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EU-Mexiko-Abkommen senkt Zölle auf Geflügel, Schweinefleisch und Milchprodukte

Die EU und Mexiko haben am 22. Mai ein modernisiertes Abkommen unterzeichnet, das europäischen Agrar- und Lebensmittelexporteuren besseren Marktzugang verschafft. Geflügelzölle von bis zu 100 % sollen entfallen; für Teile des Schweinefleisch- und Milchwarengeschäfts entstehen zollfreie Kontingente.

EU-Mexiko-Abkommen senkt Zölle auf Geflügel, Schweinefleisch und Milchprodukte

Abkommen ersetzt den Handelsrahmen von 2000

Die Europäische Union und Mexiko haben am 22. Mai ein modernisiertes Globalabkommen und ein Interims-Handelsabkommen unterzeichnet. Sie ersetzen die seit 2000 geltenden Vereinbarungen. Der bisherige Rahmen ließ den bilateralen Handel über mehr als 25 Jahre wachsen, behielt jedoch hohe Zölle auf zahlreiche Agrarprodukte bei. Lebensmittel gehören deshalb zu den Bereichen mit den stärksten Liberalisierungen.

Nach Angaben von Top Agrar ist das Abkommen besonders für Polen relevant, dessen Agrar- und Ernährungswirtschaft über erhebliche Produktions- und Exportkapazitäten bei Geflügel, Schweinefleisch und Milchprodukten verfügt. Von Newseria zitierte Fachleute des staatlichen Portals Trade.gov.pl sehen zudem Chancen für verarbeitete Erzeugnisse und ausgewählte hochwertige Lebensmittel aus Polen.

Für europäische Anbieter ist Mexiko bereits ein wichtiger Absatzmarkt. Laut den von Top Agrar wiedergegebenen Daten der Europäischen Kommission ist das Land der zweitgrößte Abnehmer von EU-Lebensmitteln in Lateinamerika. Die EU exportierte 2025 Lebensmittel und Getränke im Wert von 2,5 Milliarden € nach Mexiko, darunter Milchprodukte im Wert von 175 Millionen €.

Geflügelzölle von bis zu 100 % sollen entfallen

Die größte Zolländerung betrifft Geflügel. Mexiko erhebt derzeit Zölle von bis zu 100 % auf europäisches Geflügelfleisch. Das neue Abkommen sieht ihre Abschaffung vor; einige Waren erhalten im Rahmen vereinbarter Kontingente zollfreien Zugang. Damit verbessert sich die Wettbewerbsposition europäischer Lieferanten gegenüber bereits im mexikanischen Markt etablierten Anbietern erheblich.

Polen könnte als größter Geflügelproduzent der EU und einer ihrer führenden Exporteure zu den Hauptprofiteuren zählen. Rund 60 % der polnischen Produktion gehen ins Ausland, da das Angebot den Inlandsverbrauch deutlich übersteigt. Ein weiterer großer Verbrauchermarkt schafft zusätzliche Absatzmöglichkeiten für Betriebe und Verarbeiter. Exporteure müssen jedoch weiterhin Veterinärvorgaben erfüllen und Zulassungen für einzelne Werke erhalten.

Bei Schweinefleisch erhebt Mexiko derzeit Zölle von bis zu 45 %. Nach den neuen Regeln kann ein Teil der europäischen Ware zollfrei eingeführt werden. Dazu gehört ein zollfreies Kontingent von 10.000 Tonnen für Schweinelende. Märkte außerhalb der EU helfen Verarbeitern außerdem, Schlachtkörper besser zu verwerten, weil Nachfrage und Preise für einzelne Teilstücke von Land zu Land variieren.

Neue Käsekontingente und Nullzoll für Joghurt

Einige europäische Käsesorten unterliegen derzeit mexikanischen Zöllen von bis zu 45 %. Innerhalb neuer Kontingente sollen diese auf null sinken: vorgesehen sind 20.000 Tonnen sonstiger Käse sowie 5.000 Tonnen Frischkäse und verarbeiteter Käse. Der Joghurtzoll soll von 20 % auf null fallen. Für ein Land mit Milchüberschuss wie Polen ist dies bedeutsam, weil Ausfuhren von Käse, Milchpulver, Butter und weiteren Milchprodukten einen wichtigen Teil der Rohmilch aufnehmen.

Das Abkommen gilt in beide Richtungen. Auch die EU wird Teile ihres Marktes für mexikanische Waren öffnen und für sensible Agrarprodukte Zollkontingente anwenden. Der polnische Europaabgeordnete Waldemar Buda sagte Newseria, Polen habe nur wenige exportfähige Produkte und könne in der Landwirtschaft verlieren oder allenfalls ein neutrales Ergebnis erzielen. Top Agrar verweist dagegen auf Chancen bei Geflügel, Schweinefleisch und Milchprodukten, betont aber, dass Unternehmen den formalen Zugang erst in konkrete Verkäufe umsetzen müssen.

Polnische Institutionen unterstützen diesen Markteintritt bereits. Die Polnische Agentur für Investitionen und Handel organisierte im Oktober 2025 eine auf Lebensmittel ausgerichtete Wirtschaftsmission nach Mexiko. Das Landwirtschaftsministerium und das Nationale Zentrum zur Unterstützung der Landwirtschaft warben außerdem Unternehmen und Erzeugerorganisationen für eine EU-Mission unter Leitung von Agrarkommissar Christophe Hansen vom 16. bis 19. November an. Neben Zöllen stehen Käuferkontakte, Veterinärvereinbarungen und Werkszulassungen auf der Agenda – Faktoren, die über die Geschwindigkeit der Markterschließung entscheiden.

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