WFP: Grundnahrungsmittel in Afghanistan bis zu 35 Prozent teurer, Harnstoff plus 28 Prozent
Das Welternährungsprogramm meldet für die erste Septemberwoche weitgehend stabile Märkte in Afghanistan, doch die Preise für Grundnahrungsmittel liegen deutlich über dem Vorjahr: Reis plus 22 bis 35 Prozent, Weizen plus 13 Prozent, Speiseöl plus 14 Prozent. Betriebsmittel steigen noch schneller, Harnstoff um 28 Prozent und Diammoniumphosphat um 13 Prozent im Jahresvergleich. Für 2026 erwartet das WFP 13,8 Millionen Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit.
Ruhige Woche verdeckt den Preisanstieg des Jahres
Die afghanischen Märkte waren in der ersten Septemberwoche weitgehend stabil, doch die Preise vieler Grundnahrungsmittel liegen weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau. Das geht aus dem jüngsten Marktbericht des Welternährungsprogramms (WFP) zu Afghanistan hervor. Shahrara News, das die Ergebnisse wiedergab, berichtete, dass sich Weizen und Weizenmehl gegenüber der Vorwoche kaum verändert haben. Laut Memar Press wurde der Bericht am Montag, dem 23. Sunbula des afghanischen Kalenders, veröffentlicht.
Im Jahresvergleich verteuerte sich Weizen um 13 Prozent, günstiges Weizenmehl um 12 Prozent und hochwertiges Weizenmehl um 7 Prozent, wie aus den von Shahrara News und Memar Press zitierten WFP-Zahlen hervorgeht. Weizen und Mehl decken den Großteil der Kalorienzufuhr afghanischer Haushalte, weshalb bereits einstellige Jahresraten die Haushaltsbudgets spürbar belasten.
Am stärksten legte Reis zu. Die Wochenbewegungen blieben gering, doch die beiden vom WFP erfassten Reissorten lagen 22 und 35 Prozent über dem Vorjahr. Shafaqna Afghanistan nennt unter Verweis auf denselben Bericht ein Plus von 22 Prozent für Palow-Reis und von 35 Prozent für Sholay-Reis. Zudem notierte Reis rund 22 Prozent über dem Dreijahresdurchschnitt.
Öl, Zucker und Gemüse erhöhen die Rechnung
Die Wochenveränderungen beim übrigen Warenkorb fielen klein aus, wiesen aber fast durchgehend nach oben. Das WFP verzeichnete folgende Bewegungen:
- Speiseöl plus 1,3 Prozent zur Vorwoche und plus 14 Prozent zum Vorjahr;
- Hülsenfrüchte plus 0,9 Prozent zur Vorwoche;
- Zucker plus 0,6 Prozent zur Vorwoche und plus 11 Prozent zum Vorjahr;
- Zwiebeln plus 4,7 Prozent zur Vorwoche;
- Kartoffeln minus 1,4 Prozent zur Vorwoche, aber 43 Prozent über dem Vorjahr und 35 Prozent über dem Dreijahresdurchschnitt;
- Tomaten minus 0,7 Prozent zur Vorwoche.
Shafaqna Afghanistan beschreibt das Muster als versteckte Inflation im Lebensmittelbereich: Die äußere Ruhe des Marktes gehe mit einer breiten jährlichen Verteuerung des Grundwarenkorbs einher und verschärfe die Anfälligkeit einkommensschwacher Gruppen gegenüber wirtschaftlichen Schocks.
Löhne kaufen weniger Mehl
Der WFP-Bericht misst die Kaufkraft der Haushalte auch in Weizenmehl. Nach diesem Maßstab konnten Tagelöhner 14 Prozent weniger Mehl kaufen als vor einem Jahr, Viehhalter 7 Prozent weniger, berichtete Shahrara News.
Der Rückgang der realen Einkommen trifft auf eine breite Ernährungs- und Mangelernährungskrise. Did Press berichtete, dass nach WFP-Prognosen rund 13,8 Millionen Menschen im Jahr 2026 in Afghanistan von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein werden.
Düngerkosten heben die Latte für die nächste Ernte
Der Preisdruck beschränkt sich nicht auf den Konsumkorb. Harnstoff war 28 Prozent teurer als vor einem Jahr, Diammoniumphosphat (DAP) 13 Prozent, meldete Shahrara News unter Berufung auf den WFP-Bericht, der darauf hinweist, dass steigende Betriebsmittelpreise die Produktionskosten der Landwirte erhöhen können.
Shafaqna Afghanistan beziffert auf Grundlage derselben WFP-Daten den Jahresanstieg bei Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln einschließlich Dünger auf mehr als 10 bis rund 30 Prozent und führt den Kaufkraftverlust neben den Preisen auch auf die Arbeitslosigkeit zurück. Halte die Lage ohne wirksame Unterstützungspolitik und bei sinkender internationaler Hilfe an, werde sich die Einkommenskluft weiter vertiefen.
Im Fazit des Berichts hält das WFP fest, dass die Marktlage in Afghanistan in der ersten Septemberwoche zwar vergleichsweise stabil war, die hohen Preise für Grundnahrungsmittel und Betriebsmittel aber weiterhin auf der Kaufkraft der Haushalte und den Produktionskosten im Land lasten.