Deutscher Fahrrad- und E-Bike-Markt zeigt erste Erholung
Die deutsche Fahrradproduktion stieg im ersten Halbjahr 2026 um 6%, der Absatz um annähernd 10%. Bei E-Bikes legte die Produktion um mehr als 4% und der Verkauf um rund 2% zu; die gemeinsamen Exporte wuchsen nach dem Abbau der Überbestände um mehr als 6%.
Produktion und Absatz wachsen wieder
Der deutsche Fahrrad- und E-Bike-Markt hat sich im ersten Halbjahr 2026 nach mehreren schwierigen Jahren belebt. Laut der am 7. September veröffentlichten Halbjahresbilanz des Branchenverbands ZIV steigerten die Hersteller Produktion und Absatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zugleich konnten Unternehmen und Händler die während des vorangegangenen Abschwungs entstandenen Lagerüberhänge größtenteils abbauen.
Die Produktion konventioneller Fahrräder stieg im Jahresvergleich um 6%, der Absatz um annähernd 10%. Auch das E-Bike-Segment wuchs, allerdings langsamer: Die Produktion nahm um mehr als 4% zu, der Verkauf um rund 2%. Der Abstand zwischen den Kategorien deutet auf eine zunächst kräftigere Erholung bei klassischen Fahrrädern hin. Zum besseren Halbjahresergebnis trugen jedoch beide Bereiche bei.
Sinkende Bestände treffen auf vorsichtige Bestellungen
Nach Angaben des ZIV bestellen die Händler weiterhin mit Bedacht. Die Zurückhaltung folgt auf die Störungen der vergangenen Jahre, in denen sich entlang der Lieferkette überhöhte Bestände aufgebaut hatten. Da ein Großteil dieser Überhänge inzwischen abgebaut ist, nimmt der Druck durch rabattierte Ware ab. Hersteller und Vertriebe erhalten damit eine verlässlichere Grundlage für künftige Bestellungen, auch wenn dies noch keine dauerhaft gleichbleibende Erholung garantiert.
Auch die Nachfrage aus dem Ausland verbesserte sich. Die deutschen Exporte von Fahrrädern und E-Bikes lagen mehr als 6% über dem Niveau des ersten Halbjahres 2025. Die Quellen nennen weder Stückzahlen und Ausfuhrwerte noch Zielmärkte. Der Zuwachs zeigt dennoch, dass das Auslandsgeschäft neben dem Heimatmarkt zur Belebung beiträgt. ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork erklärte, die Talsohle sei durchschritten und der Markt komme wieder in Bewegung.
Werkstätten bleiben stark ausgelastet
Die Geschäftstätigkeit beschränkt sich nicht auf den Verkauf neuer Räder. Laut ZIV sind die Werkstätten des Fahrradhandels weiterhin sehr gut ausgelastet, weil die Nachfrage nach Reparaturen und Service ungebrochen ist. Auch Verschleißteile und Zubehör verzeichnen deutliche Zuwächse. Das Aftermarket-Geschäft verschafft Händlern Einnahmen, während sie ihre Warenbestände noch vorsichtig auffüllen. Der anhaltende Fachkräftemangel begrenzt allerdings die Kapazitäten der Werkstätten.
Auch einzelne Produktsegmente gewinnen an Dynamik. Gravelbikes werden im mittleren und unteren Preisbereich wichtiger, während Einsteiger-Hardtail-Mountainbikes wieder leicht steigende Verkaufszahlen verzeichnen. Damit reicht die Erholung über das Premiumsegment hinaus. Der ZIV fordert gezielte öffentliche Investitionen in Industrie und Radverkehrsinfrastruktur. pedelec-elektro-fahrrad.de weist jedoch darauf hin, dass die Bundesregierung Forderungen nach einer stärkeren Förderung des Radverkehrs zuletzt abgelehnt hat. Das Medium nennt zudem die aktuellen Insolvenzen von Accell und Simplon als Beleg für den weiterhin hohen Druck auf die Branche. Die Halbjahreszahlen markieren somit eine messbare Verbesserung. Ob sie anhält, hängt von der Nachfrage, einer disziplinierten Lagerhaltung und dem Umgang der Unternehmen mit finanziellen sowie personellen Engpässen ab.