Andalusien fordert EU-Aussetzung der aktiven Veredelung für Olivenöl
Andalusien fordert Spaniens Landwirtschaftsministerium auf, die aktive Veredelung für Olivenöl auf EU-Ebene aussetzen zu lassen. Die Regionalregierung sieht steigende zollfreie Zuflüsse aus Tunesien als Wettbewerbsverzerrung bei sinkenden Preisen und höheren Produktionskosten.
Andalusien soll Madrid nach Brüssel schicken
Ramón Fernández-Pacheco, geschäftsführender andalusischer Minister für Landwirtschaft, Fischerei, Wasser und ländliche Entwicklung, hat das spanische Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung formell aufgefordert, die Aussetzung der aktiven Veredelung für Olivenöl zu beantragen. Nach Angaben von Europa Press stützt sich das Schreiben auf Artikel 195 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013. Die Europäische Kommission solle das Instrument einsetzen, um Störungen des spanischen und des gesamten europäischen Marktes zu verhindern.
Das besondere Zollverfahren erlaubt die abgabenfreie Einfuhr von Nicht-EU-Waren in die Europäische Union zur Verarbeitung. Die daraus entstehenden Erzeugnisse können anschließend wieder ausgeführt oder auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden; in diesem Fall werden die anwendbaren Zölle erhoben. Andalusien hält eine genauere Prüfung bei nativem Olivenöl extra für erforderlich, weil das Produkt lediglich einfachen Vorgängen unterzogen werde, die weder seine ursprünglichen Merkmale noch seine technischen Eigenschaften veränderten.
Fragen zur Verarbeitung und zu Mengen aus Tunesien
Die Regionalregierung verlangt von Madrid und Brüssel eine Klarstellung, ob natives Olivenöl extra für die aktive Veredelung infrage kommt und welche konkrete Verarbeitung das Verfahren gegebenenfalls rechtfertigt. Zudem fordert sie die Ergebnisse der Prüfungen spanischer Anträge zur aktiven Veredelung von Olivenöl aus den vergangenen fünf Jahren. Daraus soll hervorgehen, welche Mengen auf diesem Weg eingeführt und wie sie nach der Ankunft behandelt wurden.
Im Mittelpunkt steht Tunesien. Die Handelsregelung der Europäischen Union sieht ein zollfreies Kontingent von 57.700 Tonnen tunesischem Olivenöl vor. Europa Press zufolge ermöglicht die aktive Veredelung jedoch Einfuhren in Höhe des Doppelten dieser Menge. Daten der andalusischen Landwirtschaftsbehörde zeigen, dass die Einfuhren im Rahmen des Verfahrens 2024 und 2025 deutlich über dem Niveau von 2021 bis 2023 lagen. Der Trend setzte sich 2026 fort.
Der Anteil des tunesischen Olivenöls, der über die aktive Veredelung eingeführt wurde, erreichte 2025 61,6 % und stieg von Januar bis April 2026 auf 76,3 %. Natives Olivenöl extra machte in den ersten Monaten 2026 75 % aller im Rahmen des Verfahrens zugelassenen Olivenöleinfuhren aus. Die Regionalregierung sieht darin eine ausreichende Grundlage, alle verfügbaren Rechtsinstrumente zu nutzen, einschließlich einer Aussetzung bei festgestellten Störungen des EU-Marktes.
Niedrigere Preise erhöhen den Druck auf Erzeuger
Der Vorstoß erfolgt bei weiterhin niedrigen spanischen Olivenölpreisen, die im August nochmals sanken, besonders bei nativem Olivenöl extra. Gleichzeitig sind die Produktionskosten in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, wie eine im Juli vorgelegte Studie des spanischen Verbands der Olivenanbau-Kommunen zeigt. Diese Kombination schmälert die Margen von Erzeugern und Ölmühlen und verstärkt die Sorge, dass zollfreie Mengen ihre Verhandlungsposition schwächen.
Fernández-Pacheco sieht für heimische Erzeuger keine gleichen Wettbewerbsbedingungen und fordert das Ministerium auf, die EU zur Aktivierung des außergewöhnlichen Mechanismus zu bewegen. Die Europäische Kommission setzte die aktive Veredelung bereits für Rohrohrzucker aus, nachdem dessen Einfuhren gestiegen waren. Andalusien führt diesen Fall als Präzedenz an. Für Olivenöl wurde bislang keine Aussetzung angekündigt. Entscheidend ist nun, ob Madrid den Vorschlag nach Brüssel trägt und ob die Kommission die Marktdaten für einen Eingriff als ausreichend bewertet.