Ägyptische Tiefkühl-Erdbeeren gewinnen in Polens Verarbeitung an Bedeutung
Polen erzeugte 2025 rund 151.000 Tonnen Erdbeeren und importierte etwa 62.000 Tonnen Tiefkühl-Erdbeeren aus Ägypten. Das preisgünstige Angebot erweitert die Beschaffungsmöglichkeiten der Verarbeiter, wird aber nicht von allen Abnehmern akzeptiert.
Ägyptisches Angebot erreicht beträchtlichen Umfang
Tiefkühl-Erdbeeren aus Ägypten sind zu einer wichtigen Rohstoffquelle für die polnische Obstverarbeitung geworden. Sie erhöhen den Preisdruck in einem Markt, der traditionell von heimischen Betrieben beliefert wird. Nach von Dawtona genannten Zahlen produzierte Polen 2025 rund 151.000 Tonnen Erdbeeren, während die Einfuhren tiefgekühlter Erdbeeren aus Ägypten etwa 62.000 Tonnen erreichten.
Die beiden Mengen lassen sich nicht unmittelbar als Marktanteile vergleichen. Die polnische Zahl umfasst die gesamte Erdbeerproduktion des Landes, die ägyptische dagegen ausschließlich importierte Tiefkühlware aus einem einzelnen Herkunftsland. Dennoch zeigen die Daten, welches Gewicht ägyptische Ware in einem bedeutenden europäischen Produktions- und Verarbeitungsmarkt erreicht hat.
Niedrige Preise spalten Käufer und Lieferanten
Andrzej Gajowniczek, Präsident von OLV S.A. und des polnischen Verbands der Obst- und Gemüseverarbeiter, sagte gegenüber Portal Spożywczy, Erdbeeren seien in dieser Saison rund 20% günstiger als ein Jahr zuvor. Damit unterscheidet sich der Markt von Himbeeren und Johannisbeeren, deren Preise stark gestiegen sind. Ägyptische Erdbeeren bleiben günstiger und weisen stabile Preise auf. Verarbeiter erhalten dadurch eine Alternative, wenn polnische Ware teurer oder knapp wird.
Der Preis allein entscheidet jedoch nicht über den Einkauf. Gajowniczek zufolge akzeptieren viele Abnehmer keine ägyptischen Erdbeeren. Gründe wurden nicht genannt, doch diese Einschränkung verhindert, dass Importe polnische Rohware vollständig ersetzen. Der Markt teilt sich damit in Käufer, die günstigere Importware einsetzen können, und Kunden, die weiterhin auf polnische Herkunft angewiesen sind.
Heimisches Obst bleibt die Grundlage
Polen ist außerdem ein großer Produzent von Sauerkirschen, Johannisbeeren und Äpfeln. Je nach Fruchtart und Erntemenge gehört das Land bei mehreren Kulturen zur weltweiten Spitzengruppe. Michał Żak, Rohstoffdirektor von Dawtona, erklärte, ein erheblicher Teil der heimischen Ernten gehe in die Verarbeitung, die sich überwiegend auf polnisches Obst stütze. Tiefkühl-Erdbeeren bilden wegen der bedeutenden Importe eine auffällige Ausnahme.
Für Verarbeiter vergrößert das ägyptische Angebot den verfügbaren Rohstoffpool und kann die Einkaufspreise polnischer Erdbeeren für die Tiefkühlung beeinflussen. Für Erzeuger entsteht direkte Konkurrenz durch eine günstigere Quelle mit stabileren Preisen. Die fehlende Akzeptanz bei einem Teil der Kunden sichert polnischer Ware jedoch auch dann Absatz, wenn das Importprodukt weniger kostet.
Bestände bieten nur begrenzten Schutz
Lagerbestände schützen die Branche ebenfalls nur eingeschränkt vor Ernteausfällen und Preisschwankungen. Żak zufolge können tiefgekühltes Obst und Konzentrate aus früheren Saisons die Folgen einer schwächeren Ernte teilweise abfedern. Bei einem deutlichen Rückgang der Rohstoffverfügbarkeit sei ihre stabilisierende Wirkung jedoch begrenzt. Gajowniczek berichtete, dass abgesehen von Sauerkirsch- und Apfelkonzentrat keine größeren Altbestände vorhanden waren.
Julia Wójcik, Brand Development Manager bei Vortumnus, sagte Portal Spożywczy, seit mehreren Jahren fehle es an genügend Rohware, damit Kühlhäuser umfangreiche Vorräte aufbauen könnten. Zudem würden die Preise der Bestände üblicherweise an die aktuelle Marktlage angepasst, was ihre kostendämpfende Wirkung begrenze. Eine Ausnahme seien Äpfel, von denen mehr aus der Vorsaison übrig blieb. Importe und Lagerbestände bieten Polens Verarbeitern somit nur teilweisen Schutz und beseitigen weder Liefer- noch Preisrisiken vollständig. Ägyptische Tiefkühl-Erdbeeren sind kommerziell bedeutend geworden, doch die Anforderungen der Käufer begrenzen weiterhin ihre Austauschbarkeit mit polnischer Ware.