Brasilien wird nach Spaniens ASF-Sperre Japans größter Lieferant von gefrorenem Schweinefleisch
Japan importierte von April bis Juli 59.000 Tonnen gefrorenes Schweinefleisch aus Brasilien, 60 % mehr als im Vorjahreszeitraum, berichtete Nikkei. Die ASF-bedingte Sperre für Spanien beschleunigte den Wechsel; Gespräche mit dem Mercosur könnten Brasiliens Position festigen.
Brasilien übernimmt die Spitzenposition
Brasilien ist zum größten Lieferanten von importiertem gefrorenem Schweinefleisch in Japan aufgestiegen. Die Käufer ersetzen spanische Ware, deren Einfuhr wegen der Afrikanischen Schweinepest, kurz ASF, ausgesetzt wurde. Von Nikkei zitierte japanische Handelsdaten zeigen für April bis Juli Importe von 59.000 Tonnen aus Brasilien, 60 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.
Der Anstieg ist vor allem für Japans Fleischverarbeiter relevant. Importiertes gefrorenes Schweinefleisch wird häufig für Wurst und andere Verarbeitungsprodukte eingesetzt, bei denen einheitliche Spezifikationen, Preis und ganzjährige Verfügbarkeit entscheidend sind. Brasilien konnte seine Lieferungen rasch erhöhen und bot den Verarbeitern damit eine Alternative zu einem Anbieter, der in diesem Segment zuvor eine starke Stellung hatte.
Japan setzte die Einfuhr von spanischem Schweinefleisch und entsprechenden Erzeugnissen am 28. November aus, nachdem Spanien ASF bei Wildschweinen gemeldet hatte, teilte das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei mit. Die Maßnahme soll eine Einschleppung der Krankheit verhindern. ASF befällt keine Menschen, kann aber Schweinebestände schädigen; die nach Ausbrüchen verhängten Handelsbeschränkungen stören zudem internationale Fleischlieferketten.
Spaniens Ausfall verändert die Beschaffung
Spanien war Japans wichtigste Bezugsquelle für gefrorenes Schweinefleisch und hatte seine Position mit Zuschnitten und Spezifikationen ausgebaut, die auf japanische Verarbeiter abgestimmt waren. Die japanische Agriculture and Livestock Industries Corporation wies darauf hin, dass gefrorene Ware Transportzeiten von rund einem Monat verträgt und damit Beschaffung aus Europa ermöglicht. Mehr als 90 % der japanischen Importe von gekühltem Schweinefleisch kommen dagegen traditionell aus Nordamerika, weil kürzere Transportzeiten erforderlich sind.
Die spanische Sperre trifft somit einen bestimmten Teil des Marktes und nicht alle Schweinefleischimporte gleichermaßen. Brasilien konkurriert hauptsächlich um gefrorene Verarbeitungsware, während die USA, Kanada und Mexiko bei gekühltem Fleisch wichtig bleiben. Japanische Branchendaten zeigen außerdem höhere Lieferungen von gefrorener Ware aus Dänemark, den Niederlanden und den USA, da Käufer ihre Abhängigkeit von Spanien verringern.
Die Verschiebung schafft Chancen, bringt aber operative Risiken mit sich. Verarbeiter müssen neue Betriebe zulassen, Zuschnitte auf ihre Rezepturen abstimmen und Unterschiede bei Frachtrouten und Lieferplänen bewältigen. Für brasilianische Exporteure belegt das Wachstum von 60 %, dass zugelassene Werke Japan in großem Maßstab bedienen können. Für spanische Anbieter steigt mit der Dauer der Sperre das Risiko, dass aus vorübergehenden Ersatzkäufen dauerhafte Geschäftsbeziehungen werden.
Mercosur-Gespräche könnten den Wechsel festigen
Japan treibt zudem Gespräche über ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit dem Mercosur voran, dem südamerikanischen Handelsblock, dem Brasilien angehört. Laut Nikkei könnten die Verhandlungen brasilianischem Schweinefleisch längerfristig Rückenwind geben. Ein Zollergebnis steht noch nicht fest. Ein verbesserter Marktzugang würde jedoch die Einstandskosten beeinflussen und könnte Brasiliens Wettbewerbsfähigkeit auch nach dem Ende der aktuellen Tierseuchenstörung stärken.
Entscheidend ist, ob Brasilien seine Mengen halten kann, sobald spanische Ware zurückkehrt. Japanische Käufer legen Wert auf Versorgungssicherheit und verarbeitungsgerechte Spezifikationen. Spanien könnte daher nach Aufhebung der Beschränkungen bei attraktiven Konditionen Aufträge zurückgewinnen. Brasilien kann die Notfallnachfrage nun aber in wiederkehrende Verträge überführen. 59.000 Tonnen in vier Monaten, eine breitere Lieferantenbasis und mögliche Vereinbarungen mit dem Mercosur sprechen dafür, dass Japans Beschaffung von gefrorenem Schweinefleisch nicht automatisch zum früheren Muster zurückkehrt.