Zertifizierung und Rückverfolgbarkeit werden für Vietnams Holzverarbeiter unverzichtbar
Vietnamesische Holzverarbeiter müssen in Exportmärkten strengere Vorgaben zu legaler Beschaffung, Rückverfolgbarkeit und Emissionsdaten erfüllen. Zugleich konkurrieren Hersteller von Hackschnitzeln mit der höherwertigen Verarbeitung um Akazienholz.
Exportmärkte verlangen Nachweise
Zertifizierung, Rückverfolgbarkeit und Emissionsdaten werden zu grundlegenden Voraussetzungen für Vietnams Holzindustrie, da Exportmärkte ihre Regeln verschärfen. Báo Đầu tư berichtete, dass legale Rohstoffe, nachhaltige Waldbewirtschaftung, transparente Lieferketten und geringere Treibhausgasemissionen im Mittelpunkt eines Forums zur nachhaltigen Rohstoffversorgung der höherwertigen Holzverarbeitung standen.
Bùi Thị Nha Trang, Managerin für die Zertifizierung von Nachhaltigkeitsstandards bei Control Union Vietnam, erklärte, dass die EU-Entwaldungsverordnung, RED III, Net-Zero-Verpflichtungen und ESG-Standards die globalen Lieferketten für Forstprodukte verändern. Käufer bewerten nicht mehr nur das fertige Holzprodukt, sondern erwarten Daten zum legalen Ursprung, zur Rückverfolgbarkeit und zum CO₂-Fußabdruck.
Der Handel mit Forstprodukten verlagert sich damit von vertrauensbasierten Beziehungen zu dokumentierten Nachweisen. Internationale Systeme wie FSC, PEFC, ISCC, GGL und SBP werden deshalb Bestandteile des betrieblichen Lieferkettenmanagements und nicht mehr nur Zertifikate für einzelne Kunden.
Hackschnitzel konkurrieren mit höherwertiger Verarbeitung
Phạm Đình Thắng, Vorsitzender von Triệu Thái Sơn, bezeichnete eine stabile, legale und qualitativ ausreichende Rohstoffversorgung als wichtigsten Engpass. Verarbeiter stünden in scharfem Wettbewerb mit Aufkäufern von Hackschnitzelholz. Gleichzeitig mache die verbreitete Ernte junger Akazien die Versorgung höherwertiger Produktionen unzuverlässiger.
Die Wertunterschiede sind erheblich. Laut Thắng erzielen etwa 3 Tonnen frisches Akazienholz als exportierte Hackschnitzel rund 3 Millionen Đồng. Die Verarbeitung derselben Menge zu Pellets bringt rund 6 Millionen Đồng, während Sperrholz und andere höherwertige Erzeugnisse einschließlich der Nutzung von Nebenprodukten mehr als 20 Millionen Đồng erreichen können.
Triệu Thái Sơn schlug eine strengere Kontrolle des Rohstoffeinkaufs, Beschränkungen für die Ernte unreifer Wälder, Anreize für großdimensioniertes Holz und eine digitale Datenbank für Anbaugebiete und Herkunftsnachweise vor. Damit könnten Verarbeiter mehr Wertschöpfung in Vietnam halten und die Einhaltung der Exportvorgaben dokumentieren.
Der CO₂-Fußabdruck wird zum Produktmerkmal
MDF-Mekong-Vorsitzender Đoàn Văn Tỉnh forderte Lösungen für Probleme bei Rohstoffgebieten, Politik und Förderung der höherwertigen Verarbeitung. Notwendig seien engere Beziehungen zwischen Waldbauern, Unternehmen und Behörden sowie bessere Voraussetzungen für Technologieinvestitionen anstelle des Exports geringwertiger Rohstoffe. Nguyễn Thế Mai, Geschäftsführer der May Forestry Joint Stock Company, sprach sich ebenfalls für nachhaltige Waldgebiete, eine stärkere Zusammenarbeit mit Waldbauern und langfristige Investitionsmechanismen aus.
Das Emissionsmanagement entwickelt sich zu einem weiteren Wettbewerbskriterium. Control Union Vietnam zufolge verlangen viele internationale Konzerne bereits Angaben zu Treibhausgasemissionen, insbesondere zu Scope-3-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der CO₂-Fußabdruck könnte damit neben Qualität und Preis zu einem festen Merkmal von Holzprodukten werden.
Von Báo Đầu tư zitierte Fachleute sehen in nachhaltig bewirtschafteten Rohstoffgebieten, digitalen Lieferketten, international standardisierten Emissionsbilanzen und CO₂-Gutschriften einen Weg zu höherwertigen Märkten und neuen Einnahmen. Für vietnamesische Hersteller hängt der Wettbewerbsvorteil zunehmend von überprüfbaren Daten, nachhaltigem Holz und tieferer Verarbeitung ab, nicht mehr vorrangig von Arbeitskosten oder Produktionskapazität.