Dürre senkt EU-Ertragsprognose für Zuckerrüben auf 76 Tonnen je Hektar
Die Prognose für den durchschnittlichen Zuckerrübenertrag in der EU sinkt wegen Dürre und Hitze auf 76 Tonnen je Hektar, 7% weniger als 2025. Für Polen werden 66 Tonnen je Hektar erwartet, während die Rückgänge in der Slowakei, Tschechien, Frankreich und Belgien stärker ausfallen.
Hitze und Dürre belasten die Ertragserwartungen
Der durchschnittliche Zuckerrübenertrag in der Europäischen Union wird auf 76 Tonnen je Hektar geschätzt und liegt damit 7% unter dem Niveau von 2025. Wiederholte Hitzewellen und unzureichende Niederschläge belasten die Bestände in West- und Mitteleuropa. Farmer.pl berichtete unter Berufung auf das Juli-Bulletin des EU-Pflanzenbeobachtungsdienstes JRC MARS, dass ausgetrocknete Böden und Hitzestress das Biomassewachstum begrenzt und das Ertragspotenzial verringert haben.
Die Rückgänge konzentrieren sich auf mehrere wichtige Rübenanbauländer. In Frankreich und Belgien liegen die Ertragsprognosen jeweils 9% unter 2025, in Deutschland und den Niederlanden 4%. Den stärksten gemeldeten Rückgang verzeichnet die Slowakei mit 17%, gefolgt von Tschechien mit 11%.
JRC MARS führt den schwächeren Ausblick auf wiederkehrende Phasen extremer Hitze und fehlende Niederschläge zurück. In Nordfrankreich beeinträchtigten diese Bedingungen unmittelbar das Ertragspotenzial der Zuckerrüben. Die große geografische Ausdehnung der Schäden zeigt, dass der Druck nicht auf ein einzelnes Anbaugebiet beschränkt ist. Damit gewinnt die Wetterentwicklung im weiteren Vegetationsverlauf an Bedeutung.
Polnischer Ertrag bleibt nahe am jüngsten Durchschnitt
Für Polen wird ein Ertrag von 66 Tonnen je Hektar prognostiziert. Das liegt nahe am Durchschnitt der vergangenen Jahre, aber 8% unter 2025, als die Betriebe durchschnittlich 71,9 Tonnen je Hektar ernteten. JRC stellte Bodenfeuchtigkeitsdefizite in zentralen, nordwestlichen und südöstlichen Regionen fest. Zugleich traten hohe Temperaturen zu Beginn der entscheidenden Phase der Wurzelertragsbildung auf.
Michał Gawryszczak, Bürodirektor des polnischen Zuckerproduzentenverbands, erklärte, die aktuelle Prognose liege weiterhin nahe am Fünfjahresdurchschnitt, doch die Saison sei noch nicht abgeschlossen. Feuchtigkeitsmangel in den Anbauregionen und die Aussicht auf einen warmen, trockenen Herbst erhöhten das Risiko für die letzte Phase des Wurzelwachstums. Deshalb sei eine vorsichtige Bewertung der Ernte erforderlich.
Polen steht für rund 16% der EU-Zuckerproduktion, weshalb die dortige Ernte für die regionale Versorgungsbilanz wichtig ist. Mehr als 25.000 polnische Betriebe bauen Zuckerrüben auf rund 258.000 Hektar an. In der Kampagne 2025/2026 produzierte das Land 2,57 Millionen Tonnen Zucker.
Das Herbstwetter entscheidet über die endgültigen Folgen
Die Zahlen sind Prognosen von Mitte Juli und keine endgültigen Ernteergebnisse. Die Rübenernte dauert bis in den Spätherbst, sodass sich Bestandsentwicklung und Wurzelwachstum noch verändern können. Der längerfristige JRC-Ausblick für August bis Oktober deutet jedoch in weiten Teilen Europas auf überdurchschnittliche Temperaturen und in Mitteleuropa auf unterdurchschnittliche Niederschläge hin.
Gawryszczak zufolge würden anhaltend warme und trockene Bedingungen in Mitteleuropa die Wahrscheinlichkeit weiterer Ertragseinbußen erhöhen und damit die Zuckerproduktion in Polen und der EU verringern. Der polnische Zuckerproduzentenverband will die nächsten JRC-Aktualisierungen und den Verlauf der heimischen Kampagne beobachten. Für Anbauer und Verarbeiter ist nun entscheidend, ob die Bedingungen zum Saisonende noch zusätzliches Wurzelgewicht ermöglichen oder die bereits prognostizierten Verluste vertiefen.