← Zurück zu den Nachrichten

Brasilien sieht keine schnelle Rückkehr auf den EU-Fleischmarkt – Rindfleisch-Ausschluss womöglich bis 2027

Brasilien verliert am 3. September den Zugang zum EU-Markt für Fleisch und tierische Erzeugnisse, wenn eine überarbeitete Lieferantenliste in Kraft tritt, berichtet Estadão. Geflügel könnte binnen Wochen zurückkehren, Rindfleisch bleibt wegen des langen Mastzyklus womöglich bis 2027 ausgeschlossen. Brasilien liefert jährlich tierisches Eiweiß im Wert von rund 1,8 Milliarden US-Dollar in die EU.

Brasilien sieht keine schnelle Rückkehr auf den EU-Fleischmarkt – Rindfleisch-Ausschluss womöglich bis 2027

Brasilien von EU-Lieferantenliste für tierisches Eiweiß gestrichen

Brasilien verliert den Zugang zum EU-Markt für Fleisch und tierische Erzeugnisse, wenn am 3. September eine überarbeitete Liste zugelassener Lieferanten in Kraft tritt, berichtet Estadão. Regierung und Exporteure sehen laut mit den Verhandlungen vertrauten Personen keinen Raum für eine sofortige Rücknahme.

Der Ausschluss geht auf die Nichteinhaltung der EU-Anforderungen zum Einsatz antimikrobieller Mittel in der Tierhaltung zurück, festgelegt in der Verordnung (EU) 2019/6, die der Block 2023 einführte. Der EU-Exekutivausschuss Scopaff aktualisierte die Liste am 12. Mai und strich Brasilien aus der Gruppe der Länder, die die Vorschriften erfüllen. Die Maßnahme umfasst Rindfleisch, Hühnerfleisch, Fisch, Eier und Honig.

Geflügel: Rücknahme binnen Wochen möglich

Für Geflügel und Nebenerzeugnisse fällt die Prognose günstiger aus. Von Estadão zitierte Quellen erwarten, dass sich die Lage in etwa einem Monat wenden lässt. Zum 1. Juli führte Brasilien neue Protokolle zur Antibiotika-Kontrolle über den gesamten Lebenszyklus der Tiere ein – bei Masthühnern rund 40 Tage. Wegen des kurzen Zyklus rechnen die Exporteure damit, die neuen Kontrollen bis Mitte August zur Neubewertung durch die EU vorzulegen und anschließend eine außerordentliche Scopaff-Sitzung zu beantragen, um Brasilien als Lieferant von Geflügelprodukten und Derivaten wieder aufzunehmen.

Rindfleisch: keine Rückkehr vor 2027 erwartet

Beim Rindfleisch gilt die Lage als kritisch. Der Lebenszyklus von Rindern beträgt 24 bis 36 Monate, und die EU hat signalisiert, den Fall Brasiliens erst nach Abschluss eines vollständigen Zyklus unter dem neuen Protokoll neu zu bewerten. Damit könnte Brasilien zumindest in diesem Jahr vom europäischen Rindfleischmarkt ausgeschlossen bleiben, mit möglicher Verlängerung bis 2027. Wegen der langen Produktionskette gilt Rindfleisch als heikelster Punkt des Streits.

Was die EU verlangt

Brüssel fordert von Brasilien zusätzliche Garantien, dass an den Block gelieferte Fleisch- und tierische Erzeugnisse nicht mit bestimmten antimikrobiellen Mitteln erzeugt werden, insbesondere nicht mit antibiotischen Wachstumsförderern. Das erfordert eine Trennung der Produktion und die staatliche Bestätigung, dass private Protokolle eingehalten und überwacht werden. Brasilien legte die seit 1. Juli geltenden neuen Verfahren der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission (DG Santé) vor, die sie validieren muss, bevor Scopaff den Fall erneut prüfen kann. Eine neue Empfehlung bräuchte danach die Zustimmung der Kommission – dasselbe Verfahren wie beim Ausschluss.

Am Donnerstag hielt der Scopaff-Ausschuss eine seiner regelmäßigen Sitzungen zu Tiergesundheit und Einfuhrbedingungen ab, doch die Rückkehr Brasiliens stand voraussichtlich nicht auf der Tagesordnung, da das Land die Einhaltung noch nicht bestätigen kann. Die nächste Sitzung ist für den 17. bis 18. September angesetzt, wenn die überarbeitete Liste bereits gilt. Das Thema wird seit November 2023 mit den EU-Gesundheitsbehörden erörtert.

Auswirkungen auf den Handel

Brasilien exportiert jährlich tierisches Eiweiß im Wert von rund 1,8 Milliarden US-Dollar in die EU – ein wegen höherer Erlöse geschätzter Markt. Die Fleischindustrie fürchtet dauerhafte Hürden beim Zugang zu Europa, wobei Rindfleisch den längsten Weg zurück vor sich hat.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.