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Zollfreie US-Trockenpflaumen erhöhen den Druck auf Frankreichs Agen-Branche

Seit dem 1. Juli gelangen US-Trockenpflaumen zollfrei in die EU, nachdem der bisherige Satz von 9,6 % aufgehoben wurde. Die Agen-Branche befürchtet steigende Lieferungen und Preisdruck bei zugleich strengeren französischen Produktionsauflagen.

Zollfreie US-Trockenpflaumen erhöhen den Druck auf Frankreichs Agen-Branche

Die Zollbefreiung verändert den Wettbewerb

US-Trockenpflaumen können seit dem 1. Juli ohne Zoll in die Europäische Union gelangen. Ein Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa beseitigte den bisherigen Satz von 9,6 %. Das französische Branchenbüro BIP sieht dadurch Erzeuger und Verarbeiter einem stärkeren Wettbewerb durch den zweitgrößten Produzenten der Welt ausgesetzt.

Nach Angaben von La Dépêche wurden zwischen 2020 und 2025 jährlich durchschnittlich 7 675 Tonnen US-Trockenpflaumen in die Europäische Union und das Vereinigte Königreich eingeführt. Die französische Branche befürchtet einen deutlichen Anstieg, nachdem die Zollbarriere weggefallen ist. Eine Prognose für zusätzliche Mengen nennt die Quelle nicht. In einem reifen Markt könnten jedoch bereits begrenzte Zuwächse Verträge und Preise beeinflussen.

Das BIP kritisiert auch das Verfahren. Nach Darstellung des Verbands wurde die französische Branche vor der Zollabschaffung weder von französischen noch von europäischen Behörden informiert oder konsultiert. Die Folgen würden Obstbaubetriebe, Verarbeiter und landwirtschaftliche Unternehmen im Südwesten Frankreichs treffen.

Der Schutz von Agen verhindert keinen Preisdruck

Die geschützte geografische Angabe Pruneaux d’Agen sichert die Produktbezeichnung und steht für Herkunft, Rückverfolgbarkeit und Qualität. Sie verhindert jedoch nicht, dass importierte Trockenpflaumen in anderen Handels- und Industriesegmenten konkurrieren. Französische Anbieter rechnen deshalb auch auf ihrem Heimatmarkt mit größerem Druck auf die Verkaufspreise.

Die US-Branche ist nicht der einzige zollfreie Wettbewerber. Chile, laut La Dépêche weltweit größter Produzent und Exporteur von Trockenpflaumen, hat seit 2003 zollfreien Zugang zum europäischen Markt. Das Abkommen mit dem Mercosur soll außerdem Produkten aus Argentinien einen breiteren Zugang eröffnen.

Für französische Unternehmen wirkt die Konkurrenz aus den USA, Chile und perspektivisch Argentinien entlang der gesamten Lieferkette. Erzeuger könnten Marktanteile verlieren, Verarbeiter erhalten zusätzliche Beschaffungsoptionen und Händler sowie Einzelhändler können das größere Importangebot in Preisverhandlungen einsetzen. Entscheidend werden das Wachstum der Lieferungen, die Positionierung der Produkte und die Zahlungsbereitschaft für die Herkunft Agen sein.

Branche beanstandet unterschiedliche Produktionsregeln

Nach Angaben des BIP gelten in den Konkurrenzländern deutlich andere Agrarvorschriften als in Frankreich. In Chile seien 52 insektizide und 35 fungizide Wirkstoffe zugelassen, die in Frankreich verboten sind. In Argentinien könnten 48 insektizide und 37 fungizide Wirkstoffe eingesetzt werden, obwohl sie in Frankreich keine Zulassung besitzen.

Diese Zahlen belegen nicht die Rückstandsprofile einzelner Importpartien. Sie bilden jedoch die Grundlage für das Argument der französischen Branche, dass Kosten und regulatorische Bedingungen ungleich seien. Französische Obstbaubetriebe müssen strengere Umwelt- und Gesundheitsvorgaben erfüllen und zugleich mit Früchten konkurrieren, die nach Einschätzung des BIP unter anderen Standards günstiger erzeugt werden können.

Der Sektor fordert eine Reaktion der Regierung

Die französische Trockenpflaumenbranche sichert laut La Dépêche fast 10 000 direkte und indirekte Arbeitsplätze. Damit geht es neben den Erzeugerpreisen auch um Beschäftigung in Verarbeitung, Logistik und verbundenen Dienstleistungen im Südwesten, insbesondere im Département Lot-et-Garonne.

Das BIP hat sich an die französische Landwirtschaftsministerin gewandt und verlangt eine politische Reaktion. Die unmittelbare Aufgabe besteht darin, nach dem Zollabbau die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Produktion und den Wert der Herkunft Agen zu erhalten. Käufer und Händler gewinnen zusätzliche Bezugsquellen; französische Erzeuger verlieren dagegen einen Schutz von 9,6 % in einem Markt, in dem andere Herkunftsländer bereits fest etabliert sind.

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