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Dürre, Hitze und Schädlinge drücken Piemonts IGP-Haselnussernte

Die Erzeugung von Nocciola Piemonte IGP sank wegen Dürre, Hitze und biologischer Risiken von 3,834 Millionen Kilogramm im Jahr 2020 auf 1,543 Millionen Kilogramm 2024. Das knappere heimische Angebot treibt die Preise und Italiens Bedarf an importierten Nüssen.

Dürre, Hitze und Schädlinge drücken Piemonts IGP-Haselnussernte

Geschützte Herkunft verliert Menge und Umsatz

Dürre, hohe Temperaturen und neue Schädlinge verringern die Haselnusserzeugung im Piemont und gefährden damit einen eng mit Italiens Süßwarenindustrie verbundenen Agrarsektor. Laut Fortune Italia erzielt der piemontesische Haselnussmarkt einen Jahresumsatz von fast 80 Millionen Euro und umfasst 8.000 landwirtschaftliche Betriebe. Das geschützte Erzeugnis stammt von der Sorte Tonda Gentile Tribolata, die überwiegend in den Hügeln der Langhe, des Roero und des Monferrato angebaut wird. Seit dem 2. Dezember 1993 besitzt es den Status einer geschützten geografischen Angabe.

Die Produktionsdaten zeigen eine deutliche Verschlechterung. Nach von Fortune Italia zitierten Ismea-Zahlen sank die Erzeugung von Nocciola Piemonte IGP von 3,834 Millionen Kilogramm im Jahr 2020 auf 1,543 Millionen Kilogramm 2024. Der Umsatz fiel im gleichen Zeitraum von 13,418 Millionen Euro auf 6,387 Millionen Euro. Besonders schwer war der Rückgang zwischen 2023 und 2024: Die Produktion brach um 70% und der Umsatz um 63% ein.

Das vorzeitige Herabfallen der Nüsse, das unter normalen Bedingungen kaum ins Gewicht fiel, tritt vor der Ernte im September und Oktober immer häufiger auf. Die damit verbundenen durchschnittlichen Produktionsverluste liegen inzwischen bei 40% bis 50%. Milde Winter, heiße und trockene Sommer, Bodendegradation, Insekten, Krankheitserreger und Parasiten belasten die Anlagen zusätzlich. Im Piemont stehen Haselnussbäume auf 28.000 Hektar, doch viele Bestände sind alt und können neuen klimatischen und biologischen Gefahren weniger entgegensetzen.

Verarbeiter erhalten weniger regionale Rohware

Der Einbruch betrifft nicht nur die Landwirtschaft, denn 90% der Nocciola Piemonte IGP gehen in die Verarbeitung. Sie werden für Gianduiotti, Aufstriche, Kuchen und Speiseeis verwendet. Eine kontinuierliche Versorgung ist deshalb besonders wichtig für Hersteller, die Herkunft und Qualität der Sorte vermarkten. Laut Fortune Italia hat das geringere Angebot bereits zu steigenden Preisen und einer wachsenden Importnachfrage geführt.

Die Entwicklung ist Teil eines breiteren Ungleichgewichts am italienischen Nussmarkt. Daten von Ismea und Istat zeigen, dass der Verbrauch in den vergangenen fünf Jahren um 7,5% gestiegen ist, während die nationale Produktion um 2% sank. 2025 kauften Verbraucher 89.000 Tonnen verpackte Nüsse im Wert von mehr als 1,1 Milliarden Euro. Die Ausgaben lagen damit 13% über dem Niveau von 2024. Nüsse machen 6% der italienischen Ausgaben für Obst und Gemüse aus, ohne verarbeitete Produkte mit piemontesischen Haselnüssen.

Italien zählt weiterhin zu den zehn größten Nusserzeugern weltweit. Die Jahresproduktion übersteigt 280.000 Tonnen, während die Anbaufläche innerhalb von fünf Jahren um 6% auf mehr als 200.000 Hektar im Jahr 2024 wuchs. Dennoch hält das heimische Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt. Nach Angaben von Ismea importierte Italien 2024 insgesamt 130 Millionen Kilogramm, ergänzend zu 121 Millionen Kilogramm inländischer Produktion und bei einem sichtbaren Verbrauch von 220 Millionen Kilogramm. Die Zahlen betreffen den gesamten Nusssektor und nicht nur piemontesische Haselnüsse, verdeutlichen aber die Beschaffungsaufgabe für Verarbeiter und Händler.

Regionalförderung soll Plantagen widerstandsfähiger machen

Die Region Piemont hat 750.000 Euro für das dreijährige Projekt Tonda Gentile Produttiva bereitgestellt. Koordiniert wird es von der Agrion-Stiftung und dem Fachbereich Agrarwissenschaften der Universität Turin. Untersucht werden genetische Verbesserungen, Schnitt- und Bewässerungstechniken, die Bekämpfung von Krankheitserregern, Bodenmanagement, Bestäubung, die Sanierung alter Anlagen und die Nutzung von Schnittresten. Agrion empfiehlt den Betrieben verschiedene Bestäubersorten, regelmäßigen wirksamen Schnitt, mehr organische Substanz im Boden und den Verzicht auf unnötige chemische Behandlungen. Diese Maßnahmen können Qualität und Erträge stabilisieren. Um die Versorgung der hochwertigen Verarbeitung trotz zunehmender Klima- und Schädlingsrisiken zu sichern, bleiben jedoch auch die Erneuerung der Anlagen und weitere Anpassungsinvestitionen nötig.

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