EU-Kaffeeimporte kosten 18,7 Milliarden Euro bei kaum veränderter Menge
Der Wert der EU-Kaffeeimporte hat sich binnen eines Jahrzehnts auf 18,7 Milliarden Euro verdoppelt, während sich die Einfuhrmenge nur geringfügig veränderte. Die Entwicklung erhöht den Beschaffungsdruck auf Röster, Händler und Einzelhändler.
Importausgaben verdoppeln sich bei stabiler Menge
Der Wert der Kaffeeimporte in die Europäische Union ist auf 18,7 Milliarden Euro gestiegen und liegt damit doppelt so hoch wie vor einem Jahrzehnt. Die physische Einfuhrmenge veränderte sich im selben Zeitraum dagegen nur geringfügig. Die deutliche Abweichung zwischen Wert und Menge zeigt, dass vor allem die Kosten des Kaffees die Importrechnung erhöhten und nicht eine vergleichbare Ausweitung der gekauften Mengen.
Europäische Käufer geben somit wesentlich mehr Geld aus, um eine weitgehend ähnliche Menge zu beschaffen. Die vorliegenden Angaben nennen weder eine einzelne Ursache noch eine Aufschlüsselung nach Kaffeeart, Herkunftsland oder Verarbeitungsstufe. Die Verdoppelung der Rechnung bei begrenztem Mengenwachstum weist jedoch klar darauf hin, dass der durchschnittliche Wert des importierten Kaffees im Laufe des Jahrzehnts erheblich gestiegen ist.
Höhere Kosten erfassen die gesamte Kaffeekette
Für Röster und Verarbeiter in der EU erhöht eine Importrechnung von 18,7 Milliarden Euro den Wert der Rohstoffe in Einkaufsverträgen und Lagerbeständen. Unternehmen müssen mehr Kapital einsetzen, obwohl die beschafften Kaffeemengen nicht im gleichen Verhältnis gewachsen sind. Einkaufsbudgets, Bestandsführung und der Zeitpunkt von Vertragsabschlüssen gewinnen damit an Bedeutung, vor allem für Betriebe, die steigende Einsatzkosten nur begrenzt auffangen können.
Einzelhandel und Gastronomie stehen auf den nachgelagerten Stufen unter demselben Druck. Röster können versuchen, Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, Sortimente anzupassen oder geringere Margen hinzunehmen. Die Daten zeigen jedoch nicht, welche Reaktion überwog. Die geringe Veränderung der physischen Einfuhren bedeutet zudem, dass das externe Kaffeeangebot für den EU-Markt nicht im Verhältnis zu den Ausgaben gewachsen ist.
Die Folgen können innerhalb der Branche unterschiedlich ausfallen. Große Käufer können ihren Beschaffungsbedarf in der Regel auf mehr Verträge verteilen, während kleinere Röster weniger Spielraum haben, den höheren Kapitaleinsatz je Einheit Kaffee zu steuern. Wie sich die Kosten auf Unternehmen, Verbraucher und Lieferanten verteilen, geht aus den Angaben nicht hervor. Sie belegen aber, dass die gesamte finanzielle Belastung der EU-Käufer deutlich gestiegen ist.
Beschaffungsentscheidungen gewinnen an Gewicht
Da die Lieferländer nicht ausgewiesen sind, lässt sich nicht feststellen, ob die höhere Rechnung aus einer veränderten Herkunftsmischung, Produktqualität, Verarbeitungsstufe oder aus höheren Preisen in bestehenden Lieferbeziehungen resultiert. Jeder dieser Faktoren kann den Importwert erhöhen, ohne die physische Menge entsprechend zu verändern. Der Wechsel zu teurerem Kaffee würde die Rechnung auch bei stabilem Gewicht vergrößern; höhere Preise für einen unveränderten Warenkorb hätten denselben Effekt.
Für Händler und Importeure steht deshalb die wachsende Lücke zwischen gezahltem Betrag und erhaltener Menge im Mittelpunkt. Herkunftswahl, Vertragsbedingungen, Produktspezifikationen und Einkaufszeitpunkte haben größere finanzielle Folgen, wenn eine vergleichbare Menge wesentlich mehr Kapital erfordert. Der Gesamtwert von 18,7 Milliarden Euro macht die Kaffeebeschaffung zudem zu einem größeren Faktor beim Betriebskapital entlang der EU-Lieferkette.
Stabile Mengen bedeuten keinen stabilen Markt
Die nur geringfügige Veränderung der Einfuhrmenge könnte zunächst auf eine stabile Nachfrage hindeuten, doch die Wertentwicklung vermittelt ein anderes Bild. Ein Markt kann physisch relativ konstant bleiben und gleichzeitig einen erheblichen Wandel seiner wirtschaftlichen Bedingungen erleben. In diesem Fall zeigt die Verdoppelung des Importwerts, dass der Kostendruck zur prägenden Entwicklung geworden ist.
Für Produzenten, die die EU beliefern, kann der höhere Importwert mehr Erlös im gesamten eingeführten Kaffeesortiment bedeuten. Die Zahlen zeigen jedoch nicht, wie sich dieser Wert auf Erzeuger, Exporteure, Händler, Verarbeiter und Logistikanbieter verteilt. Für europäische Käufer ist die Aussage eindeutiger: Die Sicherung der Kaffeeversorgung erfordert heute wesentlich mehr Geld als vor einem Jahrzehnt, ohne dass die Importmenge entsprechend gestiegen ist.