ZapSibNeftekhim stoppt Betrieb nach Drohnenangriff in der Region Tjumen
Der Sibur-Komplex ZapSibNeftekhim in Tobolsk stellte nach Schäden durch einen Drohnenangriff den Betrieb ein. Laut Branchenquellen von Reuters produziert die Anlage jährlich rund 6 Millionen Tonnen Flüssiggas und damit etwa 40 % der russischen Gesamtmenge.
Betrieb auf unbestimmte Zeit ausgesetzt
Der Petrochemiekomplex ZapSibNeftekhim des russischen Konzerns Sibur in Tobolsk in der Region Tjumen stellte nach einem Drohnenangriff am Montag, dem 10. August, den Betrieb ein. Die Anlage wurde bei dem Angriff beschädigt. Reuters berichtete unter Berufung auf drei Branchenquellen über die Stilllegung. Einer Quelle zufolge wurde das Werk auf unbestimmte Zeit abgeschaltet, während Fachleute das Ausmaß der Schäden und die Folgen für den Betrieb prüfen.
Der Gouverneur der Region Tjumen, Alexander Moor, hatte zuvor von einem Brand in einer Industrieanlage nach einem Drohnenangriff berichtet, das betroffene Unternehmen oder den Standort jedoch nicht genannt. Sibur lehnte gegenüber Reuters eine Stellungnahme ab. Aus den verfügbaren Berichten geht daher nicht hervor, welche Produktionseinheiten beschädigt wurden, wie lange die Reparaturen dauern könnten oder ob Teile des Komplexes früher als die übrigen Anlagen wieder anlaufen können.
Ausfall trifft einen großen Teil der russischen Flüssiggaskapazität
ZapSibNeftekhim ist Russlands größter Produzent von Flüssiggas. Nach Angaben von Branchenquellen gegenüber Reuters stellt der Standort Tobolsk jährlich rund 6 Millionen Tonnen Flüssiggas her. Das entspricht etwa 40 % der gesamten russischen Produktion. Ungefähr die Hälfte dieser Menge dient als Rohstoff für Siburs eigene petrochemische Anlagen innerhalb des Komplexes.
Die Stilllegung beeinträchtigt damit sowohl das verfügbare Flüssiggasangebot als auch die interne Lieferkette zwischen Gasverarbeitung und petrochemischer Produktion. Bei einem längeren Ausfall hängen die wirtschaftlichen Folgen von Siburs Lagerbeständen, der möglichen Umleitung von Rohstoffen aus anderen Anlagen und dem Zustand der beschädigten Ausrüstung ab. Auch die Mengen für externe Käufer könnten sinken, da ein erheblicher Teil der Produktion normalerweise am Markt verkauft und nicht innerhalb des Komplexes verbraucht wird.
Angebote aus Tobolsk verschwinden von der Börse
Ein erstes Marktsignal zeigte sich an der St. Petersburger Internationalen Waren- und Rohstoffbörse. Am 11. August wurden dem Bericht zufolge keine Flüssiggaspartien vom Verladepunkt Tobolsk angeboten. Zuvor waren dort regelmäßig rund 4.000 Tonnen Propan-Butan-Gemisch pro Tag verkauft worden. Das Ausbleiben der Angebote lässt noch keinen Schluss auf die Dauer des Stillstands zu, zeigt aber, dass der Angriff die reguläre kommerzielle Versorgung vom Standort unmittelbar unterbrochen hat.
Der Vorfall folgt auf weitere drohnenbedingte Unterbrechungen in der russischen Energieverarbeitung. Die Raffinerie Tjumen stellte ihren Betrieb nach einem Angriff Ende Juli vollständig ein. Sie liegt mehr als 2.000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, was die geografische Reichweite der jüngsten Angriffe auf russische Industrieanlagen verdeutlicht. Frühere Berichte besagten außerdem, dass Russland wegen einer infolge der Raffinerieangriffe gesunkenen inländischen Rohölverarbeitung mit Benzinimporten aus Indien begonnen habe. Moskau hatte zuvor die Kraftstoffexporte eingestellt, um den Binnenmarkt zu versorgen.
Reparaturdauer entscheidet über die Marktfolgen
Für Flüssiggashändler und petrochemische Abnehmer ist entscheidend, wie lange ZapSibNeftekhim außer Betrieb bleibt. Der Anteil des Werks an der Jahresproduktion macht selbst einen vorübergehenden Ausfall für das russische Angebot relevant. Da etwa die Hälfte des Flüssiggases als eigener Rohstoff genutzt wird, reichen die Folgen über den freien Verkauf von Propan und Butan hinaus. Bei einer längeren Stilllegung müsste Sibur zwischen dem Bedarf der eigenen Petrochemie und externen Verkäufen priorisieren, alternative Rohstoffe beschaffen oder die nachgelagerte Produktion reduzieren. Bis die Schadensprüfung abgeschlossen ist, gibt es keinen bestätigten Zeitplan für die Wiederaufnahme der Produktion und der Börsenverkäufe aus Tobolsk.