54 Tonnen brasilianisches Geflügelfleisch erreichten Kroatien vor dem EU-Einfuhrverbot
Die kroatische Staatsinspektion teilt mit, dass im Februar und März 2026 zwei Sendungen brasilianisches Geflügelfleisch mit je 27.000 kg ins Land kamen — Monate bevor die EU am 3. September ihren Markt für brasilianische Erzeugnisse tierischen Ursprungs schloss. Eine weitere Sendung wurde im April wegen Salmonella Minnesota zurückgewiesen. Das Verbot nach der Verordnung (EU) 2026/1189 gilt nur für künftige Lieferungen.
Die Europäische Union hat ihren Markt am 3. September für brasilianisches Fleisch und andere zum menschlichen Verzehr bestimmte Erzeugnisse tierischen Ursprungs geschlossen, nachdem Brasilien die von der EU geforderten Garantien zum Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung nicht vorgelegt hatte. Die kroatische Staatsinspektion hat nun offengelegt, wie viel brasilianisches Geflügelfleisch das Land vor diesem Stichtag erreichte: zwei Sendungen mit je 27.000 kg, eingeführt im Februar und März 2026. Die Angaben berichtet das kroatische Medium dnevno.hr.
Was die Verordnung (EU) 2026/1189 ändert
Nach der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1189 der Kommission dürfen Sendungen von Geflügelfleisch sowie die meisten anderen Kategorien von Erzeugnissen tierischen Ursprungs aus Brasilien seit dem 3. September 2026 nicht mehr zum Inverkehrbringen in die Europäische Union eingeführt werden. Die Staatsinspektion erklärte, die Maßnahme gehe darauf zurück, dass Brasilien die notwendigen Garantien zum Ausschluss bestimmter antimikrobieller Stoffe aus der Lebensmittelerzeugung nicht geliefert habe.
Die Verordnung ist das Ergebnis einer Bewertung der Europäischen Kommission, mit der Brasilien von der Liste der Drittländer gestrichen wurde, aus denen solche Erzeugnisse in die EU gelangen dürfen. Die Beschränkung greift auf Länderebene und nicht auf Ebene einzelner Betriebe, betrifft also die gesamte Warenkategorie. Genau das macht sie für Importeure mit offenen Kontrakten kommerziell relevant.
Rückwirkung hat die Maßnahme nicht. Sie erfasst künftige Sendungen, nicht aber Waren, die vor dem 3. September rechtmäßig auf den Markt gelangt sind. Ein Rückruf bereits in Verkehr gebrachter Ware ist laut Staatsinspektion nicht vorgesehen, außer wenn bei amtlichen Kontrollen ein Verstoß festgestellt wird.
Kroatiens Sendungen und eine Zurückweisung
In absoluten Zahlen sind die Mengen für Kroatien gering, sie gingen jedoch direkt in Handel und Verarbeitung. Die beiden von der Staatsinspektion genannten Sendungen ergeben zusammen 54.000 kg brasilianisches Geflügelfleisch innerhalb von zwei Monaten. Eine dritte Sendung kam nicht durch die Grenzkontrolle: Ihr wurde im April die Einfuhr nach Kroatien verweigert, weil sie die mikrobiologischen Kriterien nicht erfüllte — nachgewiesen wurde Salmonella Minnesota.
- Februar und März 2026: zwei Sendungen brasilianisches Geflügelfleisch mit je 27.000 kg gelangten nach Kroatien.
- April 2026: einer Sendung wurde nach dem Nachweis von Salmonella Minnesota die Einfuhr verweigert.
- 3. September 2026: Das EU-Einfuhrverbot für Geflügelfleisch und die meisten Erzeugnisse tierischen Ursprungs aus Brasilien tritt in Kraft.
Mercosur-Abkommen erneut in der Kritik
Das Verbot hat die Kritik am kürzlich unterzeichneten Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten — Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay — neu entfacht. Europäische Landwirte hatten sich scharf dagegen gewandt, weil es ihnen Wettbewerber mit deutlich lockereren Produktionsvorschriften ins Haus hole.
Der kroatische Europaabgeordnete Marko Vesligaj von der SDP erklärte in einer Mitteilung: „Seit heute gibt es auf dem EU-Markt kein brasilianisches Rindfleisch mehr, weil es wegen des übermäßigen Antibiotikaeinsatzes für den Verzehr unsicher ist.“ Das bestätige alle Warnungen, dass das Mercosur-Abkommen „die europäischen Landwirte benachteiligt und Lebensmittel fragwürdiger Qualität auf die Tische der EU bringt“.
Vesligaj erklärte, er habe wiederholt darauf hingewiesen, dass das Kernproblem des Abkommens in ungleichen Regeln und doppelten Produktionsstandards liege, und verwies auf die deutlich mildere Regulierung von Pestiziden, Hormonen und gentechnisch veränderten Organismen im Mercosur. Abgeordnete hätten das Abkommen dem Gerichtshof der EU vorgelegt, die Kommission habe jedoch die vorläufige Anwendung durchgesetzt — wenige Monate später folgte das Verbot. Dieser regulatorische Rahmen bestimmt nun, unter welchen Bedingungen europäische Verarbeiter und Importeure die bislang brasilianischen Geflügelmengen ersetzen müssen.