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Belgiens Getreideernte 2026 so früh wie nie: niedrigere Erträge, hohe Qualität

Der belgische Getreidehandelsverband Fegra meldet, dass aufeinanderfolgende Hitzewellen die Halmgetreideernte 2026 so früh wie nie zuvor abgeschlossen haben. Die Erträge bei Futterweizen sanken gegenüber dem herausragenden Jahr 2025 um 6 bis 14 Prozent, während die Proteingehalte hoch und das Hektolitergewicht bei Weizen im Mittel nahe 79 kg/hl lagen.

Belgiens Getreideernte 2026 so früh wie nie: niedrigere Erträge, hohe Qualität

Ernte in Rekordtempo abgeschlossen

Der belgische Getreidehandelsverband Fegra hat seine quantitative und qualitative Bewertung der belgischen Halmgetreideernte 2026 ohne Mais vorgelegt. Grundlage sind vorläufige Flächenmeldungen der Wallonie und Flanderns sowie eine ausführliche Befragung der Verbandsmitglieder. Über die Ergebnisse berichtete das Agrarmedium Sillon Belge.

Aufeinanderfolgende Hitzewellen trieben die Ernte in Rekordtempo voran. Bis Mitte Juli war der Großteil des Wintergetreides in Flandern bereits gedroschen, was für belgische Verhältnisse außergewöhnlich früh ist. Laut Fegra wurde im Land noch nie so früh geerntet: Die Wintergerste lag zwei Wochen vor dem Weizen im Lager, der anschließend ebenfalls in Rekordtempo folgte. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren zum 21. Juli rund 80 Prozent der Flächen abgeerntet. Im Südosten des Landes zog sich die Ernte bis Anfang August hin.

Erträge fallen gegenüber einem außergewöhnlichen 2025

Bei Futterweizen gingen die Erträge gegenüber 2025 um 6 bis 14 Prozent zurück. Wintergerste lag 5 bis 11 Prozent niedriger. Triticale hielt sich mit minus 9 Prozent in der Wallonie und minus 2,5 Prozent in Flandern relativ gut, während Sommergerste und Hafer die stärksten Einbußen verzeichneten, im Süden des Landes mit mehr als 25 Prozent. Dinkel lag 7 bis 9 Prozent unter 2025, die Erträge bleiben nach Einschätzung von Fegra aber auf ordentlichem Niveau.

Die Hitzewelle Ende Juni störte die Abreife des Weizens und kostete rund 1 Tonne je Hektar Ertragspotenzial. Die Auswirkungen blieben weitgehend auf den Ertrag beschränkt: Nach den Unwettern und bis zur Ernte hielt sich trockenes Wetter, sodass selbst Lagergetreide mit vergleichsweise geringen Verlusten gedroschen werden konnte. Die meisten Erträge liegen weiter im mehrjährigen Mittel oder leicht darüber. Vor allem das sehr gute Referenzjahr 2025 lässt die diesjährigen Rückgänge größer erscheinen.

Die Rapsernte fiel leicht unter das Niveau von 2025 aus. Je nach Region lagen die Erträge zwischen 4,4 und 4,7 t/ha gegenüber 4,5 bis 5,5 t/ha im Vorjahr, was weiterhin einem durchschnittlichen bis guten Jahr entspricht.

Qualität hält, Trocknungskosten nahe null

Die trockene und sonnige Saison begünstigte hohe Proteingehalte und niedrige Feuchten. Trotz der Hitze lag das Hektolitergewicht im Mittel über 76 kg/hl. Bei Weizen erreichte es in dieser Saison im Durchschnitt nahezu 79 kg/hl nach 78,45 kg/hl im Jahr 2025. Für die übrigen Kulturen nennt Fegra folgende Mittelwerte:

  • Sommerweizen: 75,3 kg/hl
  • Wintergerste: 65 kg/hl
  • Triticale: 74,5 kg/hl
  • Dinkel: 37,6 kg/hl
  • Hafer: 47,3 kg/hl

Die Feuchtegehalte lagen nahezu durchgehend 5 bis 17 Prozent unter denen von 2025, bei Wintergerste im Mittel etwa 12,3 Prozent gegenüber 13 bis 13,4 Prozent im Vorjahr. Trocknung war damit praktisch nicht erforderlich. Die Kehrseite ist eine größere Streuung. Einzelne Schläge wurden bei sehr niedriger Feuchte gedroschen, bevor der Weizen die physiologische Reife vollständig erreicht hatte, was das Hektolitergewicht drückte. Auch durch frühere Unwetter ins Lager gegangene Weizenbestände zeigten niedrige Werte. Die Werte schwanken in diesem Jahr daher stark, stellt Fegra fest.

Weltmarkt: Westeuropa verliert, Schwarzmeerregion und Kanada gewinnen

Die weltweite Weizenproduktion wird in diesem Jahr auf 819,3 Millionen Tonnen geschätzt nach 843,35 Millionen Tonnen im Vorjahr, während der Verbrauch mit 826,27 Millionen Tonnen über dem Angebot liegt. Für die EU-27 werden 134,2 Millionen Tonnen veranschlagt gegenüber 138,3 Millionen Tonnen im Vorjahr. Der Durchschnittsertrag von 5,66 t/ha liegt allerdings über dem Fünfjahresmittel von 5,63 t/ha, sodass Fegra europaweit von einem guten Jahr spricht. Bei Gerste wird ein Plus von 3,38 Millionen Tonnen auf 157,07 Millionen Tonnen nach 153,69 Millionen Tonnen erwartet; weltweite Endbestände von 22,13 Millionen Tonnen heben das Verhältnis von Beständen zu Verbrauch von 12,40 auf 14,20 Prozent.

Zusammen erreichen Weizen und Gerste 976,4 Millionen Tonnen und damit mehr als 2,15 Prozent weniger als in der Vorkampagne. Fegra führt den Rückgang fast vollständig auf Westeuropa zurück, wo ein außergewöhnlich heißes und trockenes Ende Juni sowie der Juli eine zu schnelle Abreife erzwangen. Die EU-27 verliert bei beiden Kulturen Boden, besonders betroffen sind Frankreich und das Vereinigte Königreich. Die Ukraine, Russland, Kasachstan und Kanada legen bei beiden Kulturen netto zu, wobei die kanadische Vegetationsperiode laut Vegetationsindex besonders günstig verlief.

Hinzu kommt der Druck durch die Geopolitik. Verstärkte Angriffe auf ukrainische Hafen- und Seeinfrastruktur haben die seewärtigen Getreideexporte nahezu vollständig lahmgelegt, mit unterbrochenen Verladungen und zurückhaltenden Versicherern. Alternative Land- und Donaurouten sind entweder überlastet oder selbst Ziel von Angriffen, während Ungarn, Polen und die Slowakei ihre Einfuhrverbote aufrechterhalten. Die Eskalation im Schwarzen Meer und nach unten korrigierte Produktionsschätzungen sorgen für einen deutlichen Aufwärtstrend am gesamten Getreidemarkt. Ein globales Knappheitsrisiko sieht Fegra nicht, Logistik und Geopolitik stützen aber weiterhin die Preisvolatilität.

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