Europas Lederindustrie konsolidiert sich unter schwacher Nachfrage und Konkurrenz aus Drittländern
Europas Lederbranche konzentriert sich: Gerbereien kämpfen mit schwacher Nachfrage, günstigerer Konkurrenz von außerhalb der Region und einer schrumpfenden heimischen Rohstoffbasis, berichtet FashionNetwork. Sanitäre Krise, Dürre und sinkender Fleischkonsum drücken das Hautaufkommen. In Frankreich liegt das Durchschnittsalter der Viehhalter bei 50 bis 60 Jahren.
Europas Lederindustrie konsolidiert sich: Gerbereien arbeiten unter schwacher Nachfrage, im Wettbewerb mit günstigeren Produzenten außerhalb der Region und mit einer schrumpfenden heimischen Rohstoffbasis, berichtet FashionNetwork. Das Fachmedium beschreibt eine Konzentrationswelle, die im Kontrast zur Lage in Europa selbst steht, wo eine sanitäre Krise, Dürre und ein preisbedingt sinkender Fleischkonsum das Aufkommen an Häuten verringert haben.
Konzentration auf schrumpfender Basis
Gerben ist kapitalintensiv. Chemikalien, Wasseraufbereitung, Energie und Umweltauflagen verursachen Fixkosten, die kleine Werke härter treffen als große. Sinkt das Volumen an Rohhäuten und laufen die Aufträge aus Schuh-, Lederwaren- und Automobilindustrie ungleichmäßig, verschwinden zuerst die kleinsten Betriebe oder werden übernommen. FashionNetwork stellt die aktuelle Konsolidierung ausdrücklich als Gegenbild zur europäischen Lage dar, nicht als Folge wachsender Nachfrage. Konzentration im Abschwung macht die Überlebenden größer, entfernt aber zugleich Kapazität, die sich nach dem Verlust von Standorten und Fachkräften nur schwer wieder aufbauen lässt.
Häute folgen dem Fleischmarkt
Häute sind ein Nebenprodukt der Fleischerzeugung. Menge und Qualität für europäische Gerbereien hängen an den Schlachtzahlen, nicht am Bedarf der Marken. Genau darin liegt das Kernproblem dieses Zyklus: FashionNetwork führt den geringeren Konsum auf höhere Fleischpreise zurück und nennt die sanitäre Krise sowie die Dürre als zusätzlichen Druck auf die Bestände. Weniger geschlachtete Tiere bedeuten weniger Häute, und die Gerbereien konkurrieren um einen schrumpfenden Pool heimischer Rohware.
Frankreich: das Nachfolgeproblem
Die konkreteste Zahl des Berichts betrifft die französische Tierhaltung. Das Durchschnittsalter der Landwirte liegt laut FashionNetwork bei 50 bis 60 Jahren, der Mangel an Nachfolgern gilt als anerkanntes Problem. Die sinkende Rentabilität dämpft die Bereitschaft zum Generationswechsel: Bei dünnen Margen haben junge Einsteiger wenig Grund, einen Bestand zu übernehmen, und Betriebsaufgaben beim Ruhestand werden nicht ersetzt. Anders als bei einem zyklischen Rückgang kehrt diese Kapazität auch bei steigenden Preisen nicht zurück.
- Sanitäre Krise in den Beständen
- Dürre
- Höhere Fleischpreise und sinkender Konsum
- Durchschnittsalter der französischen Viehhalter von 50 bis 60 Jahren bei fehlenden Nachfolgern
- Konkurrenz günstigerer Produzenten außerhalb Europas
Konkurrenz von außerhalb Europas
Europäische Gerbereien verlieren zudem Marktanteile an Lieferanten außerhalb der Region, die zu geringeren Kosten arbeiten, berichtet FashionNetwork. Der Abstand ist strukturell und nicht vorübergehend: Arbeit, Energie und Umweltauflagen sind in Europa teurer, und Länder mit großen Rinderbeständen liefern Häute und Fertigleder zu Preisen, die europäische Werke im Standardsegment nicht halten können. Das drängt die europäische Gerberei ins obere Marktsegment, wo Rückverfolgbarkeit, Umweltdokumentation und gleichbleibende Zurichtung weiterhin eine Prämie tragen und Luxuslederwaren, hochwertige Schuhe sowie Fahrzeuginterieurs die Kernkundschaft bilden.
Für Verarbeiter und Einkäufer heißt das: eine kürzere Liste größerer europäischer Lieferanten, gespeist aus einem Rohstoffstrom, der an eine aus branchenfremden Gründen schrumpfende Tierhaltung gebunden ist. Marken, die Leder europäischen Ursprungs beziehen, haben weniger Spielraum beim Preis und stärkere Konkurrenz um Häute konstanter Qualität. Für Investoren bleibt die Konsolidierung der wesentliche Weg zur Marge, denn weder das Hautaufkommen noch die Mengennachfrage dürften sich beim aktuellen Trend ausweiten.