durchschnitt von 398 Euro je 100 Kilogramm. Das waren 0,9% mehr als eine Woche zuvor, aber weiterhin 45% weniger als vor einem Jahr. Seit Anfang Juli stieg der Preis langsam von rund 383 Euro, nachdem der Rückgang ein Jahr zuvor bei mehr als 700 Euro begonnen hatte. Die leichte Erholung bestätigt noch keine dauerhafte Trendwende, ist für die Branche aber ein erstes Stabilisierungssignal nach dem starken Einbruch.
Ungarns Erzeugerpreise sinken weiter
Für ungarische Milcherzeuger ist die Lage schwieriger. Das ungarische Institut für Agrarökonomie bezifferte den landesweiten durchschnittlichen Erzeugerpreis für Rohmilch im Juli auf 126,45 Forint je Kilogramm. Die am 24. August veröffentlichten Daten entsprechen einem monatlichen Rückgang von 2,1% und einem Minus von rund 40% gegenüber dem Vorjahr. Während der breitere EU-Markt erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigt, ist bei den ungarischen Betrieben noch keine spürbare Entlastung angekommen.
Máté Koncz, Präsident des ungarischen Landesverbands der landwirtschaftlichen Genossenschaften und Produzenten, erklärte gegenüber Népszava, dass es für Milch keinen maßgeblichen Börsenpreis gebe und veröffentlichte Werte meist auf freiwilligen Meldungen beruhten. Die tatsächlichen Kaufangebote unterscheiden sich deshalb erheblich. Manchen Betrieben werden Preise angeboten, die 15-20% unter dem europäischen Niveau liegen. Andere Verträge werden 10-15% unter dem vom Institut ausgewiesenen ungarischen Durchschnitt geschlossen. Die derzeitigen Rohmilchpreise reichen von 70 bis 150 Forint je Kilogramm; nur das obere Ende liegt über den Produktionskosten.
Angebot und Wetter bestimmen die weitere Entwicklung
Die Produktionsausweitung war eine wesentliche Ursache des Preisverfalls. Nach Angaben der Europäischen Kommission stiegen die EU-Kuhmilchanlieferungen von Januar bis April gegenüber dem Vorjahr um 4%, allein im April um 2,3%. In ihrem kurzfristigen Ausblick vom Juli rechnete die Kommission außerdem mit einem weiteren Wachstum der EU-Milcherzeugung im Jahr 2026, trotz steigender Kosten, geopolitischer Unsicherheit und Wetterrisiken. Die Folgen der sommerlichen Hitzewellen in Europa waren in dieser Prognose noch nicht berücksichtigt.
Hitzestress und Dürre könnten die Milchleistung senken und damit den Angebotsdruck verringern. Die August-Daten bestätigen diese Entwicklung jedoch noch nicht. Koncz erwartet wegen der extremen sommerlichen Hitze und Trockenheit sinkende Erträge in Ungarn, wobei das Ausmaß unklar bleibt. Er warnte zudem, dass die Schlachtung von Kühen und ein rascher Rückgang der Milchproduktion bereits begonnen hätten, und forderte Unterstützung durch den Staat und die Verarbeiter. Kurzfristig profitieren Molkereien von billigem Rohstoff. Wenn jedoch dauerhaft Betriebe aufgeben, könnte ihnen in ein bis zwei Jahren ausreichend heimische Milch fehlen. Ein europäischer Preisboden würde Ungarn daher nur begrenzt helfen, solange die Erzeugerpreise nicht wieder die Kosten decken und die inländische Kapazität sichern.