EU-Quoten lassen ukrainische Milchexporte im Monatsvergleich um 23 % fallen
Die ukrainischen Ausfuhren von Milchprodukten sanken im Juni 2026 gegenüber Mai mengenmäßig um 23 %, die Erlöse um 31 %. EU-Zollkontingente, schwächere Weltmarktpreise und das aufwendige Lizenzverfahren begrenzten den Absatz, während die Einfuhren in die Ukraine stark zunahmen.
Exporterlöse sinken stärker als die Menge
Die Ukraine exportierte im Juni 2026 mengenmäßig 23 % weniger Milchprodukte als im Mai, während die Erlöse um 31 % fielen, berichtete Delo.ua unter Berufung auf den Verband der Milcherzeuger. Gegenüber Juni 2025 sank die Ausfuhrmenge um 7 %, die Einnahmen gingen um 23 % zurück. Der Verband führte den Rückgang auf die wieder eingeführten Zollkontingente der Europäischen Union, niedrigere Weltmarktpreise und ein kompliziertes Lizenzverfahren zurück.
Von Januar bis Juni 2026 exportierte die Ukraine 63.780 Tonnen Milchprodukte im Wert von 180,87 Millionen $. Die Menge lag 10 % unter dem entsprechenden Wert von 2025, der Erlös war 20 % niedriger. Der stärkere Rückgang beim Wert zeigt, dass schwache Preise die Folgen des eingeschränkten Marktzugangs zusätzlich verschärften.
Ausfuhren von Butter und Käse gehen zurück
Die Entwicklung unterschied sich im Juni deutlich nach Produktgruppe. Die Ausfuhr von nicht eingedickter Milch und Sahne stieg auf 1.260 Tonnen, Sauermilchprodukte erreichten 656 Tonnen und Speiseeis 2.700 Tonnen. Die Käseexporte sanken dagegen auf 1.080 Tonnen, die Butterausfuhren auf 649 Tonnen.
Am stärksten war Butter betroffen: Die Exporterlöse fielen gegenüber Mai um 83 %. Nach Angaben des Verbands bilden Butter und Milchpulver das Rückgrat der ukrainischen Milchexporte. Unverkaufte Ware sammelt sich jedoch in den Lagern, weil der Markt die verfügbaren Buttermengen nicht aufnehmen kann.
Die schwache Nachfrage in Asien und Afrika trägt zum Bestandsaufbau bei, da Milchfette dort mit pflanzlichen Alternativen konkurrieren. Der Zugang zur EU wird außerdem durch ein Lizenzsystem erschwert, das eine finanzielle Sicherheit verlangt. Für Verarbeiter wird es dadurch schwieriger, Überschüsse umzuleiten, wenn der Binnenmarkt und etablierte Auslandskanäle sie nicht aufnehmen.
Speiseeis zeigt langfristig ein anderes Bild. Seit Einführung der Freihandelszone sind die ukrainischen Speiseeisausfuhren in die EU gegenüber 2016 mengenmäßig fast auf das Hundertfache gestiegen. Das zeigt, dass einzelne Produkte mit höherer Wertschöpfung dauerhafte Positionen im europäischen Markt aufbauen können, obwohl Kontingente andere Milchprodukte begrenzen.
Europäischer Käse gewinnt in der Ukraine Marktanteile
Die Einfuhren entwickelten sich in die entgegengesetzte Richtung. Die Ukraine importierte im Juni 8.680 Tonnen Milchprodukte, 72 % mehr als im Mai 2026 und 95 % mehr als im Juni 2025. Im ersten Halbjahr beliefen sich die Importe auf 39.170 Tonnen im Wert von 182,78 Millionen $ und lagen damit wertmäßig knapp über den Milchexporten im selben Zeitraum.
Käse stellte 60 % der Importmenge, wobei Polen der wichtigste Lieferant war. Bedeutende Mengen kamen auch aus Deutschland, den Niederlanden, Lettland und Tschechien. Sinkende Rohstoffkosten in der EU zu Sommerbeginn verschafften europäischen Herstellern einen Preisvorteil, sodass ukrainischer Schnittkäse im eigenen Markt an Wettbewerbsfähigkeit verlor.
Der Druck im Buttersegment hielt im Juli an: Das Angebot überstieg weiterhin die Nachfrage, die Absatzmöglichkeiten für Überschüsse blieben begrenzt und die Preise niedrig. Beschränkter EU-Zugang, schwache Nachfrage in Asien und Afrika sowie stärkere Konkurrenz durch Importkäse belasten Lagerbestände und Liquidität der ukrainischen Verarbeiter, auch wenn Produktionsmengen verfügbar bleiben.