China wird zweitgrößter Geflügellieferant Kasachstans
Kasachstan importierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 13.900 Tonnen Geflügelfleisch und essbare Schlachtnebenerzeugnisse aus China. Damit rückte China vom sechsten auf den zweiten Rang vor, während die Lieferungen aus Russland, den USA und der Ukraine zurückgingen.
Chinesische Lieferungen steigen auf mehr als das Sechsfache
China ist unter Kasachstans ausländischen Geflügellieferanten vom sechsten auf den zweiten Rang vorgerückt. Damit verändert sich ein Markt, der traditionell von Russland und den USA geprägt war. Kasachstan importierte von Januar bis Juni 2026 insgesamt 13.900 Tonnen Geflügelfleisch und essbare Schlachtnebenerzeugnisse aus China, wie knews.kg und inbusiness.kz unter Berufung auf das nationale Statistikamt berichteten. Das Volumen war 6,7-mal so hoch wie ein Jahr zuvor.
Im ersten Halbjahr 2025 hatten die chinesischen Lieferungen 2.060 Tonnen im Wert von 2,8 Millionen $ erreicht, wobei im Januar und Februar keine Einfuhren registriert wurden. In den ersten sechs Monaten 2026 stieg der Importwert auf 13,3 Millionen $. China lieferte damit 11.800 Tonnen mehr als im Vorjahr und glich einen großen Teil der Rückgänge bei anderen Herkunftsländern aus.
Russland bleibt vorn, verliert aber Marktanteile
Kasachstan importierte im Berichtszeitraum 68.700 Tonnen Geflügelfleisch im Wert von 92,7 Millionen $. Das Gesamtvolumen nahm gegenüber dem Vorjahr um 8,9% zu, obwohl die zusammengefassten Einfuhren aus allen Ländern außer China um 10% sanken. Russland blieb der größte Lieferant, doch seine Lieferungen gingen um 16,5% auf 29.800 Tonnen zurück. Der russische Anteil an den Geflügelimporten Kasachstans fiel dadurch von 57% auf 43%.
Die Einfuhren aus den USA sanken um 15% auf 8.400 Tonnen, jene aus der Ukraine um 23% auf 4.000 Tonnen. Brasilien steigerte seine Lieferungen dagegen um 25% auf 7.500 Tonnen und Belarus um 17% auf 4.300 Tonnen. Der gemeinsame Anteil der Länder außerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten erhöhte sich von 29% auf 44%. Kasachstans Lieferantenbasis wird damit deutlich vielfältiger.
Preisabstand stärkt Chinas Position
Der durchschnittliche deklarierte Wert chinesischer Geflügelimporte lag im ersten Halbjahr bei 961 $ je Tonne und damit niedriger als bei allen anderen großen Lieferanten. Für Russland wurden durchschnittlich 1.489 $ je Tonne, für die USA 1.357 $ und für Brasilien 1.308 $ ausgewiesen. Der Durchschnitt aller Einfuhren betrug rund 1.350 $ je Tonne. Chinesische Ware verbilligte sich gegenüber dem Vorjahr um 29% von 1.361 $ je Tonne, während der russische Wert um 22% von 1.222 $ stieg. Die vierstelligen Zolldaten unterscheiden jedoch nicht zwischen ganzen Tieren, Keulen, Filets, Innereien und Entenfleisch. Auch die unterschiedliche Produktzusammensetzung beeinflusst daher die Werte.
Chinas Expansion in Kasachstan fällt mit einem Wachstum der eigenen Produktion und Ausfuhren zusammen. Nach Angaben des Foreign Agricultural Service des US-Landwirtschaftsministeriums exportierte China von Januar bis Mai 2026 insgesamt 546.000 Tonnen Hühnerfleisch, 51% mehr als im Vorjahr. Brustfleisch stellte im ersten Quartal mehr als die Hälfte der Exporte; auch die Ausfuhren von Teilstücken mit Knochen wuchsen schnell. Die chinesische Geflügelfleischproduktion stieg im ersten Quartal um 9,3% auf 7,01 Millionen Tonnen, die Schlachtungen nahmen um 7,5% zu. Laut USDA trug das zusätzliche Angebot zu sinkenden Hühnerpreisen bei.
Stärkerer Importdruck auf heimische Produzenten
Für russische Anbieter waren die Bedingungen ungünstiger. Kommersant berichtete, dass der russische Großhandelspreis für Broilerschlachtkörper in der Woche vom 15. bis 21. Juni 200 Rubel je Kilogramm erreichte, 10% mehr als ein Jahr zuvor. Russische Landwirtschaftsbetriebe produzierten von Januar bis Mai 2,76 Millionen Tonnen Geflügel in Lebendgewicht, ein Rückgang um 2,1%. Diese Produktions- und Preisentwicklung erklärt teilweise den wachsenden Abstand zwischen den durchschnittlichen Importwerten russischer und chinesischer Ware.
Kasachstans Geflügelbetriebe produzierten nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums 2025 insgesamt 371.700 Tonnen Fleisch, 58% mehr als 2020. Das Land deckt derzeit rund 78% seines Geflügelbedarfs aus eigener Produktion und importiert den Rest. Gleichzeitig sanken die kasachischen Geflügelexporte im ersten Halbjahr 2026 um 45% auf 10.900 Tonnen. Die Lieferungen nach Russland gingen um 37% auf 6.600 Tonnen zurück, jene nach Kirgisistan um 60% auf 3.200 Tonnen. Preisgünstige chinesische Ware kann den Anstieg der Verbraucherpreise dämpfen, erhöht aber den Druck auf heimische Betriebe, ihre Kosten zu senken und effizienter zu produzieren.