Chinesische Hähnchenbrust erhöht den Preisdruck auf russisches Schweinefleisch
Die russischen Großhandelspreise für Schweinefleisch sanken im ersten Halbjahr 2026 unter dem Einfluss einer höheren Inlandsproduktion und wachsender Einfuhren preisgünstigen Geflügels aus China. Zum Herbst verbesserte sich die Lage durch die sommerliche Nachfrage und eine planmäßige Drosselung des Produktionswachstums.
Zwei Faktoren belasten den Schweinemarkt
Für russische Schweineproduzenten verlief das erste Halbjahr 2026 schwierig. Die Großhandelspreise sanken, weil die heimische Schweinefleischproduktion zunahm und zugleich mehr preisgünstiges Geflügel aus China eingeführt wurde. Juri Kowaljow, Generaldirektor des Nationalen Verbandes der Schweineproduzenten, nannte beide Faktoren gegenüber URA.RU; die Obschtschestwennaja Sluschba Nowostei, kurz OSN, berichtete darüber.
Das Zusammenwirken ist für die Fleischverarbeitung relevant, weil Hähnchen- und Schweinefleisch dort als Rohstoffe konkurrieren. China liefert vor allem Brustfilet, das Verarbeiter für Fleischerzeugnisse verwenden können. Nach Angaben Kowaljows sind chinesische Hersteller bereit, dieses Teilstück vergleichsweise günstig anzubieten. Verarbeiter erhalten damit eine billigere Einkaufsoption, während die Nachfrage nach bestimmten heimischen Fleischprodukten nachlässt und die wachsende russische Schweineproduktion zusätzliches Angebot schafft.
Laut OSN ging die Rentabilität der Schweinehaltungsbetriebe im ersten Halbjahr deutlich zurück. Der Bericht nennt jedoch weder einen konkreten Großhandelspreis für Schweinefleisch noch ein chinesisches Importvolumen für 2026 oder eine genaue Rentabilitätskennzahl. Die Informationen belegen daher die Marktrichtung, erlauben aber keine Bezifferung der Preisrückgänge bei einzelnen Teilstücken oder Unternehmen.
China stellte 30% der Geflügelimporte
China deckte 2025 nach Angaben Kowaljows 30% der russischen Geflügelimporte und war nach Belarus der zweitgrößte Lieferant. Wichtigstes chinesisches Produkt war Hähnchenbrustfilet, dessen Hauptabnehmer Fleischverarbeiter waren. Die Einfuhren wirken deshalb unmittelbarer auf den industriellen Rohstoffmarkt als auf das Angebot im Einzelhandel.
Für Verarbeiter kann günstigeres Brustfleisch die Rohstoffkosten begrenzen. Russische Geflügel- und Schweineproduzenten spüren dagegen mehr Wettbewerb in einem Markt, der zugleich zusätzliches heimisches Schweinefleisch aufnehmen muss. Der Preisdruck kann sich zwischen den Proteinsegmenten übertragen, wenn industrielle Käufer Rohstoffe nach Preis, Verfügbarkeit und Eignung für einzelne Erzeugnisse vergleichen.
Der Importanteil zeigt, dass China bereits vor dem Preisdruck des ersten Halbjahres 2026 ein bedeutender Geflügellieferant war. Belarus blieb dennoch Marktführer. Die Ausgangsdaten enthalten keine Angaben dazu, ob Chinas Anteil 2026 weiter zunahm; die 30% beschreiben daher die Marktposition im Jahr 2025 und keine Schätzung für das laufende Jahr.
Zum Herbst stabilisierte sich die Lage
Nach Angaben Kowaljows begann sich die Situation zum Herbst zu verbessern. Eine stärkere Nachfrage während der sommerlichen Grillsaison stützte die Branche. Gleichzeitig reduzierten die Unternehmen planmäßig das Wachstum ihrer Produktion. Beides trug dazu bei, die Lage nach dem schwächeren ersten Halbjahr zu stabilisieren.
Die Einzelhandelspreise für Geflügel entwickelten sich anders als die Großhandelspreise für Schweinefleisch. Unter Berufung auf Rosstat meldete OSN, dass Hähnchenfleisch im August gegenüber dem Vorjahr um 15,8% auf 263,6 Rubel je Kilogramm teurer wurde. Putenfleisch verteuerte sich um 15,1% auf 645 Rubel je Kilogramm. Da die Zahlen andere Produkte und eine andere Stufe der Lieferkette betreffen, widersprechen sie dem gemeldeten Rückgang der Schweinefleisch-Großhandelspreise nicht.
Für Schweineproduzenten kommt es nun darauf an, ob langsameres Produktionswachstum und saisonale Nachfrage den Wettbewerb durch preisgünstiges Geflügel ausgleichen können. Verarbeiter profitieren von einer größeren Rohstoffauswahl, während heimische Tierhalter unter schärferen Preisbedingungen arbeiten. Die weitere Entwicklung hängt von russischen Produktionsentscheidungen sowie von Umfang und Preis der chinesischen Geflügellieferungen ab.