Elektroautos stellen nur 1,3 % des spanischen Pkw-Bestands
In Spanien wurden erstmals mehr als 100.000 batterieelektrische Pkw innerhalb eines Jahres zugelassen, doch im Bestand befinden sich erst rund 354.000 Fahrzeuge. Das entspricht 1,3 % von mehr als 26,7 Millionen Pkw; das Durchschnittsalter von 14,6 Jahren bremst die Erneuerung.
Rekordverkäufe verändern den Bestand noch kaum
Die jährlichen Neuzulassungen batterieelektrischer Pkw in Spanien haben erstmals 100.000 Einheiten überschritten, wie aus dem Jahresbericht des spanischen Verbands der Automobil- und Lkw-Hersteller (ANFAC) hervorgeht. Reine Elektroautos erreichten knapp 8,4 % des Neuwagenmarktes. Einschließlich Plug-in-Hybriden entfiel bereits etwa ein Fünftel der Neuwagenkäufe auf elektrifizierte Fahrzeuge.
Der Fahrzeugbestand auf Spaniens Straßen zeigt ein anderes Bild. El Motor beziffert die Zahl der im Verkehr befindlichen batterieelektrischen Pkw anhand kumulierter An- und Abmeldungen der spanischen Verkehrsbehörde DGT auf rund 354.000. Bei insgesamt mehr als 26,7 Millionen Pkw entspricht dies lediglich 1,3 % oder etwa einem reinen Elektroauto je 76 Fahrzeuge.
Langsamer Austausch stützt den Verbrennerbestand
Die Differenz ist eine Folge des geringen Flottenumschlags. Bei jährlich knapp 1 Million Pkw-Neuzulassungen erneuert Spanien pro Jahr nur etwa 4 % seines Bestands. Das Durchschnittsalter der Pkw liegt inzwischen bei fast 14,6 Jahren, während mehr als 9 Millionen Fahrzeuge seit über zwei Jahrzehnten unterwegs sind. Auch heute gekaufte Autos dürften fast 20 Jahre genutzt werden.
Selbst wenn ab sofort jeder verkaufte Pkw rein elektrisch wäre, würde der vollständige Austausch des Bestands im hypothetischen Szenario von El Motor mindestens ein Vierteljahrhundert dauern. Steigende Elektroanteile im Autohaus verändern die Verhältnisse auf der Straße daher nur schrittweise. Die Kaufkraft der Haushalte und das Tempo der Verschrottung alter Fahrzeuge sind ebenso entscheidend wie neue emissionsfreie Modelle der Hersteller.
Das Ziel für 2030 bleibt außer Reichweite
Spaniens integrierter nationaler Energie- und Klimaplan sieht bis 2030 insgesamt 5,45 Millionen Elektrofahrzeuge im Verkehr vor. Selbst bei einem konstanten jährlichen Wachstum der emissionsfreien Neuzulassungen um 25 % wären es laut Berechnung von El Motor am Ende des Jahrzehnts nur etwas mehr als 1,5 Millionen reine Batterie-Pkw. Dies entspräche etwa 5 % des Gesamtbestands und läge deutlich unter dem offiziellen Ziel.
Die Diskrepanz beeinflusst die Planung von Herstellern, Händlern und Investoren in Ladeinfrastruktur. Nach von El Motor angeführten Branchendaten sind in Spanien bereits mehr als 53.000 öffentliche Ladepunkte installiert. Kurzfristig bedienen sie einen vergleichsweise kleinen Elektrobestand, in der folgenden Dekade könnte die Nachfrage jedoch kräftig steigen. Eine schnellere Elektrifizierung erfordert neben höheren Neuwagenverkäufen auch eine raschere Stilllegung alter Fahrzeuge. Ohne stärkere Verschrottungsanreize bleibt die Erneuerung stark von der finanziellen Lage der Haushalte abhängig.