Westflämisches Rot-Braunbier erhält als erstes belgisches Bier EU-Regionalschutz
Die EU hat westflämisches Rot-Braunbier als geschützte geografische Angabe anerkannt. Damit erhält erstmals ein belgisches Bier diesen Regionalschutz, der berechtigten Erzeugern Kennzeichnungsrechte und Schutz vor Nachahmung verschafft.
EU erkennt regionalen belgischen Bierstil an
Westflämisches Rot-Braunbier ist das erste belgische Bier mit dem EU-Status einer geschützten geografischen Angabe. Wie VRT berichtet, hat die Europäische Kommission vor Kurzem die Qualität und den besonderen Charakter des leicht säuerlichen Bieres anerkannt, das überwiegend in der belgischen Provinz Westflandern gebraut wird.
Die geschützte geografische Angabe, kurz g.g.A., nimmt das Bier in das EU-Register für Erzeugnisse auf, deren Ruf, Eigenschaften oder Herstellung mit einer bestimmten Region verbunden sind. Erzeuger, die die Vorgaben erfüllen, dürfen den geschützten Namen verwenden und können gegen Nachahmung oder missbräuchliche Verwendung im EU-Binnenmarkt vorgehen. Nach Angaben der Kommission erleichtert die Anerkennung Verbrauchern außerdem die Identifizierung geschützter Produkte und eröffnet den Herstellern zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten, auch international.
Der Eintragung ging ein rund 15 Jahre dauerndes Verfahren voraus. Acht Brauereien beteiligten sich: Rodenbach, Verhaeghe, De Brabandere, Omer Vander Ghinste, Strubbe, Vanhonsebrouck, The Brew Society und ’t Verzet. Sie gründeten den Hoge Raad voor de Authentieke Vlaamse Rood Bruine Bieren, den Hohen Rat für authentische flämische Rot-Braunbiere, um ihre Interessen zu vertreten und die europäische Anerkennung zu erreichen.
Herstellungsverfahren prägt den Bierstil
Das Bier wird aus Gerstenmalz, Hefe, Getreide, vergärbarem Zucker, Milchsäurebakterien, lokalem Brauwasser und Hopfen hergestellt. Je nach gewünschtem Geschmacksprofil können Gewürze oder rote Früchte hinzukommen, Farbstoffe werden jedoch nicht eingesetzt. Während der mehrmonatigen Reifung in Eichenholz gehen Tannine und Holzaromen in das Bier über.
Die Herstellung beruht auf Mischgärung. Laut VRT besteht das Bier üblicherweise zu 75% aus Jungbier und zu 25% aus Bier, das mehrere Monate in großen Eichenfässern gereift ist, die traditionell Foeders heißen. Die Europäische Kommission bezeichnete diese Reifungsmethode als Besonderheit der belgischen Braukultur, die den typischen leicht säuerlichen Geschmack entstehen lässt.
Die älteste bekannte Beschreibung der westflämischen Tradition stammt aus dem Jahr 1851, obwohl die Braupraxis selbst als älter gilt. Die Kommission führt den Ruf des Bieres auf seine festgelegten Produkteigenschaften und das überlieferte Wissen der lokalen Brauer zurück.
Schutz umfasst eine Gruppe etablierter Hersteller
Zu den bekannten Beispielen zählen Rodenbach aus der gleichnamigen Brauerei in Roeselare, Duchesse de Bourgogne von Verhaeghe in Vichte und Vander Ghinste Roodbruin von Omer Vander Ghinste in Bellegem. VRT nennt außerdem Ichtegem’s Grand Cru von Strubbe, Petrus Roodbruin von De Brabandere, Oud Bruin von ’t Verzet und XII Flemish Red Ale von SOSAB.
Westflämisches Rot-Braunbier gehört nun zum EU-Register der geschützten geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen mit mehr als 3.900 Produkten. In Belgien verfügen 20 Erzeugnisse über einen solchen Regionalschutz, darunter Geraardsbergse Mattentaart, Limburgse Vlaai und Brüsseler Freiland-Chicorée.
Belgische Biere sind bereits in einem anderen EU-System anerkannt. Oude Geuze und Oude Kriek stehen seit 1997 als garantiert traditionelle Spezialitäten unter Schutz. Anders als eine g.g.A. schützt diese Bezeichnung eine traditionelle Rezeptur oder Herstellungsmethode und nicht die Verbindung zu einem abgegrenzten Gebiet. Vorhaben für einen europäischen Schutz von Spéciale Belge und Saison werden laut VRT derzeit nicht weiterverfolgt.