EU-Australien-Abkommen erleichtert Milchzugang, während Rindfleisch umstritten bleibt
Das Freihandelsabkommen erweitert vor allem für europäischen Käse den Zugang zum australischen Markt und öffnet begrenzte EU-Kontingente für australische Ware. Branchenanalysen erwarten auf beiden Seiten nur moderate Effekte, während Rindfleisch deutlich umstrittener bleibt.
Milchbestimmungen stoßen auf weniger Widerstand als Rindfleisch
Das Ende März von der Europäischen Union und Australien unterzeichnete Freihandelsabkommen wird von den Agrarbranchen unterschiedlich bewertet. Europäische Rindfleischerzeuger fürchten stärkeren Wettbewerb aus Australien, während die Milchwirtschaft der EU die Vereinbarungen positiver aufnimmt. Ein im Juni veröffentlichter Marktbericht der französischen Landwirtschaftskammern sieht zusätzliche Exportchancen, insbesondere für europäischen Käse.
Australische Milchverbände beurteilen das Abkommen gegenteilig. Sie halten es für unfair gegenüber einer Branche, die bereits durch den langfristigen Rückgang der Zahl der Betriebe und des Milchviehbestands geschwächt ist. Trotz Produktivitätszuwächsen sinkt die australische Milcherzeugung weiter. Gründe sind niedrige Preise in der nachgelagerten Wertschöpfung, dürrebedingt höhere Kosten, Arbeitskräftemangel und Probleme beim Generationswechsel.
Das knappere Angebot ließ die Erzeugerpreise steigen. 2024 lagen sie bei rund 47 US-$ je 100 kg und damit leicht unter dem EU-Niveau. Die Preisbildung ist nicht reguliert und richtet sich nach der Verwendung: Industriemilch wird nach Fett- und Proteingehalt, Konsummilch nach Litern bezahlt.
Europäischer Käse erhält breiteren Zugang
Die EU verkauft bereits wesentlich mehr Milchprodukte nach Australien, als sie von dort bezieht. 2025 erreichten die EU-Lieferungen einen Wert von 350 bis 400 Millionen € und ein Volumen von etwa 60.000 Tonnen, davon die Hälfte Käse. Dies entsprach nur 1,7 % der gesamten EU-Milchproduktexporte und bestätigt Australien als Nebenmarkt.
Australiens Milchproduktverkäufe in die EU belaufen sich jährlich lediglich auf 25 bis 30 Millionen A$, entsprechend 15 bis 18 Millionen €. Der europäische Markt ist weit entfernt, weist einen strukturellen Überschuss auf und war vor dem Abkommen relativ stark geschützt. Gleichzeitig hängen rund 70 % der australischen Milcherfassung vom Weltmarkt ab; 36 % werden vor allem nach Asien exportiert.
Die meisten australischen Milchproduktkategorien waren schon zuvor für europäische Anbieter offen, doch Käse blieb nennenswert geschützt. Das Abkommen schafft ein Zollkontingent von 11.500 Tonnen. Innerhalb des Kontingents fallen 0,055 € je kg an, darüber 0,75 € je kg. Sämtliche verbleibenden Zölle sollen binnen drei Jahren entfallen. Australien erkennt und schützt zudem rund 400 europäische geografische Angaben, darunter 24 französische Käsesorten.
Brüssel hält einen Anstieg der EU-Käseexporte um bis zu 48 % und jährliche Zolleinsparungen von 28 Millionen € für möglich. Die französischen Landwirtschaftskammern weisen jedoch darauf hin, dass diese Schätzung auf einer Studie von 2017 beruht, die vor dem aktuellen Rückgang des australischen Käsekonsums entstand. Rohmilchkäse trifft außerdem auf Vorbehalte der Verbraucher und Biosicherheitsauflagen, die niedrigere Zölle allein nicht beseitigen.
Kontingente begrenzen Australiens Chancen in Europa
Die EU öffnet ihren Markt für australische Milchprodukte über zollfreie Kontingente und einen schrittweisen Zollabbau. Zollfrei werden 5.000 Tonnen Butter, 8.000 Tonnen Magermilchpulver und 2.000 Tonnen Molke. Auch zwei Vorzugskontingente für Käse werden auf 0 % gesetzt; andere Zölle entfallen innerhalb von drei Jahren.
Gemessen am EU-Markt sind diese Mengen klein. Das Magermilchpulverkontingent entspricht 1,1 % des europäischen Verbrauchs, das Butterkontingent lediglich 0,25 %. Der französische Bericht erwartet deshalb keinen bedeutenden neuen Absatzkanal für australische Anbieter.
Wettbewerb konzentriert sich weiter auf Asien und Australien
Rund 40 % der australischen Milcherfassung fließen in Käse, der übrige Teil überwiegend in Standardprodukte wie Cheddar, Butter und Pulver. Verarbeiter beziffern den Abstand zwischen dem Erzeugerpreis und internationalen Referenzpreisen auf 30 %, was die Exportfähigkeit belastet. Neuseeland bleibt Australiens wichtigster Konkurrent in Asien und ist zugleich der größte ausländische Milchproduktlieferant Australiens, noch vor Europa.
Italien, bereits führender Käseexporteur nach Australien, könnte stärker profitieren als Frankreich. Joghurt und Speiseeis bieten Alternativen, allerdings produzieren Lactalis und Danone diese Waren bereits vor Ort. Die französischen Landwirtschaftskammern rechnen daher mit etwas höheren europäischen Verkäufen, aber nicht mit einer größeren Bedeutung Australiens. Die australische Branche schätzt die möglichen jährlichen Kosten der Zugeständnisse bei geografischen Angaben auf bis zu 95 Millionen A$ beziehungsweise 58 Millionen €. Auch Neuseeland könnte bessere Bedingungen verlangen, weil die EU Australien zollfreie Butter- und Pulverkontingente gewährt, während vergleichbare Kontingente im neuseeländischen Abkommen weiter verzollt werden.