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Brasiliens Milchfutures gewinnen an Bedeutung und sollen Preisrisiken senken

Der im Mai gestartete brasilianische Terminmarkt für Milch stößt bei Erzeugern und Verarbeitern zunehmend auf Interesse und ermöglicht Preisvereinbarungen vor der Lieferung. Eine breitere Nutzung hängt von Kostenkenntnis, Markterfahrung und der Beteiligung der gesamten Milchkette ab.

Brasiliens Milchfutures gewinnen an Bedeutung und sollen Preisrisiken senken

Neues Instrument soll starke Schwankungen des Milchpreises abfedern

Brasiliens Terminmarkt für Milch gewinnt allmählich an Bedeutung, weil Milcherzeuger in einem traditionell von starken Preisschwankungen geprägten Geschäft verlässlichere Einnahmen suchen. Das im Mai eingeführte Instrument erlaubt Erzeugern und Verarbeitern, Verträge über künftige Milchlieferungen zu vorab festgelegten Preisen abzuschließen, berichtet CNN Brasil.

Die Verträge dienen als Absicherung gegen ungünstige Marktbewegungen. Vergleichbare Mechanismen sind in Brasilien bei Soja, Mais und Lebendrindern bereits weit verbreitet, vielen Milchviehbetrieben jedoch noch fremd. Der neue Markt war deshalb ein zentrales Thema einer Sitzung der technischen Milchviehkommission des Sistema FAEP, die Chancen und Hürden einer breiteren Nutzung untersuchte.

Ágide Eduardo Meneguette, Präsident des Sistema FAEP, erwartet mehr Stabilität für die Milchwirtschaft, sobald sich die Erzeuger mit Futures vertraut machen. An der Entwicklung waren StoneX Leite Brasil, das Zentrum für fortgeschrittene Studien der angewandten Wirtschaftswissenschaften an der Esalq-USP, bekannt als Cepea, der brasilianische Landwirtschafts- und Viehzuchtverband CNA sowie das Sistema FAEP beteiligt.

Nutzung hängt von Kosten, Zeitpunkt und Liquidität ab

Für den Einsatz von Futures genügt der Zugang zu einer Handelsplattform nicht. Eduardo Lucacin, Vorsitzender der technischen Milchviehkommission von FAEP, erklärte, Erzeuger müssten ihren Betrieb und insbesondere die Produktionskosten genau kennen, bevor sie Zeitpunkt und Preis einer Absicherung festlegen. Ohne belastbare Kostendaten schafft ein fixierter Verkaufspreis zwar Sicherheit, schützt aber nicht zwangsläufig die Rentabilität.

Marianne Tufani, Risikomanagerin bei StoneX Leite Brasil, zufolge nutzen rund 70% der Akteure am internationalen Milchmarkt bereits Futures zur Steuerung von Preisrisiken. Für brasilianische Erzeuger besteht der erste praktische Schritt darin, ein Konto bei einem spezialisierten Broker zu eröffnen. Die dafür erforderliche Dokumentenprüfung verursacht laut ihrer von CNN Brasil wiedergegebenen Erklärung an sich keine Kosten für den Landwirt.

Die größere Herausforderung liegt in der Beteiligung der gesamten Kette. Ein funktionierender Terminmarkt braucht Erzeuger, Verarbeiter und weitere Marktteilnehmer, die Positionen zu unterschiedlichen Preisen und Lieferterminen eingehen. Zudem ist Schulung erforderlich, damit Betriebe Vertragspreise mit ihren Kosten, der erwarteten Produktion und den Vereinbarungen über den physischen Milchverkauf abgleichen können.

Wettbewerbsfähigkeit hängt nicht nur vom Preis ab

Die FAEP-Sitzung behandelte auch betriebliche Probleme, die sich mit Futures nicht lösen lassen. Erzeuger berichteten erneut über Verluste durch eine unzuverlässige Stromversorgung, darunter verdorbene gekühlte Milch und Schäden an Melk- und Lagertechnik. FAEP hat die Beschwerden an die Behörden weitergeleitet, während die Branche Alternativen zur Verringerung der Netzabhängigkeit prüft.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Tiergesundheit. Die Teilnehmer bezeichneten die Bekämpfung der Brucellose als Voraussetzung für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Milchwirtschaft. Der Gesundheitsstatus beeinflusst Produktivität und Lieferfähigkeit gegenüber anspruchsvollen Kunden, sodass Seuchenkontrolle die finanzielle Risikoabsicherung ergänzen muss.

Die Kommission erörterte außerdem höhere Margen durch wertvollere Milchbestandteile, insbesondere Molkenproteine und Proteinkonzentrate. Nach ihrer Einschätzung können Futures die Belastung durch Preisschwankungen verringern, doch für mehr Wettbewerbsfähigkeit sind auch Innovation und zusätzliche Wertschöpfung nötig. Der neue Markt bietet Erzeugern und Verarbeitern damit ein Planungsinstrument, ersetzt aber weder Kostenkontrolle noch zuverlässige Infrastruktur, Tiergesundheit oder Produktentwicklung.

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