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EU-Proteinplan rückt Österreichs klimaresiliente Hülsenfrüchte in den Fokus

Der EU-Aktionsplan vom Juli 2026 soll die europäische Produktion von Proteinpflanzen und die zugehörige Infrastruktur ausbauen. Kichererbse, Linse, Ackerbohne und Sorghum könnten Österreichs Angebot diversifizieren, doch Verarbeitung, geeignete Sorten und wettbewerbsfähige Preise bleiben entscheidend.

EU-Proteinplan rückt Österreichs klimaresiliente Hülsenfrüchte in den Fokus

EU strebt ein eigenständigeres Proteinsystem an

Die Europäische Kommission legte im Juli 2026 einen Aktionsplan für ein resilienteres, strategisch autonomeres und nachhaltigeres EU-Proteinsystem vor. Nach Angaben von Fruchtportal sieht er vor, die europäische Produktion von Proteinpflanzen auszubauen und die für Verarbeitung und Vermarktung erforderliche Infrastruktur zu stärken. Hintergrund ist die weiterhin erhebliche Abhängigkeit der EU von importierten pflanzlichen Proteinquellen.

Österreich verdeutlicht sowohl die Chancen als auch die praktischen Grenzen dieser Strategie. Hitzeperioden, unregelmäßige Niederschläge und längere Trockenphasen verändern die Anbaubedingungen und erhöhen den Wert von Kulturen, die Wassermangel vertragen. Eine stärkere heimische Produktion könnte zudem die Anfälligkeit für Lieferkettenstörungen, Preisschwankungen und geopolitische Risiken verringern. Eine einzelne Kultur kann jedoch nicht alle Anforderungen erfüllen. Das größte Potenzial liegt in einem vielfältigen Portfolio aus Hülsenfrüchten, klimaangepasstem Getreide und etablierten Kulturen wie Winterweizen.

Kichererbse, Linse und Ackerbohne bieten unterschiedliche Vorteile

Marlies Gruber, Geschäftsführerin des forum. ernährung heute, nennt Sorghum, Kichererbse und Linse als trockenheitstolerante Kulturen, die zugleich ernährungsphysiologisch wertvolle Proteinquellen sind. Trotz steigender Nachfrage ist Österreich bei Kichererbsen weiterhin auf Importe angewiesen. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES bezeichnet die Kichererbse wegen ihrer hohen Trockenheitstoleranz als mögliche Gewinnerin veränderter klimatischer Bedingungen. Sie eignet sich für Hummus, Falafel, Currys und Salate sowie für Mehl, Pasta und Snacks.

Auch Linsen vertragen Trockenheit gut und sind seit Langem in zahlreichen Esskulturen verankert. Die Ackerbohne kann sowohl den Futtermittelmarkt als auch den wachsenden Lebensmittelbereich bedienen. Ihr Mehl lässt sich in Brot, Backwaren, Pasta, Aufstrichen und pflanzenbasierten Produkten einsetzen. Die kommerzielle Entwicklung erfordert jedoch geeignete Sorten sowie Verarbeitungsschritte wie Entbitterung, Schälen, Kochen und die Reduktion antinutritiver Inhaltsstoffe. Erfolgreich gezüchtete Wintersorten könnten die Bedeutung der Kultur für die Klimaanpassung erhöhen.

Der agronomische Nutzen von Hülsenfrüchten reicht über das geerntete Protein hinaus. Sie können Stickstoff aus der Atmosphäre binden und einen Teil ihres eigenen Bedarfs decken; auch Folgekulturen können davon profitieren. Dadurch lässt sich die Abhängigkeit von synthetischem Stickstoffdünger verringern. Ernährungsphysiologisch liefern Hülsenfrüchte Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate; Linsen gelten als Eisenquelle, Kichererbsen als Folatquelle.

Sorghum erhöht die Resilienz, verlangt aber Investitionen

Sorghum stammt aus warmen Klimazonen, ist an Hitze angepasst und könnte in österreichischen Regionen mit zunehmendem Wassermangel an Bedeutung gewinnen. Fruchtportal zufolge ist sein Proteingehalt mit dem von Weizen vergleichbar. Das Getreide ist von Natur aus glutenfrei und eignet sich für Menschen mit Zöliakie oder Glutensensitivität. Für Brot und Backwaren sind jedoch spezielle Rezepturen, Mischungen, Fermentation oder andere technische Verfahren erforderlich. Bei bestimmten Sorten müssen außerdem Gerbstoffe und weitere antinutritive Inhaltsstoffe berücksichtigt werden.

Winterweizen dürfte seine zentrale Rolle behalten, weil Österreich und der europäische Markt über eine über Jahrzehnte aufgebaute Infrastruktur verfügen. Wintersorten beginnen nach dem Winter früher zu wachsen, können sommerlichen Hitzephasen entgehen und Böden mit höheren Wasservorräten nach der Schneeschmelze nutzen. Die Proteinprofile von Getreide und Hülsenfrüchten ergänzen sich zudem und sprechen für ihre gemeinsame Verwendung in Lebensmitteln.

Gruber sieht besonderes Potenzial in Brot mit Ackerbohnenanteil und glutenfreien Produkten aus Sorghum und Kichererbse. Für eine Skalierung braucht es Sorten mit geeigneten Verarbeitungseigenschaften, Investitionen in Infrastruktur, einen akzeptierten Geschmack und wettbewerbsfähige Preise. Der EU-Plan schafft damit eine politische Chance für österreichische Landwirte, Verarbeiter und Lebensmittelhersteller. Marktwachstum setzt jedoch eine abgestimmte Entwicklung von Züchtung und Anbau bis zur Verarbeitung und zum Endprodukt voraus.

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