Brasiliens Produktion könnte globalen Zuckerüberschuss von 3 Mio. Tonnen sichern
Hedgepoint erwartet dank des brasilianischen Angebots einen weltweiten Zuckerüberschuss von rund 3 Millionen Tonnen und widerspricht damit Defizitprognosen anderer Berater. Die Produktion im brasilianischen Zentrum-Süden soll 2026/27 trotz eines geringeren Zuckeranteils bei 40,5 Millionen Tonnen bleiben.
Brasilien widerspricht dem Defizitkonsens
Brasiliens Produktion könnte am weltweiten Zuckermarkt einen Überschuss von rund 3 Millionen Tonnen schaffen, prognostiziert Hedgepoint Global Markets. Die von Globo Rural veröffentlichte Einschätzung steht im Gegensatz zu mehreren privaten Beratungsunternehmen, die inzwischen ein Defizit erwarten. Damit rückt die brasilianische Ernte und nicht allein die Nachfrage in den Mittelpunkt der globalen Bilanz.
Reuters berichtete zudem, dass Hedgepoint für die Saison 2026/27 im brasilianischen Zentrum-Süden, der weltweit führenden Zuckerregion, eine Produktion von 40,5 Millionen Tonnen erwartet. Das Volumen bliebe gegenüber der Vorsaison weitgehend stabil, obwohl die Mühlen einen geringeren Anteil des Zuckerrohrs für die Zuckerherstellung einsetzen dürften.
Mehr Zuckerrohr, aber geringerer Zuckeranteil
Hedgepoint prognostiziert für 2026/27 eine Zuckerrohrverarbeitung von 630 Millionen Tonnen im Zentrum-Süden, nach 610 Millionen Tonnen. Der für Zucker verwendete Anteil soll von 50,6% auf 48,6% sinken. Das größere Rohstoffvolumen würde damit den niedrigeren Zuckermix ausgleichen und die Produktion bei 40,5 Millionen Tonnen stabilisieren.
Diese Flexibilität ist entscheidend, weil brasilianische Mühlen das Zuckerrohr abhängig von relativen Preisen, Lieferverträgen und technischen Grenzen zwischen Zucker und Ethanol aufteilen können. Zuckerpreise nahe einem Fünfjahrestief in New York verstärken den Anreiz für mehr Ethanol. Hedgepoint-Analystin Lívea Coda sagte Reuters jedoch, dass Terminverkäufe und industrielle Beschränkungen einer stärkeren Kürzung der Zuckerproduktion entgegenstehen.
Die gesamte Ethanolproduktion soll 2026/27 auf 37,5 Milliarden Liter steigen. Das wären 3,5 Milliarden Liter oder 10,3% mehr als 2025/26, wie Reuters unter Berufung auf den Branchenverband Unica und Hedgepoint berichtete. Ein Teil des zusätzlichen Zuckerrohrs fließt somit in Biokraftstoff, ohne dass das Zuckerangebot ausreichend sinkt, um den erwarteten globalen Überschuss zu beseitigen.
Preise hängen von der Ethanolnachfrage ab
Hedgepoint schätzt den weltweiten Zuckerüberschuss laut Reuters auf 2,8 Millionen Tonnen für 2025/26 und 3,4 Millionen Tonnen für 2026/27. Coda bezeichnete die Markttendenz als rückläufig. Eine höhere brasilianische Nachfrage nach wasserhaltigem Ethanol wäre ihrer Einschätzung nach der kostengünstigere Weg, zusätzliche Biokraftstoffmengen aufzunehmen und den Zuckerüberhang zu begrenzen.
Zum Zeitpunkt des Reuters-Berichts kostete wasserhaltiges Ethanol an den Mühlen in São Paulo knapp R$3 je Liter. Nach Berechnungen von Hedgepoint müsste der Preis während der Ernte auf etwa R$2,3 je Liter fallen, um Autofahrer zum Wechsel von Benzin zu Ethanol zu bewegen und Lagerbestände abzubauen. Dieses Niveau entsprach beim New Yorker Referenzkontrakt für Zucker 13,5 US-Cent je Pfund.
Für Produzenten und Händler ist die Verteilung des brasilianischen Zuckerrohrs nun wichtiger als dessen zusätzliches Volumen. Ein höherer Zuckermix könnte den globalen Überschuss vergrößern und die Terminpreise belasten. Eine stärkere Verlagerung zu Ethanol würde einen Teil des Angebotsdrucks auf Brasiliens Kraftstoffmarkt übertragen. Importeure profitieren von einer komfortableren Versorgung, während die Margen der Mühlen unter Druck bleiben, falls der Ethanolabsatz den erwarteten Zuwachs nicht aufnimmt.
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